Heute vor 50 Jahren, am 23. November 1965, wurde der Schwimmverein Willich gegründet

Bild 6 - Synchronschwimm-Weltmeisterschaften 1982 Ecuador
Bild 1 - GründungsurkundeIn der Gaststätte Hamacher auf der Bahnstraße unterschrieben 40 Frauen und Männer die Gründungsurkunde.

Dem waren wochenlange Gespräche mit der Stadt und anderen Vereinen vorausgegangen. Nachdem klar war, dass am 15. Oktober 1965 in Willich ein Schwimmbad eröffnet werden würde, lag es nahe, auch ein Vereinsschwimmen aufzubauen. Die zu dieser Zeit existierende Schwimmgemeinschaft Mühlenfeld war deshalb froh, als Max Großmann, der zuvor Trainer bei Preußen Krefeld gewesen war und nun als Bademeister in Willich angestellt wurde, seine Hilfe bei der Gründung eines Vereins anbot. Die Gemeinde Willich hatte beschlossen, nur einen Schwimmsport treibenden Verein zu fördern und da Gespräche über einen Anschluss als Abteilung an den VfL Willich fruchtlos blieben, entschloss sich die eher lose Schwimmgemeinschaft, selbst einen Verein mit festen Strukturen aufzubauen.

Es war vor allem die Flut an Kindern und Jugendlichen, die sich um die erwachsenen Gründungsmitglieder scharte und die dafür sorgte, dass die Mitgliederzahl sehr schnell anwuchs: Noch im Dezember des Gründungsjahres wurde das 250. Mitglied begrüßt und sechs Wochen nach Gründung verzeichnete der SVW im Januar 1966 342 aktive Mitglieder (davon über 250 Kinder und Jugendliche). Mit unermüdlichem Eifer ging der erste Vorstand ans Werk. Während sich Gründungsmitglieder wie Willi Hoppmanns, Günter Gebhard sen., Hans Förster, Eberhard Wiewandt, Bernhard Höckner, Karl-Hermann Schick, Siegfried Kurze und Kurt Debus um die Organisation kümmerten, standen mit den Ehepaaren Ingrid und Max Großmann sowie Sigrid und Randolf Hänisch ausgezeichnete Trainer und Übungsleiter für den aktiven Sport- und Jugendbetreuungsbetrieb zur Verfügung.

Schon 1966 waren erstmalig Namen von Willicher Nachwuchsschwimmern in der Bestenliste des Bezirks Düsseldorf im Westdeutschen Schwimmverband enthalten. Als Besonderheit entstand aus kleinsten Anfängen heraus unter der Leitung von Sigrid Hänisch eine Abteilung für Kunst- und Synchronschwimmen. Aber nicht nur der Leistungssport, auch der Breitensport wurde sofort zielstrebig organisiert: Jugendleiter Randolf Hänisch meldete für das Jahr 1966 die Abnahme von 25 Sportabzeichen. Die erste Nikolausfeier und der erste Jugendabend im Vereinslokal Hamacher zeigten, dass Schwimmsport ohne Pflege der Gesellschaft undenkbar ist.


1968 fand die erste Osterfahrt nach Blankenheim statt, aus der später die Herbstfahrt der Jugendabteilung entstehen sollte. Die Kunstschwimmerinnen nahmen erstmals an Westdeutschen Meisterschaften, Deutschen Jugendmeisterschaften und sogar den Deutschen Meisterschaften teil; ähnlich schnell war die Entwicklung bei der Schwimmabteilung: 1971 schwamm die 1. Knabenmannschaft der Jahrgänge 1960 und 1961 mit Michael Brungs, Reiner Förster, Rainer Kabelitz, Stefan Mokter, Oliver Musch, Michael Schaaf, Uwe Schmidt und Edgar Zank in 10:54,7 Minuten neuen deutschen Rekord im Mannschaftswettkampf und belegte vor 162 anderen Mannschaften den ersten Platz. Dafür wurde sie bei der ersten Willicher Stadtsportlerehrung am 27. November 1971 als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet.

Im Mai 1974 erfolgte die Gründung der Schwimmstartgemeinschaft DJK Teutonia St. Tönis – Schwimmverein Willich. Den Anstoß zu diesem Bündnis gaben zweckempfundene Überlegungen der Vorstände der beiden leistungsstärksten Schwimmvereine im Kreis Kempen–Krefeld: Sowohl die Schwimmabteilung der Teutonia als auch der Schwimmverein Willich verfügten über einige ausgezeichnete Nachwuchsschwimmer, die in den Vorjahren wiederholt bei allen Leistungsvergleichen, bis hin zu Deutschen Jahrgangsmeisterschaften, als Einzelschwimmer hervorragende Ergebnisse erzielt hatten. In beiden Vereinen des Kreises fehlte es jedoch, im Vergleich zu Großvereinen mit hoher Mitgliederzahl und dementsprechend höherer Nachwuchszahl, an schlagkräftigen Staffelmannschaften, um im Reigen der Besten Deutschlands mitzumischen und auf vordersten Plätzen zu landen.

Bild 7 - Lisann Flamang 2011
Ebenfalls 1974, am 20. Juli, wurde in Willich das Freibad mit acht 50-Meter-Bahnen eröffnet, die die Trainingsmöglichkeiten im Sommer im Vergleich zum 25-Meter-Becken mit nur drei Bahnen um ein Vielfaches verbesserten. Die bestimmende Schwimmerin dieser Zeit war Gudrun Förster, von 1971 bis 1981 ununterbrochen Vereinsmeisterin. Bei den Herren wechselten sich in den 1970er Jahren ihr Bruder Reiner und Werner Ruland – der Jugendwart jener Zeit – munter bei den Vereinstiteln ab. Doch in ihrem Schatten bildete der Willicher Schwimmverein weiterhin hervorragenden Nachwuchs aus: Iris Pempelfort etwa lernte in Willich das Schwimmen bis hin zu Deutschen Jahrgangsmeisterschaften und wurde später unter anderem Deutsche Meisterin.

Bemühungen um 1977, eine Sprung- und eine Wasserballabteilung aufzubauen, mussten aufgrund unzureichender Sprunganlagen bzw. ungenügender Trainingsmöglichkeiten schnell wieder eingestellt werden. Die Mitgliederentwicklung zeigte sich davon unbeeindruckt: Die 652 Mitglieder, die der Verein 1977 hatte, wurden bis heute nicht mehr erreicht. Seit 1978 besteht eine enge Vereinsfreundschaft zum SC Neptun Alzey; die jeweiligen Schwimmveranstaltungen werden seit Jahrzehnten regelmäßig besucht und auch außerhalb des Sports die Kontakte gesucht.

Die Schwimmstartgemeinschaft mit der DJK Teutonia St. Tönis dagegen wurde 1979 in aller Freundschaft wieder aufgelöst, weil beide Vereine der Leistungsexplosion im Schwimmsport bei den eingeschränkten Finanz- und Trainingsmöglichkeiten nicht mehr folgen konnten. Dafür waren die Synchronschwimmerinnen erfolgreich wie nie zuvor: 1978 wurde Kirsten Hohlstein Willicher Sportlerin des Jahres; in den 1980er Jahren war der Schwimmverein – vor allem repräsentiert durch die Hohlstein-Schwestern Birte, Silke und Kirsten – einer der besten Synchronschwimmvereine Deutschlands mit vielen Deutschen Meistertiteln und sogar der Teilnahme an Weltmeisterschaften.

Trainer der Schwimm-Leistungsgruppe waren ab Anfang der 1980er Jahre Werner Ruland und ab 1986 Günter Cranen. In den 1980ern und frühen 1990ern wurden auch die meisten der noch heute gültigen Vereinsrekorde aufgestellt. Verantwortlich hierfür: Annette Helmes, Inken Hansen, Ute Lindemann, Ulf und Jens Großmann sowie Bernd Koenen. Das Anfängerschwimmen – bis heute die mit weitem Abstand größte Abteilung des Vereins – wurde zunächst von Ingrid Großmann geleitet, später von Monika Gohr. Auch die Synchronschwimmerinnen unter Cheftrainerin Ingeborg Hohlstein leisteten hervorragende Nachwuchsarbeit, wie etwa die Auszeichnung für die beste Jugendarbeit 1982 in der Sparte Kunstschwimmen durch den Deutschen Schwimmverband belegt.

Bild 8 - Abriss Hallenbad 1990Eine wahre Existenzkrise erlebte der Schwimmverein im Jubiläumsjahr 1990, als in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai das alte Willicher Schwimmbad nach nicht einmal 25 Jahren Betrieb bei einem Brand so stark beschädigt wurde, dass es abgerissen werden musste. Vier Jahre lang musste für die Schwimmabteilung Ersatztraining in anderen Bädern der Umgebung organisiert werden, dann wurde am 21. Juni 1994 das neue Freizeitbad »De Bütt« mit sechs 25-Meter-Bahnen eröffnet. Die bis dahin so erfolgreiche Synchronschwimmabteilung hat diese schwierige Zeit leider nicht überlebt, sie musste sich in anderen Vereinen eine neue Heimat suchen. Erfolgreichster Schwimmer in den 1990er Jahren war Heinz-Hubert Kallen, der bis heute Rekordvereinsmeister ist.

Von 1996 bis 2010 war der Schwimmverein Willich Heimat einer Triathlonabteilung und Ausrichter des Willicher Triathlons, der schnell zur größten Sportveranstaltung der Stadt mit über 1000 Aktiven wurde. Auch sportlich machte der Trendsport von sich reden: 2001, 2002 und 2004 kamen Willicher Sportlerin bzw. Sportler des Jahres aus der Triathlonabteilung. Die Synchronschwimmerinnen Birte Hohlstein-Janssen und Silke Hohlstein-Terwesten wagten ab 2002 einen Neuanfang in Willich und wurden prompt (wie auch 2004, 2010 und 2012) zur Willicher Mannschaft des Jahres gewählt. Grund dafür waren ihre Erfolge bei den Masters-Weltmeisterschaften, wo sie unter anderem seit 2010 durchgehend Weltmeisterinnen in ihrer Altersklasse geworden sind.

Zum Jahresende 2005 verließen die bisherigen »Zugpferde« der Schwimm- und der Jugendabteilung, Monika Gohr und Günter Cranen, den Verein. Eike Müller übernahm die Schwimmabteilung und holte Werner Ruland als Cheftrainer zurück, der das Team bis 2014 von Grund auf neu formte. Unter seiner Leitung gab es erstmals nach mehr als 20 Jahren wieder neue Vereinsrekorde, aufgestellt von Judith Lambertz, Philipp Greiner-Petter und René Greiner-Petter. Die Jugendarbeit wurde nach 2005 maßgeblich von einem Team um Nicole Bombis, Katharina Weber und Christian Bombis gestaltet. Die Anfängerschwimmabteilung wurde von Gudrun Gohr-Bombis übernommen, die 2007 nach 35 Jahren das letzte Training im Lehrschwimmbecken der Jahnschule in Schiefbahn leitete. Seitdem nutzen sie und ihr Team für das Anfängerschwimmen das Variobad, einen Anbau an »De Bütt«.

Auch die Breitensportabteilung hält sich unter anderem im Variobad fit: Neben dem regulären Schwimmen für die Seniorinnen und Senioren bieten der Schwimmverein dort Aquajogging und für eine jüngere Generation seit Neuestem auch Power-Aquajogging als Alternative fürs Fitnessstudio an. Daneben gibt es monatliche Wanderungen in ganz NRW und wöchentliches Leichtathletiktraining im Sport- und Freizeitzentrum. In der Synchronschwimmabteilung macht sich die kontinuierliche Aufbauarbeit seit der Neugründung 2002 bemerkbar: Mit Lisann Flamang wurde 2011 zum ersten Mal nach über zwanzig Jahren wieder eine Synchronschwimmerin des Schwimmvereins Willich in die Jugend-Nationalmannschaft berufen, bereits 2013 folgte ihr mit Kira Terwesten die nächste. Heute sind die Willicher Synchros wieder ein bekannter und anerkannter Name in der deutschen Synchronschwimmszene und sorgen im Jubiläumsjahr sogar für ein absolutes Novum im Schwimmverband Rhein-Wupper: Nico Janssen ist der erste Junge in der Geschichte des Schwimmverbands, der in das neunköpfige Auswahlteam berufen wurde.
Bild 10 - Willicher in Alzey 1989Der aktuelle Vorstand um Uta Müller, Udo Bombis und Uwe Bleck macht den Verein fit für die Aufgaben und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: Der Schwimmverein bietet einer älter werdenden Gesellschaft neue Angebote im Gesundheitsbereich an und stärkt die Nachwuchsarbeit weiter, damit auch in Zukunft jedes Willicher Kind sicher schwimmen kann. Durch das neue Vereinsbüro wird die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen besser koordiniert und die Organisation des Vereins weiter professionalisiert. Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal des Vereins ist seit vielen Jahrzehnten die hervorragende Jugendarbeit für alle Altersstufen vom Besuch eines Puppentheaters für die ganz Kleinen bis zum Wasserskifahren für die Jugendlichen. Diese engagierte ehrenamtliche Arbeit wäre aber nutzlos ohne die vielen Helferinnen und Helfer am Beckenrand, die dem Verein ein Gesicht geben und die dafür sorgen, dass der Schwimmverein Willich seit genau 50 Jahren und auch in Zukunft voller Stolz nach seinem Motto lebt: Wir halten Willich über Wasser.
Detaillierte Informationen zum Schwimmverein Willich mit mehr als 1500 Veranstaltungen und 20.000 Bildern aus allen Jahrzehnten des Vereinsbestehens gibt es auf schwimmverein-willich.de.