Ab Freitag: Straße in Wekeln erinnert an jüdische Familie Lion

Familie Lion Juden Geschichte Willich
Foto: Willich erleben

An das furchtbare Schicksal der Willicher Familie Lion, die 1938 dem brauen Terror aus Willich entfliehen musste, erinnert bald eine Straße: Am Freitag, 20. April  wird um 11 Uhr in angemessen feierlicher Form in einem Wekelner Wohngebiet in der Nähe des Willicher Friedhofs (auf dem sechs Grabsteine der Lions zu finden sind) das Straßenschild „Lionstraße“ mit der dazu gehörenden Legende enthüllt – in Schiefbahn erinnert bereits die Rübsteckstraße an die gleichnamige, ebenfalls von den Nazis ermordete Familie.

Zur feierlichen Einweihung sind natürlich alle Bürger der Stadt eingeladen; 22 Angehörige der Familie Lion werden unter anderem aus Australien, Israel, Großbritannien und den USA anreisen, wie Bernd-Dieter Röhrscheid, der sich mit dieser Aktion einmal mehr gemeinsam mit Stadtarchivar Udo Holzenthal um die Erinnerung der in deutschem Namen aus der Stadt vertriebenen und zu einem Großteil ermordeten Menschen mosaischen Glaubens verdient macht, erläutert: „Teilweise sehen sich Familienmitglieder am 20. April zum ersten Mal – und aus ersten Reaktionen wissen wir, dass sie die Benennung der Straße und diesen Event als große Ehre empfinden.“

Familie fest in Willich verwurzelt

Die Familie Lion lebte fast 70 Jahre in Häusern an der Bahnstraße. Eingebunden, engagiert und integriert, bis 1933 die Machtübernahme der Nazis alles änderte – und auch in Willich niemand dagegen opponierte: Die Metzgerei der Lions wurde geschlossen, ein Berufsverbot erteilt. Nach der Pogromnacht 1938 flohen vier Kinder noch rechtzeitig, die in Willich verbliebenen Rosette Lion und ihr Neffe Arthur starben 1943 im KZ Theresienstadt, Albert Lion und seine Frau Karoline im KZ in Riga.

76 Stolpersteine erinnern stadtweit an das Schicksal der einst in Willich lebenden Juden; Röhrscheid und Holzenthal haben mit ihrem viel beachteten und absolut lesenswerten Buch „Die Geschichte der Juden in Willich – Jüdisches Leben in den Gemeinden Anrath, Neersen, Schiefbahn und Alt-Willich von 1700 bis heute“ einen wesentlichen Beitrag wider das Vergessen dieser dunkelsten deutschen, aber eben auch lokalen Geschichte geliefert.

Straße trägt Familiennamen

Jetzt steht die Einweihung der Lionstraße in Wekeln an: ab 11 Uhr sorgt Jürgen Löscher mit der Klarinette und Klezmer-Musik für eine angemessene musikalische Einstimmung; nach einer Begrüßung durch Bernd-Dieter Röhrscheid werden Grußworte auch von Nachkommen der Familie Lion zu hören sein. Bürgermeister Josef Heyes wird dann das Straßenschild enthüllen, es folgt ein „Come Together“ zu Gespräch und Gedankenaustausch mit Anwohnern der Lionstraße, Nachkommen der Familie Lion und weiteren Gästen der Einweihung. Anschließend geht es dann zur Besichtigung der Grab- und Gedenksteine auf dem Willicher Friedhof, zu einer Gedenkminute an den Stolpersteinen vor dem ehemaligen Wohnhaus an der Bahnstraße und zu einem Besuch der ehemaligen „Klöntüre“ des Wohnhauses Bahnstraße, die erhalten wurde und inzwischen in der Willicher Altenstube ein neues Zuhause gefunden hat. Röhrscheid: „Alle Bürger sind herzlich eingeladen, die „Einweihung“ der Lionstraße mit zu feiern.“