Freiwillige Feuerwehr Stadt Willich: Viel Arbeit zum Jahresanfang

Gleich zwei große Einsätze haben die ehrenamtlichen Löschkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Willich zum Jahresbeginn stark beschäftigt. In der Nach zum 17. Januar um 4 Uhr nachts wurden die Löschkräfte alarmiert, weil es durch einen Blitzschlag auf dem Dicker-Hof von Bernd Stennes zu einem Großbrand gekommen war. Dieser Einsatz dauerte mit Nacharbeiten bis 20 Uhr – und schon am nächsten Tag (18. Januar) sorgte Sturmtief Friederike von 10 bis 19 Uhr für rund 160 Einsätze inklusive der Nacharbeiten.

Für den Chef der Freiwilligen Feuerwehr Willich, Stadtbrandinspektor Thomas Metzer, haben seine Leute an diesen Tagen eine erhebliche und teils auch für sie selber gefährliche Sicherheitsleistung für die Bevölkerung erbracht: „Der Sturm war gefährlich für alle, aber die Bürger waren aufgerufen worden, zuhause in Sicherheit zu bleiben. Meine Frauen und Männer mussten aber raus, um Gefahren für die Bürger abzuwehren“, schildert er.

Bei der Einsatzplanung für die Arbeiten auf dem Dickerhof habe er die Wettervorhersagen zu Friederike schon berücksichtigt und die Einsatzkräfte zügig ausgetauscht. Erst seien Willich und Anrath im Einsatz gewesen, danach Neersen und Clörath. Währenddessen habe der Löschzug Schiefbahn die Verantwortung für den Brandschutz in der Gesamtstadt getragen.

Thomas Metzer am Einsatzort mit Kreisbrandmeister Klaus-Thomas Riedl

Am Sturmtag selber habe er die Feuerwehrleute zur Vorsicht angehalten: „Wir haben nur das gemacht, was massiv die öffentliche Sicherheit gefährdet hat.“ Gefahrenstellen, Hauptstraßen und öffentlicher Raum hätten Vorrang, „den Rest machen wir, wenn die akute Gefahr vorbei ist“, so Metzer. Denn die Bilanz ist immer noch erschreckend: Das Sturmtief hatte in ganz Deutschland acht Menschenleben gefordert, darunter die von zwei Feuerwehrleuten – und im Kreis Viersen denken viele Rettungskräfte noch an den Sturm Kyrill am 18. Februar 2007: Damals war in Tönisvorst Feuerwehrmann Thomas Grumbach zu Tode gekommen. Friederike hatte in Willich mit den Nacharbeiten zu insgesamt rund 160 Einsätzen geführt, so die Bilanz – und alle diese Arbeiten haben stundenlang die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute erledigt.

Keine Ruhepause

Schon alleine diese Aufgaben stellen eine enorme Herausforderung an die Einsatzkräfte – was viele Bürger im Nachhinein nicht bedenken: Für die Ehrenamtler gibt es nach Einsätzen in der Regel keine Ruhepause. Sie können nicht wie Berufsfeuerleute nach 24 Stunden in die Ruhephase oder nach längeren Einsätzen Überstunden abbauen, sondern müssen zurück in ihre beruflichen Tätigkeiten und dort leistungsfähig sein. „Wir sind ja froh, dass wir in Willich noch relativ viele Arbeitgeber haben, die ihre Leute für den Dienst am Bürger freistellen, Projekte und Aufträge umplanen und in manchen Fällen sogar auf die vom Land vorgesehenen Ausgleichszahlungen nicht beantragen – aber das kann ein Unternehmen auch nicht dauerhaft ohne wirtschaftliche Verluste aushalten“, hat Metzer Verständnis für die „andere“ Seite. Es komme auch vor, dass die Feuerwehrleute die Abwesenheitsstunden nacharbeiten müssen. Bei großen Einsätzen sei das Arbeitgeber-Verständnis oft noch eher vorhanden als bei den üblichen Tageseinsätzen – wie etwa Unfällen auf den Autobahnen rund um Willich oder etwa, wenn die Feuerwehr zur Unterstützung gerufen werde, weil ein Mensch hilfl os in seiner Wohnung liegt und die Tür aufgebrochen werden muss. Dieses Problem müsse jedes Feuerwehrmitglied mit dem Arbeitgeber lösen – und dazu noch sehen, wie ein plötzlicher, manchmal langer und oft gefährlicher Einsatz mit dem Familienleben in Einklang zu bringen ist.

Es kommen neue Gefahren und Herausforderungen hinzu

Stadtbrandinspektor Thomas Metzer im Gespräch mit Bürgermeister Josef Heyes

Zu den tatsächlichen Einsatzzeiten kommt noch ein weiterer Aufgabenbereich hinzu – die Grundausbildung und die ständigen Fortbildungen, mit denen die Feuerwehr auf neue Entwicklungen in unserer Gesellschaft reagieren muss. Nur ein Beispiel: Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach sind ein wünschenswerter Beitrag zum Umweltschutz – für die Feuerwehr hieß das, dass eine neue Drehleiter mit „Knick-Möglichkeit“ gekauft werden musste, um die Dachpfannen auf der abgewandten Seite aufzunehmen, Brand nester zu entdecken und die Hitze entweichen zu lassen. Auch auf das Fahrzeug mussten die Anwender geschult werden. Ein anderes Beispiel: E-Autos, Erdgas- Autos oder Hybrid-Fahrzeuge – alle diese Technologien bedeuten, dass die Feuerwehrleute lernen müssen, wie sie ohne Gefahr für sich und andere in die Fahrzeuge kommen und etwa eingeklemmte Personen befreien können.

Ein anderer Aspekt: Durch den Klimawandel verändern sich wetterbeeinflusste Einsätze – und was sei etwa, wenn ein Schneesturm für einen mehrtägigen Stromausfall sorge, fragt Metzer: Dann funktioniert nichts – Heizung, Telefon, Handy, PC oder auch nur die Zapfanlage an der Tankstelle oder das Kassensystem im Supermarkt.

„Im Bereich des Rettungswesens müssen wir für alle diese Fragen Lösungen suchen, denn der Bürger verlässt sich im Allgemeinen auf das staatliche Handeln“, so Metzer – wobei er auch zu bedenken gibt: Eine 100prozentige Sicherheit gibt es nicht – und auch keinen alleinigen Verlass auf den Staat.