Geschichte erleben – St. Bernhard
(Teil 1)

Zeltkirche St.Bernhard Bau 1961
Zeltkirche St.Bernhard im Bau 1961

Teil 1 „Die Klosterkirche“
1961/1962 errichteter Stahlbeton-Skelettbau auf dem Gelände des St.Bernhard-Gymnasiums.

Die Geschichte der Zeltkirche ist auch die Geschichte der Missionsschule St. Bernhard.
Am 1. September 1945 zog Pater Mehren vom Orden der Hünfelder Oblaten in der ehemaligen Oetker-Villa ein – mit einem Leiterwagen voller alter Möbel und einer Vision: der Errichtung einer Missionsschule im niederrheinischen Schiefbahn. Am 15. Oktober fand der erste Gottesdienst in der Villa statt. In der Folgezeit kamen weitere Patres und Brüder nach Schiefbahn, um Pater Mehren beim Aufbau der Schule zu unterstützen. Genau ein Jahr nach dem ersten Gottesdienst, am 15. Oktober 1946, öff nete die Missionsschule St. Bernhard mit angeschlossenem Internat. Die ersten 21 Schüler kamen, sozusagen als Aufbauhilfe, aus der Missionsschule in Burlo/Westfalen. Viele weitere Schüler kamen hinzu, und bald reichte kein Raum der Oetker-Villa mehr aus, um alle Besucher des Gottesdienstes aufzunehmen.

Pater Franz Schwarz, seines Zeichens erster Superior der neuen Missionsschule, reagierte und ließ 1948 eine Barackenkirche errichten – ungefähr dort, wo heute der Eingangsbereich des Gymnasiums ist. In den nächsten Jahren wuchs die Schule stetig – 1953 wurde das Kloster- und Internatsgebäude errichtet, in dem sich heute Stadtverwaltung und Kindergarten befinden, 1960 die Gebäude „Schule 1″ und „Schule 4″. Nun reichte auch die Barackenkirche nicht mehr aus, eine neue Lösung musste her.
Mit dem Bau der neuen Kirche wurde der Architekt Josef Bieling aus Kassel beauftragt.

Im Vordergrund seines Entwurfsgedankens stand die „Schaffung eines Zentralbaues, wodurch eine aktivere Teilnahme am Gottesdienst und eine stärkere Betonung der Gemeinschaft erreicht wird“. Der von zwölf Säulen getragene, zeltartige Stahlbeton-Skelettbau symbolisiert das von den zwölf Aposteln getragene Zelt Gottes über den Menschen, also das Verständnis christlicher Arbeit. Das vorgelagerte Atrium und die Eingangshalle dienen als Ort der Ruhe und Besinnung. Sie sollen auf das Betreten der Kirche vorbereiten und zugleich einen Kontrast zu der Höhe des Kirchenraumes bilden, die den Eintretenden überwältigen und dem Geheimnis der Opferfeier näher bringen soll.

Die Kirchentüren führen nicht unmittelbar in den Kirchenraum. Man betritt die Kirche durch die Eingangshalle und steht dann in dem nach oben geöffneten Atrium, vollständig abgeschlossen von der Umwelt, ein ruhiger Ort der Besinnung und Vorbereitung. Hier steht auch die Statue des heiligen Bernhard als Schutzpatron der Kirche. Im kleinen Glockenturm wurde das Antoniusglöckchen aus der alten Schiefbahner Pfarrkirche aufgehängt. Architekt Bieling gelang mit seiner Kirche ein wahrlich großer Wurf. Sie wurde in der Fachwelt als das „originellste und kühnste Neubauprojekt der näheren und weiteren Umgebung“ gerühmt. In den folgenden Jahrzehnten wurden hier zahllose Gottesdienste gefeiert und die Zeltkirche zog immer mehr Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung an.

Doch mit dem Entschluss der Hünfelder Oblaten, das Haus Schiefbahn als eigenständiges Kloster aufzulösen und damit auch die Patres aus der Oetker-Villa abzuziehen, stand auch die Nutzung der Kirche zur Disposition – zumal das St. Bernhard-Gymnasium dringend einen großen Saal für schulische Veranstaltungen benötigte. Schon bald nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1993 begannen die Planungen, die Kirche in ein „Forum“ umzubauen. Ende der 90er Jahre wurde die Kirche offiziell entwidmet, für Gottesdienste wurde fortan die benachbarte „Schneekapelle“ genutzt. 2008 wurde die Zeltkirche mir den beiden Seitenkapellen unter Denkmalschutz gestellt.

Teil 2 (St. Bernhard, „Die Villa“) veröffentlichen wir in Ausgabe 13 im Februar 2018.