Geschichte erleben: St. Bernhard – Teil 2

Teil 2 „Die Oetker-Villa“ – Sommersitz des Firmeninhabers Albert Oetker in Niederheide, später unter anderem NS Gauschule für Beamte und Wohnsitz der Hünfelder Oblaten

Aufgrund seiner großen Verbundenheit mit dem Schiefbahner Werk beschloss Albert Oetker, sich auf einem 42 Morgen großem Areal westlich der Fabrik einen Sommersitz errichten zu lassen. Als Baumeister wählte er den renommierten Krefelder Architekten Hugo Koch (1846-1921), der bereits die Krefelder Stadthalle errichtet und das Kaiser-Wilhelm-Museum erweitert hatte.

Am 15. Mai 1897 begannen die Bauarbeiten. Koch gestaltete das Landhaus „bis in die kleinste Einzelheit der Ausstattung im Stil der damaligen Zeit.“ Für ein im Jugendstil gestaltetes Fenster gewann Oetker den Künstler R.W.Holler.
Die Villa wurde im Juni 1898 fertiggestellt. Auch der an die Villa angrenzende Park wurde mit teilweise exotischen Bäumen, künstlichen Seen, Brücken, verschlungenen Wegen und einer Grotte sehr aufwändig gestaltet. In einer Gärtnerei mit großen Gewächshäusern wurde versucht, bisher am Niederrhein unbekannte Pflanzen und Sträucher heimisch zu machen. Albert Oetker wohnte bis zu seinem Tod 1909 in der Villa. Anschließend machte die Witwe Milly Oetker „Haus Niederheide“ zu ihrem ständigen Wohnsitz.

Im Besitz der Nationalsozialisten

Nach dem Tod von Milly Oetker (1931) stand das Haus zum Verkauf. Die NSDAP-Ortsgruppe Schiefbahn nahm Kontakt zum Reichsbund der Deutschen Beamten auf. Am 26. März 1936 wurde die Villa für 56.400 RM an den Reichsbund verkauft und anschließend durch den Regierungs-Baumeister Ackermann umgestaltet.

Unter anderem ließ Ackermann das Jugendstilfenster Hollers entfernen und durch ein momumentales Glasfenster von Professor Richard Schwarzkopf von der Kunstakademie Düsseldorf ersetzen. Am 11. Oktober 1936 wurde die Gauschule Düsseldorf eingeweiht, mit Wirkung zum 1. Januar 1939 trug sie die offizielle Bezeichnung „Reichsschule des Hauptamtes für Beamte in Schiefbahn bei Düsseldorf“. Am 4. Februar dieses Jahres besuchte der Reichsorganisationsleiter der NSDAP, Robert Ley, die Schule.

Seit dem 1. November 1939 diente die Villa dann als Lager des weiblichen Reichsarbeitdienstes. Am 20. Februar 1945 räumte der RAD das Gebäude. Unmittelbar danach richtete die Panzerlehrdivision auf dem Gelände eine Werkstatt ein, von hier aus erfolgte am 1. März 1945 der Gegenangriff, der im Panzerkampf in Schiefbahn mündete. Nach der Besetzung wurden amerikanische Truppen in der Villa einquartiert, verließen diese aber wieder Ende April. Im Mai wurde die Gemeinde Schiefbahn vom Landrat mit der Sicherung des Areals beauftragt. Im Juni 1945 wollte die Stadt Krefeld von den Amerikanern den Besitz übernehmen, um hier Infektionskranke unterzubringen, scheiterte jedoch mit ihrem Unterfangen. Die Gemeinde Schiefbahn favorisierte vielmehr die Überlassung der ehemaligen Gauschule an den Oblaten-Orden. Der Orden „beabsichtige dort zunächst ein Erholungsheim für Stadtkinder einzurichten. Später solle dann dort eine Art höhere Knabenschule eingerichtet werden.“

Niederlassung der Hünfelder Oblaten

Der Gedanke der Überlassung an den Orden geht zurück auf den Schiefbahner Apotheker Schmitz, der diesbezüglich Kontakt zum Oblaten-Pater Mehren in Lürrip aufnahm. Zum 1. Juli 1945 wurde die Villa offiziell an den Orden vermietet. Am 2. September 1945 siedelte Pater Mehren nach Schiefbahn um. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Briten für den Orden und gegen Krefeld war die fehlende seelsorgerische Betreuung in Niederheide. Am 15. Oktober 1946 wurde die Missionsschule St. Bernhard eröffnet.

Der Name St. Bernhard ist auf den damaligen Pfarrer von Schiefbahn, Bernhard Niccolini, zurückzuführen. Die ersten Sextaner kamen aus Burlo/ Westfalen.

Im August 1953 genehmigte das Kultusministerium die Errichtung eines Progymnasiums (bis Klasse 10) nach dem Bau von „Schule 1 und 4“. Durch den Bau der neuen Gebäude konnte die Oetker-Villa anderweitig genutzt werden, sie beherbergte seitdem nur noch die Brüder.

1993 gaben die Hünfelder Oblaten den Standort Schiefbahn auf, im Anschluss wurden in der Villa Wohnungen eingerichtet. Das Erdgeschoss blieb der Schule vorbehalten, die es 2017 in ein Selbstlernzentrum umbaute.

Teil 3 (St. Bernhard Gymnasium) veröffentlichen wir in Ausgabe 14 im April 2018.