Heimat erleben – Schiefbahner Unterbruch

Boot auf dem Nordkanal 1907
Boot auf dem Nordkanal 1907

Heimat erleben – Wussten Sie das? Römer, Franken, Karl der Große und sogar Napoleon waren im Schiefbahner Unterbruch

Vom Wasser zum Wohngebiet – das ist in vier Worten die Entwicklung des Unterbruch: Das gesamte Gebiet lag an einem Rheinarm, der mehr und mehr versumpfte, vermoderte und vertorfte. Das Unterbruch hat eine große Geschichte. Römische Gräber, Baureste und Scherben aus dem 2. Jahrhundert nach Christus beweisen die Anwesenheit römischer Legionäre.

In Neuss sollen sie bereits 12 vor Christus ein Lager errichtet haben. Von Neuss verlief damals ein uralter Weg über Kaarst, Schiefbahn (Römerstraße, Tupsheide, Hochstraße, Alte Poststraße) bis hin zur Maas. Im 3. Jahrhundert wurde dann die römische Macht am Rhein von den vereinigten germanischen Stämmen – den Franken – vertrieben. Rund 1000 nach Christus gehörte das „Underbroich“ – lateinisch „Palus inferior“ zum Amt Liedberg. Der Name Underbroich wurde aber ab 1430 mehr und mehr von dem späteren Ortsnamen Schiefbahn verdrängt. Im Underbroich stand eine dem heiligen Hubertus geweihte Kapelle, die 1458 erstmals erwähnt wird. Der Sage nach soll diese schon um 800 n. Chr. von Karl dem Großen erbaut worden sein. In der Nähe der Kapelle war auch ein Schießstand der Schützenbruderschaft, eine so genannte „Scheibenbahn“ oder plattdeutsch „Schyftban“, heute Schiefbahn.

Am 9. Oktober 1794 wurde Schiefbahn von den Franzosen besetzt. Der französische Kaiser Napoleon I. ordnete den Bau eines schiffbaren Kanals an, der den Rhein mit der Maas verbinden sollte. Dieser so genannte „Nordkanal“ war von Neuss über Schiefbahn und Venlo bis zur Schelde geplant. Napoleon war so an diesem Projekt interessiert, dass er mehrmals den Niederrhein besuchte und am 12. September 1804 soll er im Hellingshof, einer alten Fuhrmannsherberge im Unterbruch, übernachtet haben. Rund zwei Drittel des Kanals waren bereits fertig, als Napoleon 1810 Holland seinem Kaiserreich einverleibte; der Kanal war für ihn plötzlich ohne Interesse.

Mit dem Wiener Kongress kam Schiefbahn nach neunzehnjähriger Zugehörigkeit zu Frankreich an Preußen und wurde 1816 dem Kreise Gladbach im Regierungsbezirk Düsseldorf zugeteilt.

Unter der preußischen Regierung wurde der Nordkanal dennoch im Jahre 1823 von Neuss bis Neersen für Schiffe bis zu 15 t schiffbar gemacht. 1876 verkehrte sogar zweimal täglich ein Personenschiff, eine sogenannte Eil-Yacht.

Die Schiffe wurden von Pferden gezogen. Bis 1856 fuhr auch noch ein Kohlenschiff, danach diente der Nordkanal lediglich als Entwässerungsgraben. Einige Fundstücke aus dem Schiefbahner Unterbruch sind auch im Heimatmuseum ausgestellt. Das Museum hat jeden zweiten Sonntag im Monat von 12:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Um 15:00 Uhr ist jeweils ein Vortrag oder eine Filmvorführung geplant. Für Schulklassen und interessierte Gruppen werden auch geschichtliche Führungen angeboten.

Heimatmuseum „KampsPitter“
im Park des St. Bernhard Gymnasiums,
Albert-Oetker-Str.108 in Schiefbahn. (Der Beschilderung folgen)

Geschäftsstelle Heimat – und Geschichtsfreunde Willich e.V.
Straterhofweg 3, Tel. 021 54 / 7996.

Weitere Informationen unter www.heimatverein-willich.de