125 Jahre Willicher Turnverein

1904 Turnriege

Wie alles begann
Die Geschichte des Willicher Turnvereins beginnt am Dreikönigstag 1892. Beim Winterfest des Willicher Reitervereins im „Hotel Zur Post“ am Markt (heute Bäckerei „Pesch-Brot“) treten die Reckturner des „Crefelder Turnvereins“ auf. Die eleganten und kräftigen Männer begeistern das Publikum, darunter zehn junge Männer, die spontan beschließen: „Wir gründen in Willich einen Turnverein.“

Am 26. Mai 1892 wird die erste Satzung verabschiedet. Ein paar Tage später versammeln sie sich im Garten von Johannes Hauss: Leo und Josef Schmitz, Carl und Leo Hauss, Carl Cloeren, Heinrich Hausmann und Willi Leven. Drei Stunden turnen sie unter der Leitung des Krefelder Vorturners Hugo Hauss am Reck und üben Hochsprung, Weithochsprung und Steinstoßen.

Die besten Leistungen: 1,60 Meter beim Hochsprung, fünf Meter weit und dabei einen Meter hoch sprang der beste Weithochspringer. Nach dem Training wird in der Gaststätte von Ulrich Hauss – den neuen Vereinslokal – der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen.

Alle ein bis zwei Wochen finden im Sommer 1892 die Turnstundenstatt. Meist trifft man sich schon um 8:00 Uhr am Sonntagmorgen und trainiert bis zum Mittag. Die Kontakte zum Crefelder Turnverein bleiben erhalten. Es wird zusammen geturnt (und gefeiert); Turnfeste, Schauturnen und andere Wettkämpfe werden gemeinsam besucht. Generalversammlungen und Stiftungsfeste sind weitere Höhepunkte im harmonisch verlaufenden Vereinsleben der ersten Jahre. Die Berichte über die Veranstaltungen enden zumeist mit Sätzen wie „Und so blieb unter den Anwesenden ein munteres, heiteres Leben bis zum frühen Morgen.“

Erfreut vermeldet Schriftwart Carl Schreinertz im November 1896, das sich einige junge Willicher Damen bereit erklärt haben, eine Vereinsfahne „den Turnern zu Liebe unentgeltlich zu sticken“. Erstmals wird zu dieser Zeit über die Aufnahme von Jugendlichen verhandelt und beschlossen, dass der Vereinseintritt bereits im Alter von 17 Jahren möglich sein soll.

Das neue Jahrhundert beginnt der Willicher Turnverein mit 53 aktiven Turnern, die sich in 35 Riegenturner und 18 Jugendliche aufteilen. Finanziell ist der Verein nicht so gut gestellt, so dass der Vorschlag, ein Festessen zu Ehren des Kaisers zu veranstalten, abgelehnt werden muss. Man einigt sich aber, in einer Turnstunde eine kleine Feier zu veranstalten, bei der zwar nicht „feste gegessen, so doch feste getrunken werden soll“, hält Schriftwart Jakob Müller fest. In Kriegs- und Nachkriegszeit ruhte das Vereinsleben.

Der WTV zwischen den Weltkriegen
Aber bereits 1920 kurbelt Josef Loetsch den Turnbetrieb wieder an, und unter dem Vorsitz von Franz Teschen geht die Vereinsarbeit 1923 weiter und sportlich bergauf. Am 26. Mai 1923 wird die Gründung einer Handballmannschaft beschlossen, und sowohl vom Bezirksfest in Oppum als auch vom Gaufest in Schiefbahn kehren die Willicher Turner mit guten Platzierungen heim. Beim Hallenturnfest in Krefeld landen die fünf Willicher Turner August Brungs, Josef Loetsch, Peter in het Panhuis, Erich Kupp und Josef Wilms unter den ersten Fünfzehn. Im Februar 1924 wird die erste Damenabteilung gegründet. Auf eine Annonce in der Willicher Volkszeitung melden sich zehn junge, unverheiratete und sportbegeisterte Frauen. Schon einen Monat später hat sich die Mitgliederzahl dieser Abteilung bereits verdoppelt, was dazu beiträgt, dass die Anzahl der Aktiven im WTV stetig steigt.

Zu Beginn des Jahres 1925 wird eine Fechtabteilung im WTV gegründet, einige Monate später entsteht eine Faustballabteilung für Damen. Mit dem Bericht über die Generalversammlung am 8. Januar 1933 enden die Eintragungen im Protokollbuch. Ein Jahr später hört der Willicher Turnverein auf zu existieren, zumindest unter diesem Namen. Durch Anordnung der NSDAP werden der WTV und der Verein für Rasensport Willich in einer Organisation namens VfL Willich vereinigt.

Der Neubeginn ab 1946
Erst am 18. Mai 1946 versammelt sich der Willicher Turnverein wieder in seinem alten Vereinslokal Ulrich Hauss an der Bahnstraße. 89 Mitglieder hat der Verein zu dieser Zeit: 50 Männer, 20 Frauen und 19 Jugendliche. Schon im Oktober 1946 richtet der WTV die Kunstturn-Ausscheidungswettkämpfe des Rheingaus aus. Als der Arzt Dr. Alfred Vogel im Mai 1950 erster Vorsitzender wird, bringt er Verwaltung und Turnbetrieb in geordnete Bahnen und sichert den Fortbestand des ältesten Willicher Sportvereins.

1967 Herrenturnriege KolpinghalleDies ist ein Glück für den Willicher Spitzenturner Helmut Brungs, der seit 1948 immer wieder in den Siegeslisten zu finden ist. Das Talent wird gefördert: Der Verein übernimmt die Reisekosten zu großen Wettkämpfen, und es wird ein Fahrdienst organisiert, der Brungs einmal in der Woche mit Privatwagen zum Training nach Düsseldorf bringt. Das Engagement zahlt sich aus: 1951 wird Brungs Vierter bei den Rheinischen Turnmeisterschaften, und bei den Deutschen Meisterschaften belegt er den 26. Platz.
Die folgenden Jahre bringen dem Turner noch größere Erfolge: 1952 wird er 15. bei der Deutschen Meisterschaft, 1953 Sechster beim Deutschen Turnfest. 1955 erringt er seinen größten Sieg und wird Rheinischer Meister im Zwölfkampf. Zwei Jahre später gelingt es ihm sogar, diesen Erfolg zu wiederholen.

Dafür musste man ein echtes Allround-Talent sein, denn neben den turnerischen Disziplinen am Reck, Barren, Pauschenpferd, Pferdsprung und Boden kam auch die Leichtathletik hinzu. In Anerkennung seiner Leistungen und als Krönung seiner Karriere erhält Helmut Brungs 1958 das Turnerkreuz in Gold. 1956 geht ein lang gehegter Wunsch des Willicher Turnvereins in Erfüllung: Die Turnhalle an der Schiefbahner Straße wird eingeweiht. Dieses Ereignis hilft besonders beim Aufbau der Kinder- und Jugendabteilung, der ab dem Ende der 50er Jahre verstärkt vorangetrieben wird. Neben den Turnstunden werden auch regelmäßige Ausflüge mit den Kindern zur Tradition.

1967 FrauenturngruppeIn den 60er Jahren wächst der Verein stetig. Gisela Pempelfort gründet die Hausfrauen Abteilung, und besonders der Kinder- und Jugendbereich expandiert. Unter der Leitung von Oberturnwart Josef Pempelfort ab 1965 können Kleinkinder mit ihren Müttern beim WTV turnen. Um die Mädchen kümmert sich Gisela Kuhlen, für die Jungen sind Willi Kaules und Josef Kirchmair verantwortlich. Auf verschiedenen Veranstaltungen und Meisterschaften, macht der WTV durch Erfolge seiner Aktiven bis weit in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf sich aufmerksam.

1967 TurnkinderZu dieser Zeit erweitert der WTV auch sein Angebot an Sportarten, und neue Abteilungen werden gegründet. So wird die Ballettabteilung ins Leben gerufen, die heute unter dem Namen „Bewegung mit Musik“ weitergeführt wird. Auch die heute sehr erfolgreiche Basketball-Abteilung hat ihren Ursprung in den 70-er Jahren. Eine Handball-Abteilung hatte der Verein von 1974 bis 1987. Seit 1997 ist die Budo-Abteilung dabei.

Im Jubiläumsjahr präsentiert sich der WTV als moderner Verein, der auch viele Angebote im Gesundheits- und Seniorensport macht. Die eigene Geschäftsstelle an der Bahnstraße ist als Anlaufstelle für die rund 1200 Mitglieder und zahlreiche Interessenten nicht mehr wegzudenken. Der eigene, gut ausgestattete Übungsraum erlaubt auch ein großes Kursangebot.

Infos unter Tel. 021 54 / 40 340 oder www.willicher-turnverein.de.