Foto: Halle 22

„Wir hatten von Anfang an das Gefühl, im Stahlwerk Becker am richtigen Ort zu sein. Schon von Beginn an sind die Menschen gekommen und wollten sehen, was wir hier tun“ – in diesem Jahr feiert Edith Gribs, Inhaberin des Willicher Fitness- und Gesundheitsstudios Halle 22, in der ehemaligen Stahlwerkshalle 20 Jahre Studiobetrieb.

Als sie das Studio eröffnete, war sie die erste Unternehmerin, die eine Ansiedlung auf dem Gelände wagte, das erst lange Zeit ein Stahlwerk und dann eine Kaserne der britischen Rheinarmee war. Das Szenario damals: Die britischen Soldaten hatten die Gebäude verlassen, ein Teil war verfallen, rings um die Industriehallen lagen Brachen, unterirdische Verbindungswege verbanden Teile der Hallen…. Die Stadt Willich, die das Gelände von der Bundesvermögensverwaltung gekauft hatte, hatte die Vision, daraus einen zukunftsorientierten Industriepark mit der Verbindung von denkmalgeschützten Gebäuden und Neubau-Möglichkeiten zu entwickeln.

Edith Gribs war durch einen ehemaligen Freund, der sportlicher Leiter in der britischen Kaserne war, auf das Projekt aufmerksam gemacht worden. Sie hatte bereits seit 1982 ein kleineres Fitness-Studio (350 m²) in der Nähe betrieben. Für die Halle 22 entwickelte die examinierte Sportlehrerin mit dem damaligen Trainingsleiter Thomas Mathes das Konzept eines Fitnessstudios für alle Generationen: „Damals ging der Trend weg vom Bodybuilding-Gedanken hin zum Training mit dem Schwerpunkt Gesunderhaltung. Dafür wollte ich ein Angebot schaffen“, schildert sie ihr Konzept. Die Unternehmerin kaufte die Halle mit der Nummer 22 und das umliegende 8000 m² große Grundstück und begann, das historische Gebäude aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts in Abstimmung mit den Vorgaben des Denkmalschutzes umzubauen. Im Mai 2000 wurde die neue „Halle 22“ eröffnet – und „die Willicher waren erst neugierig und dann schnell begeistert“, erinnert sie sich.

Die Entwicklung ging stetig voran: Es kamen mehr Mitglieder, neue Geräte und Konzepte und in der Fitness-Branche entstanden durch permanente Forschung und Entwicklung neue Trainingsvisionen – und Edith Gribs war mit ihrem Team immer dabei. „Wir legten von Anfang an Wert auf ein qualifiziertes Training mit einer individuellen Betreuung für jedes Mitglied und gut ausgebildete Trainer“, sagt sie. 2002 begannen die Überlegungen, das Gebäude durch einen Anbau zu erweitern, im Mai 2004 verdoppelte sich die Gesamtfläche auf 2700 m² durch die Einweihung des ersten Anbaus. „Bis zur Neueröffnung gab es eine lange Planungszeit und etliche Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde, bis hin zum Landeskonservatorium, da die Halle 22 unter Denkmalschutz steht und die Außen- und Innenfassaden des Gebäudes nicht verdeckt werden durften. Wir haben letztlich eine gute Lösung gefunden und die Fassade in den Bau optisch integriert. Das ergibt ein tolles Ambiente, das den alten Charme des Gebäudes mit der modernen Erweiterung in Einklang bringt“, so Edith Gribs. Mit der Eröffnung der Praxis für Physiotherapie „Physio 22“ (Inhaberin Anita Reimann) gewann der Aspekt Gesundheitsförderung noch mehr an Bedeutung.

Es folgten weitere Zwischenschritte bis hin zur heutigen Größe und den derzeitigen Räumlichkeiten: Die Erweiterung des Saunagartens im Jahr 2008 mit Kelo-Blockhaussauna, Relax-Zone und weiteren Dusch- und Abkühlmöglichkeiten, der Parkplatzausbau (2009) und schließlich die Erweiterung der Trainingsfläche um 200 qm im Jahr 2010. Für diesen Schritt wurden im Gewölbekeller der Halle riesige Fundamente entfernt, die für die heutige Nutzung nicht mehr benötigt werden. Der letzte große Bauabschnitt war die Vergrößerung der Immobilie um weitere 450 qm im Jahr 2015. Damit konnten die Trainingsangebote durch Einführung des Funktionelles Trainings, des „five“ Rücken- und Gelenktrainings sowie die Vergrößerung der Kursraum- und Diagnostikflächen noch einmal neu strukturiert werden.

Dazu wurden die inhaltlichen Konzepte ständig aktualisiert und modernisiert. Das Ziel war es, Menschen jeden Alters zu erreichen und davon zu überzeugen, dass ein gut geplantes Fitnesstraining ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung von Gesundheit und Mobilität ist. Heute sind die ältesten Mitglieder über 80 Jahre, vor einigen Monaten ist das älteste Mitglied mit 94 Jahren verstorben, „darüber sind wir alle auch traurig. Über die lange Zeit ist eine sehr persönliche Bindung entstanden“, sagt Edith Gribs. Denn das Studio hat sich auch zu einem Begegnungs- und Kommunikationsort entwickelt.

Ein wesentliches Thema der vergangenen fünf Jahre war die zunehmende Digitalisierung des Trainings, die präzisere Verbesserungen ermöglicht, „dabei ziehen wir mit, aber es bleibt ein Angebot von Mensch zu Mensch“, betont Thomas Mathes.

Das Jahr 2020 hat die Studio-Inhaberin – wie alle Menschen – mit den Corona-Beschränkungen vor eine riesige Herausforderung gestellt. „Wir hatten zehn Wochen geschlossen, aber auch das war kein Stillstand. Hier ist viel passiert: Unsere Mitarbeiter haben Videos für das Training zuhause aufgenommen, Trainingsequipment für das Heimtraining verliehen und ein praxistaugliches Hygiene-Konzept erstellt, so dass wir jetzt, nach der Zeit der Schließung, wieder ein sicheres Training in der Halle 22 anbieten können. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden wir, wie auch viele andere Unternehmen, noch lange spüren, konnten es aber tragen“, blickt sie vorsichtig-optimistisch in die Zukunft.

Denn eines gilt für Edith Gribs immer noch: „Ich habe den Schritt ins Stahlwerk nie bereut“.