„Die Tiere sind extrem entspannt und ruhig – wenn ich aufgeregt bin, habe ich keine Chance“ – die Willicherin Almuth Becker hat ungewöhnliche Hausoder vielmehr: Koppeltiere. Seit September letzten Jahres leben die Alpaca- Stuten Giggi, Barcelona und Frigirl mit ihren Hengstfohlen Giant (geb. 7. Juni) und Iberico (geb. 6. Juli) auf den Koppeln hinter ihrem Haus. Sie sollen die Keimzelle einer kleinen Alpaka-Herde sein, „so etwa zehn Stuten und zu den beiden Hengstfohlen vielleicht noch ein älterer Hengst“, meint Almuth Becker.

Jahreskarte für den Zoo

Die exotischen Tiere – üblicherweise lebt diese domestizierte Kamelform in den südamerikanischen Anden – haben sie seit jeher fasziniert: „Ich hatte eine Jahreskarte für den Zoo und bin immer bei den Alpakas hängen geblieben.
Das sind spezielle Tiere“, erzählt sie – und der Gedanke einer eigenen kleinen Herde habe schon länger in ihrem Kopf herumgespukt. Als im vergangenen Jahr eine berufliche Veränderung anstand, sei das ganze konkret geworden: „Ich hatte gerade mit Alpaka-Wolle einen Schal gestrickt. Dann habe ich meinen Mann angerufen und gesagt: Wir züchten jetzt Alpakas“, meint Almuth Becker – ein Anruf, der ihren Mann nicht sonderlich verwunderte. Auf die neuen Hausgenossen hat sich die Willicherin gut vorbereitet: Bei einer Züchterin hat sie einen Einsteiger-, einen Geburtsvorbereitungs- und einen Scherkurs gemacht. Dazu wurden die Koppeln und der Stall vorbereitet, wobei die Tiere eigentlich sehr gerne und bei jedem Wetter draußen sind.

Keine Streicheltiere

Alpakas sind definitiv Charakter-Tiere, beschreibt ihre Halterin. Wer einmal in die dunklen Augen gesehen hat, kann schon ermessen, warum sie so faszinierend sind. Sie sind allerdings auch Wild-, keine Streicheltiere – kommt der Mensch zu nahe, weichen sie zurück.
Dazu haben sie ein ausgeprägtes Sozialverhalten und laufen immer zusammen: „Giggi ist die Leitstute. Sie kommt immer als letztes aus dem Stall und guckt, dass kein Tier zurückgeblieben ist. Frigirl ist dagegen auf der Weide die Wächterin. Wenn die Tiere rauskommen, wird erst mal kontrolliert, wo der Puma ist“, schildert Almuth Becker – im zivilisierten Willich wird dieser natürliche Feind des Alpaka in „Hund“ übersetzt. Barcelona, die derzeit trächtig ist und wahrscheinlich Ende Mai ihr Jungtier zur Welt bringt, hat sich dagegen einer Führungsrolle verweigert. Sie wiederum vermisste ihre Freundinnen aus der Herde bei der Züchterin.

Genauso unterschiedlich sind die Tiere auch in Bezug auf den Umgang mit ihren Jungtieren: Junghengst Iberio wurde von seiner Mutter Frigirl ziemlich verzogen und durfte immer trinken. Die Mutter hat auch permanent auf ihr Junges geachtet. Ganz anders Giggi: Sohnemann Giant durfte nur drei Mal am Tag trinken und wurde zur Selbstständigkeit angehalten.

Neben Giggi ist Almuth Becker als „Leitstute“ bei der Herde anerkannt – „wenn ich morgens in den Stall komme, hüpfen sie vor Freude“, beschreibt Becker. Außerdem haben die Tiere feste Gewohnheiten: Sie sind ziemlich genau an die Uhrzeiten gewöhnt, zu denen sie morgens aus dem Stall gelassen und abends wieder eingestellt werden. Auf der Koppel sind sie pflegeleicht, „die fressen den ganzen Tag“, so Almuth Becker.
Die Faszination der Tiere hat sich auch schon auf ihren Sohn Hendrik übertragen, der sich mit um die kleine Herde kümmert.
Als Zuchttiere gibt es Alpakas in Deutschland etwa seit 15 Jahren – sie werden alle genregistriert, gechipt und beim Verband eingetragen, um die Zucht zu koordinieren.

Alpakas

Alpakas (Vicunya Pacos) werden in den Anden hauptsächlich wegen ihrer Wolle gezüchtet – dem „Vlies der Götter“. Sie ist extrem fein und weich, dabei aber auch ganz leicht und wärmt gut. Die Fellfarben (definiert sind 28 Schattierungen) variieren von reinweiß über Champagner und helle Braun- oder Grautöne bis zum dunklen Braun oder Schwarz. Auch gescheckte Tiere gibt es oft.

Im Frühjahr werden sie geschoren, ein Tier liefert dann etwa sieben bis acht Kilo Wolle. Diese kann Almuth Becker zum Waschen und zur Weiterverarbeitung zu Partnern in Deutschland liefern. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: Das Vlies wird gewaschen und dann als Füllmaterial für Bettdecken genutzt oder es wird gesponnen und zu Wollgarnen oder ganz feinen Fäden für gewebte Stoffe verarbeitet.

Aus dem Keratin der Faser wird auch eine hochwertige Seife hergestellt, die besonders hautverträglich ist: Die Haut wird gepflegt und trocknet nicht aus.

Die Tiere werden aber auch wegen ihres sanften Wesens in der tiergestützten Therapie eingesetzt, oder man kann mit ihnen wandern gehen. In den Anden leben die Tiere oft in großen Herden von mehreren 1000 Tieren. Werden sie von einem Feind in die Enge getrieben, setzen sie sich energisch zur Wehr.

Langfristig möchte Almuth Becker einen kleinen Hofladen mit Alpaka-Produkten aufbauen – die genauen Ideen entwickelt sie zurzeit.


Fotos: Almuth Becker
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 01/2016 von „Willich erleben – Das Magazin“