Beton-Kunst ergänzt Theater-Aufführungen

Martin Kleppes, oft von Naturformen inspirierten Arbeiten sind so leicht, dass sie sogar als überdimensionale Lotusblüte auf dem Schlossteich schwimmen kann. Foto: Willich erleben

Zum dritten Mal verbindet sich bei den Schlossfestspielen Neersen die darstellende mit der bildhauerischen Kunst – als Kooperation zwischen den Festspielen und dem Kulturteam der Stadt Willich. Im Rahmenprogramm der Festspiele wird im Schlosspark eine Ausstellung des Künstlers Martin Kleppe gezeigt.

Damit können die Besucher der Festspiele vor und nach den Aufführungen Skulpturen aus einem anderen Werkstoff bewundern: Während im vorigen Jahr Stahl-Objekte ausgestellt wurden, arbeitet Martin Kleppe mit Beton – genauer gesamt mit hochfestem Carbonbeton. Dieser Werkstoff ist besonders formbar und hat eine außergewöhnliche Stabilität, die trotzdem eine sehr filigrane Arbeit erlaubt. Beton mit dem Bindemittel Zement und seinen Zuschlagstoffen Kies, Sand und anderem ergibt eine plastische Masse, die zu einem belastbaren Kunststein aushärtet und eine Vielzahl von Formen und Oberflächen zulässt.

Neuer Werkstoff – neue Einsatzmöglichkeiten

Gegenüber herkömmlichem Beton eröffnet der sich noch in der Weiterentwicklung befindliche Carbonbeton vollkommen neue Möglichkeiten und Einsatzbereiche. Kleppes Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Skulptur und Architektur.

Über Jahre hat der Künstler den Beton zu einer unerwarteten Zartheit entwickelt, die im spannungsreichen Gegensatz zu seiner traditionellen Anwendung steht. Überrascht wird der Betrachter durch Volumina von immenser Größe, die aus Betonhüllen von nur wenigen Millimetern entstehen.

Die Reduzierung des Materials auf das Notwendigste verleiht den meist aus der Natur entlehnten Formen eine schwebende Leichtigkeit. Der nahezu vom Eigengewicht befreite Beton bietet ein ganz neues und ungeahntes Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten, die Martin Kleppe im Spiel mit Schwerkraft und Balance auszuloten weiß. Ein überdimensioniertes Ei scheint auf der Stelle zu rotieren, oder ein als Halbkugel angelegter Tisch pendelt um seinen Schwerpunkt.

Die unterschiedliche Behandlung der Oberflächen, die mal rau, dann geschliffen, poliert oder durchgefärbt sind, unterstreicht die Dynamik der Skulpturen. Viele dieser Körper sind aus der Bewegung heraus gedacht. Besondern deutlich wird das bei den Werken, die aus einer kreisenden Kurve heraus konstruiert sind.

DER KÜNSTLER

Martin Kleppe wurde 1973 in Köln geboren. Er studierte von 1993 bis 1999 an der Kunstakademie Düsseldorf (Akademiebrief / Meisterschüler von Tony Cragg). 1999 zog er in die Eifel und baute dort ein Atelierhauses. Seit 2005 erstellt er forschungsbegleitende Arbeit mit Textilbeton und hält verschiedene Vorträge.

2008 erhielt er den Kunstpreis Trier – Saarburg. Außerdem hat er einen Lehrauftrag an der HfBK Dresden, sowie seit 2015 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Gestaltung Trier, Fachbereich Architektur „Experimentelles Bauen“.