Biber am Damm in Schwalmtal-Amern. Foto: Kreis Viersen, Frank Hohnen

Seit 1997 leben wieder Biber im Kreis Viersen – eingewandert über Schwalm, Nette und Niers. Mittlerweile gibt es an Gewässern im Kreis Viersen fast 40 Biberreviere. Eins davon findet sich in Schwalmtal-Amern, wo der Biberdamm „Kockskamp“ am Kranenbach entstanden ist. Diesen besichtigten Landrat Dr. Andreas Coenen; Andreas Budde, technischer Dezernent sowie Andreas Pook und Reinhard Bräutigam, vom Kreis Viersen.

Bislang konnten Biber im Kreis Viersen noch genug freie Reviere finden. Dennoch bleiben Konflikte mit dem Menschen nicht immer aus: Bäume, die der Biber fällt, um an Rindennahrung oder Bauholz zu gelangen, können wertvolle Obst- oder Waldbäume sein. Gewässer, die er für sich durch Dammbau nutzbar macht und anstaut, können Wohngrundstücke, Landwirtschaftsflächen oder Verkehrswege überschwemmen.

Seit einigen Jahren ist der Kreis Viersen in die Verwaltung von „Biberangelegenheiten“ involviert und hat jüngst einen Bibermanagementplan vorgestellt. Er wurde aus zahlreichen Erfahrungen im Umgang mit Biberproblemen gewonnen und von der Biologischen Station Krickenbecker Seen e.V. für den Kreis Viersen entwickelt. Der Plan soll eine transparente Bewertung und Entscheidung für notwendige Maßnahmen bei Konflikten sicherstellen.

„Wir freuen uns über die wachsende Biberpopulation“, sagt Landrat Dr. Andreas Coenen. „Sie zeigt, dass die Gewässer im Kreis Viersen in gutem ökologischen Zustand sind. Dennoch stellen uns die Biber und vor allem ihre Dämme vor Herausforderungen, die wir einvernehmlich mit den Bürgerinnen und Bürgern und dem Naturschutz lösen müssen. Das gelingt uns mit dem nun vorgestellten Bibermanagementplan.“

Maßnahmen „gegen“ den streng artengeschützten Biber bedürfen der Prüfung und gegebenenfalls Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde. In der Regel sind es die Gewässerunterhaltungsverbände, die sich an den Kreis wenden. Dann wird geprüft, ob ein Biberbauwerk für die öffentliche oder private Sicherheit unbedenklich oder eine teilweise Öffnung des Dammes oder der Einbau einer Dammdrainage geboten ist. Oft wird bei einem gemeinsamen Termin mit dem Wasserverband vor Ort eine angemessene Lösung entwickelt. Am Biberdamm am Kockskamp im Kranenbach wurde etwa neben dem Damm ein kleines Entlastungsgerinne angelegt, das nur noch eine bestimmte Stauhöhe zulässt. Der Damm wird regelmäßig durch Mitarbeiter des Schwalmverbandes kontrolliert.

Der Europäische Biber war in Europa und Westasien einst weit verbreitet. Durch Verfolgung und Lebensraumzerstörung wurde er dort großräumig ausgerottet. So verschwand er etwa aus Deutschland im 19. Jahrhundert, bis auf einen kleinen Restbestand an der Mittleren Elbe. Bald darauf wurde der Biber unter strengen Schutz gestellt – seit den 1960er Jahren betrieb man verschiedene Wiederansiedlungsprojekte, auch z. B. in den Niederlanden. Diese verliefen erfolgreich, so dass der Biber – sich in vielen Teilen Deutschlands wieder ausbreitete. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie (seit 2000), die verlangt, dass die natürlichen Oberflächen- und Grundwässer in einen guten ökologischen Zustand oder Potenzial zu versetzen sind, begünstigt dies. Maßnahmen zur Wiederherstellung naturnaher Fließgewässerabschnitte – in Deutschland begann die Umsetzung schon in den 1970er Jahren – schufen auch für den Biber wieder Lebensmöglichkeiten. Er braucht Ufergehölze als Nahrung und Raum, um diese zu zerlegen und Baue am Ufer zu graben. Der Biber als natürlicher „Wasserbauer“ ist in der Lage, seinen Lebensraum kleinräumig zu strukturieren und dadurch die biologische Vielfalt und die Gewässergüte zu fördern.