Foto: Grüne Willich

Claudia Poetsch, Bürgermeisterkandidatin der GRÜNEN in Willich, hat zum ersten digitalen GRÜNEN FORUM zum Thema Müllreduzierung drei Expertinnen vor die Kamera geholt. Mit in dieser Runde war Kristiane Helmhold, Pressesprecherin der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein EGN, Gizem Bulut, Inhaberin des Unverpackt Ladens FIL MEA in Mönchengladbach und Zero-Waste-Anwenderin Franka von Werden.

Aus Sicht der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein ist der Kreis Viersen laut Frau Helmhold im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, was Entsorgung und vor allem Verwertung anbetrifft, gut aufgestellt. Fällt bundesweit pro Einwohner eine jährliche Müllmenge von 505 kg an, so produzieren die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Viersen 495 kg Müll pro Kopf und Jahr. Auch ist der Hausmüll mit 175 kg pro Kopf und Jahr um 75 kg geringer als der Bundesdurchschnitt.

Ferner, so die Ausführungen von Frau Helmhold, hat der Kreis Viersen eine sehr gute Quote von Müllbeseitigung zu Müllverwertung von 43% zu 57%. Die Statistik der EGN macht auch ein gutes Müll-Trennungsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher aus. So sind 125 kg Bioabfall und Grünschnitt zu verzeichnen. Auf die Frage nach Speiseresten in den Biotonnen, verweist Frau Helmhold auf die Informationen der jeweiligen Müllkalender. Die Wiederverwendung von Altglas liegt mit 80% im Kreis Viersen ebenfalls überdurchschnittlich hoch.

Die EGN berät über ihre Entsorgungsleistungen hinaus auch lokale Unternehmen in Sachen Müllmanagment und Logistik. Das Unternehmen plädiert für die politische Einführung einer sogenannten Wertstofftonne, mit deren Inhalt noch mehr wertvolle Abfallstoffe über Kunststoff hinaus verwertet werden könnten. Im Moment können nämlich nur 45% der Kunststoffe aus der gelben Tonne recycelt werden. Aus dem Rest entsteht sogenannter Sekundärbrennstoff zur Energiegewinnung. Der bessere Weg in Sachen Kunststoff wäre allerdings, der breitere Einsatz von Mehrwegbehältnissen. So kann zum Beispiel die PET-Mehrwegflasche zu über 90% verwertet werden.

Gizem Bulut, Inhaberin des Unverpacktladens FILMA hingegen plädiert für mehr Einkaufen gänzlich ohne Verpackung. Mit Hilfe eines Gründerstipendiums des Landes NRW und Investoren hat sie den Schritt in die Selbständigkeit mit einem Unverpacktladen gewagt. Sie erklärt im Gespräch mit Claudia Poetsch, dass es zum Beispiel auch Shampoo am Stück, ähnlich einer Seife gibt. Natürlich bekommt ein Unverpacktladen durch seine Lieferanten nicht unverpackt seine Ware, aber doch eben in großen Mengen verpackt, zum Beispiel in 25 kg Papiersäcken. Größtenteils aber auch in entsprechend großen Mehrwegbehältern. Allein dadurch entfällt eine Menge Verpackungsmüll. Die richtigen Lieferanten, die dem Unverpackt-Konzept auch entsprechen, finden die einzelnen Läden über ihren Verband.

Für Franka von Werden, Schauspielerin und Sängerin und engagierte Vertreterin der Zero-Waste-Bewegung, war der Stein des Anstoßes über das eigene Einkaufsverhalten nachzudenken, unzählige Informationen über die Umweltverschmutzung durch Verpackungen. Wie sie ausführt, begann es mit ausmisten der eigenen Schränke und führte nach ihren Worten zeitweise zu einem „shop-stop“.

Allerdings sagt Frau von Werden auch, dass sie von Zero-Waste aus Mangel an entsprechenden Verpackungen einige Schritte entfernt ist. Selbst bezeichnet sie die Stufe, auf der sie sich gerade befindet, eher als Minimal-Waste. Jeder kann aber, so ihr Rat, durch Einkaufen in Unverpackt-Läden oder Floh- und Trödelmärkten einiges an Verpackungen einsparen. Ihrer Erfahrung nach, sind dort zum Teil fast neue Artikel zu finden. Dinge auch zum Beispiel in einem Repair-Cafe wieder richten zu lassen, ist ebenfalls eine Möglichkeit, Verpackungsmüll einer Neuanschaffung zu vermeiden.

Abschließend gab Frau von Werden noch zu bedenken, dass jedes Stück Plastik seit seiner Herstellung viele Jahrzehnte zurück immer noch existiert. Am Stück oder in Form von Mikroplastik. Durch immerwährende Herstellung neue Plastikartikel, häuft sich diese Menge unaufhaltsam an. Durch sogenanntes „Slow-Shopping“ mit einer eigenen Einkaufstasche, könnte man dieser Entwicklung aber gut entgegenwirken.

Weitere Termine für das GRÜNE FORUM digital sind der 08. Juli, der 12. August und der 09. September, jeweils um 20:00 Uhr live auf der Webseite der GRÜNEN Willich, gruene-willich.de.