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Mit einem „Notruf“ an die hiesige Bundes- und Landespolitik hat sich jetzt Veranstaltungsunternehmer Dirk Schmidt-Enzmann (Media Spectrum) aus Willich bemerkbar gemacht. Unter der Vermittlung von Thomas Brandt (FDP Willich) folgten diesem Notruf der Bundespolitiker Otto Fricke (FDP-MdB) und der Landespolitiker Dietmar Brockes (FDP-MdL). Sie besuchten das Willicher Unternehmen, welches durch Corona mit in der Spitze 80 Mitarbeitern nahezu zum Nichtstun verdammt ist.

„Die Konzert- und Veranstaltungsbranche, die mit 130 Mrd. Euro Umsatz die sechstgrößte Wirtschaftsbranche Deutschlands mit 1 Mio. Beschäftigen ist, steht vor dem Kollaps und 40% der Unternehmen stehen vor dem völligen Zusammenbruch“, sagt Schmidt-Enzmann. Der Willicher Vollblutunternehmer fürchtet einen weiteren Lockdown und bestätigt, dass bereits heute bis in den Herbst fast alle Messen, Veranstaltungen und Konzerte erneut abgesagt sind.

Daher wirbt Schmidt-Enzmann für eine kontrollierte und technisch umsetzbare Öffnung und zeigte seinen Gästen gleich beim Betreten der Räumlichkeiten seines Unternehmens, wie technische Lösungen und PCR-Teste vor Ort Veranstaltungen möglichen machen können. Allerdings stieß der Willicher mit seinen Konzepten sowohl in den Verwaltungen als auch in der Politik bisher auf taube Ohren : „Politiker verweisen auf Verwaltungen und Verwaltungen umgekehrt auf die Politik. Daher ist es mir heute wichtig, dass sich Politiker vor Ort informieren und mit der Sache auseinandersetzen.“ Otto Fricke bestätigte den Eindruck: „Das Problem ist, dass keiner wirklich verantwortlich sein will. Schuldzuweisungen und Risikoabwägungen machen es nicht besser und unsere Bürokratie blockiert teilweise, so dass sich gute Ideen nicht durchsetzen können. Es kommt hinzu, dass die gesamte Verantwortung bei den Gesundheitsministern liegt und hier kann die Politik nur sehr schwer eingreifen. Die Pandemielage führt dazu, dass die Beteiligung der Parlamente viel zu spät zustande kommt und lokale Lösungsansätze kaum zur Anwendung kommen.“

Dietmar Brockes hofft ebenso wie Schmidt-Enzmann, dass technische Lösungen schnell weiterhelfen können: „Unser in Kürze stattfindender NRW-Wahlparteitag soll mit vielen technischen Möglichkeiten und Testen belegen, dass Veranstaltungen möglich sind. Dazu wollen wir erstmals die Software Lumux-Guardian einsetzen, die unter Berücksichtigung von Datenschutzbestimmungen Besucher- und Testdaten verwaltet. Wenn das klappt, sind wir einen großen und schnellen Schritt weiter.“ Auch Schmidt-Enzmann setzt auf die neue Technologie und will bald in einer gesonderten Veranstaltung auf das System und damit auf eine mögliche Öffnungsstrategie hinweisen. Er hofft, dass so auch wieder Veranstaltungen in Willich möglich werden. Bisher ist der Willicher Unternehmer allerdings häufig mit seinen Initiativen und Aktionen (Kostenloser Corona-Testtag für Bürger) im Genehmigungsverfahren an der Willicher Verwaltung gescheitert. „Leider verweist die Verwaltung immer wieder auf höhere Instanzen und Verordnungen, die keine Spielräume zuließen“, so Schmidt-Enzmann.

„Dass den Unternehmen der Branche das Wasser bis zum Halse steht und dringend benötigte Umsätze fehlen, verschlimmert unsere Lage immer mehr“, ergänzt Gast-Unternehmer Gregor Ilbertz (Ilbertz-Veranstaltungstechnik) aus Krefeld. Er kritisiert, dass die Bundeshilfen teils nicht oder zu spät ankommen. „Uns wären allen wohler, wenn wir keine Steuergelder beanspruchen müssten, sondern wir mit Veranstaltungen mit Sicherheitskonzepten selbständig unser Geld verdienen könnten. Aber dazu müssten sich Politik und vor allem die Verwaltungen im Rahmen der Zulassung von technischen Innovationen bewegen“, sagt Ilbertz. Fricke und Brockes versprachen, sich sowohl im Bund und als auch im Land im Sinne der Unternehmer weiter einzusetzen und wollen mit den Unternehmern im Austausch bleiben.