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„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ – so heißt es im Talmud und dieses Zitat leitet auch einen Aufsatz in der Edition „50 Jahre Stadt Willich“ ein, die anlässlich dieses Jubiläums im Jahr 2020 entstanden ist.

Heute gibt es in Willich eine sehr wertschätzende und engagierte Art und Weise, an die Geschichte und die Schicksale der jüdischen Mitbürger in den vier Stadtteilen zu erinnern. In seinem Aufsatz erinnert Bernd-Dieter Röhrscheid, langjähriger Lehrer am St. Bernhard-Gymnasium und bis heute mit Stadtarchivar Udo Holzenthal aktiv an Erinnerungsprojekten beteiligte, daran, wie alles anfing: nämlich nach der kommunalen Neuordnung und der Entstehung der Stadt Willich.

Der erste Bürgermeister der Stadt Willich, Dr. Hans Lamers (langjähriger Richter an der Wiedergutmachungskammer Landgericht Krefeld), hatte es angeregt, die jüdischen Mitbürger und / oder ihre Nachfahren, die den Holocaust überlebt hatten oder rechtzeitig geflohen waren, nach Willich einzuladen. Zehn der Eingeladenen kamen in den Jahren bis 1985 und wurden herzlich empfangen. Es folgten viele Ideen und Ansätze, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger lebendig zu erhalten: Im Mai 1984 wurden auf allen vier Friedhöfen Mahnmale zum Gedenken an die „Opfer von Unrecht und Gewalt in den Jahren 1933 bis 1945“ enthüllt. Aber es dauerte noch einmal 17 Jahre, bis das explizite Gedenken an die jüdischen Opfer thematisiert wurde – mit einer Erinnerungstafel an das „Bethaus der jüdischen Gemeinde‘“ in Anrath und mit einer Erinnerungstafel an die 1938 während der Reichspogromnacht zerstörte Synagoge in Schiefbahn.

Gedenkstätte am St. Bernhard-Gymnasium

Ein weiterer Schritt war die Errichtung eines zentral im Willicher Stadtgebiet gelegenen Mahnmals zur Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger – am St. Bernhard-Gymnasium. Auch die vernachlässigten jüdischen Friedhöfe wurden hergerichtet, die Grabsteine gereinigt und solide befestigt. Ein wichtiges Projekt war die Beteiligung der Neuntklässler des St. Bernhard-Gymnasiums am „Zug der Erinnerung“: Sie hatten die Biografien der drei jüdischen Kinder Herbert Heumann, Ruth Rübsteck und Bruno Schönewald sowie des Roma-Jungen Günter Laubinger aufgearbeitet. Alle waren im Holocaust ermordet worden. Im Zuge dieser Arbeit entstand der Kontakt zu dem Künstler Günter Demnig und die Idee, Stolpersteine vor den ehemaligen Wohnhäusern deportierter jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger verlegen zu lassen. Seit mehreren Jahren arbeiten in einer Bildungspartnerschaft zwischen dem St. Bernhard-Gymnasium in Schiefbahn, dem Willicher Stadtarchiv und den Heimat- und Geschichtsfreunde Schiefbahn ‚Schüler/-innen und andere Interessierte zusammen. Sie organisieren zum Beispiel die Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht – 2013 mit einem Lichterzug, in diesem Jahr erstellten sie „Mahnkoffer“ mit Koffer-Anhängern, auf denen die Namen der in den Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Willicher standen.

Im Laufe der Jahre sind mehrere Schriften, Darstellungen und Quelleneditionen zur Geschichte und zu den Schicksalen der jüdischen Mitbürger in Willich erschienen, die auf großes Interesse in der Bevölkerung gestoßen sind. In Zusammenarbeit mit Bernd-Dieter Röhrscheid und Udo Holzenthal werden wir in „Willich erleben“ auf Basis des mittlerweile vergriffenen Buches „Die Geschichte der Juden in Willich“ (2016) die jüdischen Familien und ihre früheren Wohnorte in Willich vorstellen.