Schulspeisung Im Jahr 1948. Foto: Stadtarchiv

In unserer Rubrik Geschichte erleben starten wir heute mit der Serie „Die Geschichte der Willicher Schulen“ mit der Alleeschule in Anrath.

Im Jahre 1911 hatte die Raumproblematik an den beiden Anrather Schulen solche Ausmaße angenommen, dass der Gemeinderat zum Handeln gezwungen war. Er beschloss winkelig zur alten, 1878 ge­bauten Knabenschule an der Viersener Straße ein neues, sieben Klas­senräume und eine Lehrerdienstwohnung umfassendes Schulhaus zu errichten. Der Grundstein wurde am 16.Oktober 1911 gelegt, der Bau entstand nach Entwürfen des Kreisbaumeisters Manes unter Baulei­tung des Gemeindebauführers Schmitz.

Die offizielle Einweihung fand am 17. November 1913 statt. In der Zwischenzeit war bereits das benachbarte alte Schulgebäude nieder­ gelegt worden. In der Anfangszeit wurden in der neuen Schule etwa 390 Knaben unterrichtet. Auch die Gemeindehaushaltsschule fand im Kellergeschoss eine neue Heimat. Anfang 1943 wurde unter dem Schulhof eine Bunkeranlage errichtet. Erst 1972 wurde der Zugang beseitigt.

1967 (15.10.) hatte die Schule 617 Schüler. Im Jahr darauf wurden durch die Schulreform Volksschulen in Grund­ und Hauptschulen ge­trennt. Die Alleeschule beheimatete nun die Katholische Grundschule. Schulleiter wurde Johannes Küppers, der zuvor die Schule Clörath geleitet hatte.

1973 wurde die Gottfried-­Kricker-­Schule am Hochheideweg einge­weiht, sie war nun Sitz der Katholischen Grundschule Anraths, die Alleeschule wurde zu einer Dependance und behielt diesen Status bis 1997.

In den Jahren 1998 und erneut 2004 wurde das Gebäude hinsichtlich seiner Denkmalwürdigkeit überprüft. Da jedoch durch die 1962/1963 im Inneren durchgeführten Modernisierungen der ursprünglich bauli­che Zustand fast vollständig verloren gegangen war, unterblieb eine Aufnahme in die Denkmalliste.1998 wurde hier der erste Jahrgang des neuen Gymnasiums Anrath untergebracht, da der Neubau erst im Jahr darauf fertiggestellt werden konnte.

In den folgenden Jahren diente die Alleeschule als Dependance der Johannesschule. Einige Räumlichkeiten wurden auch vom Deutschen Roten Kreuz (seit 1986) und vom Bürgerverein Anrath (seit 1999) ge­nutzt.

Als der Stadtrat Ende 2011 die Auflösung der Johannesschule be­schloss, beschäftigten sich Rat und Verwaltung intensiv mit den Opti­onen für eine zukünftige Nutzung des Gebäudes. In seiner Sitzung vom 23.10.2012 beschloss der Planungsausschuss mehrheitlich, das Schulgebäude zu entwidmen und einem Investor zum Kauf anzubie­ten.

Einzige Vorgabe an einen Investor war die Beibehaltung der histo­rischen Fassade und die Sicherung des Baumbestandes auf dem Schulhof. Einige Anrather gaben damit aber nicht den Kampf gegen einen Verkauf der Alleeschule auf. So gründete sich im Juni 2013 eine Initiative namens „Anrather Köpfe“ mit dem Ziel der „Rettung der Al­leeschule als Begegnungs­- und Kommunikationszentrum“. In den folgenden Monaten sammelte die Initiative über tausend Unterschrif­ten gegen den Verkauf an einen Investor. Die Mehrheit des Stadtrats folgt aber der Linie des Planungsausschusses und beschloss am 18.12.2013 endgültig den Verkauf der Alleeschule.