Ehrenring der Stadt Willich – Zwei neue Träger vom Rat gewählt

Große Ehre Dieter Lambertz und Bernd-Dieter-Röhrscheid: Der Rat der Stadt Willich hat in seiner letzten Sitzung nichtöffentlich und einstimmig beschlossen, die beiden Willicher „politischen Urgesteine“ mit dem Ehrenring der Stadt Willich auszuzeichnen.

Der Ehrenring der Stadt Willich kann nach Satzung an „Frauen und Männer verliehen werden, die sich in besonders hervorragender Weise um die Stadt Willich verdient gemacht haben“. Die Zahl der Auszeichnungen ist nach Satzung auf höchstens zehn lebende Träger beschränkt, aktuell sind fünf Ehrenringe vergeben: Träger sind Akira Okada, Renate Tippmann, Franz Weber, Dieter Hehnen und Herr Fritz-Joachim Kock – und bald tragen ihn eben auch Lambertz und Röhrscheid.

Dieter Lambertz, 1944 auf der Gibbermühle in Neersen geboren, als ehemaliger Polizeibeamter noch heute als freiberuflicher Moderator, Kommunikations- und Präsentationstrainer und Mediator tätig, ist unter anderem Träger des Verdienstordens des Landes Niedersachsen, war unter anderem als Verkehrserziehungsbeamter bei der Kreispolizeibehörde Viersen in der Verkehrserziehung mit Kindern im Kindergarten tätig und hat als Pilotprojekt die Aktion „Denk- und Dankzettel“ in Leben gerufen, und sich meist als Initiator unter anderem um die Verkehrserziehung mit Kindern in der Primar- und Sekundarstufe, die Jugendverkehrsschule,  Radfahrprüfung, Verkehrssicherheitstagen und –Wochen, Schülerlotsenausbildung, Aktionen Zweirad und die Aktion junge Fahranfänger verdient gemacht.  Auch Elternabende im Programm „Kind und Verkehr“ und „Kinder als Radfahrer“, Omnibusfahrten zu neuralgischen Punkten, das Programm „Ältere Menschen im Straßenverkehr“, Verkehrserziehung körperlich und geistig behinderter Menschen gehören zu seinem breiten Tätigkeitsspektrum in diesem Bereich.

1995 erhielt er den Verkehrssicherheitspreis NRW; als Mitautor von Heimatbüchern ist er ebenso in Erscheinung getreten wie als Gewerkschafter (1962 bis 1972 für den Bundeswehrverband, ab 1972 als Mitglied der Gewerkschaft der Polizei (Vorsitzender der GdP–KPB Viersen, Mitglied des Bezirksvorstandes der GdP RP Düsseldorf, Ehrenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei). Lambertz, seit 1972 Mitglied der Kreisverkehrswacht Viersen, wurde 2003 deren Vorsitzender und besitzt den Ehrenbrief mit der Goldenen Ehrennadel der Deutschen Verkehrswacht. Als aktiver Jugendtrainer und Jugendbetreuer bei Borussia Mönchengladbach (seit 1974) ist er auch Träger der Goldene Ehrennadel des Vereins. Daneben fallen natürlich seine politischen Aktivitäten ins Gewicht: Lambertz war 1989 bis 2014 Mitglied der CDU Landtagsfraktion (Polizeiarbeitskreis), seit 1994 Mitglied des Stadtrates, seit 1999 bis 2020 Stellvertretender Fraktionsvorsitzender, seit 1994 Obmann oder Vorsitzender des Jugendhilfe- und Sozialausschusses, stellvertretender Bürgermeister von 2009 bis 2014: Seine Verdienste wurden schon 1991 unter anderem mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Darüber hinaus ist er Gründungsmitglied des Willicher Kinderschutzbundes, dessen zweiter Vorsitzender er ist, außerdem als 2. Vorsitzender im Deutsch – Lettischen Freundeskreis aktiv. Auch dem Schützenwesen ist er aktiv zugewandt:  Er ist Träger des Vereinsordens und der goldenen Ehrennadel der St. Johannes Schützengesellschaft Clörath Vennheide und des silbernen Verdienstordens der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Weiter ist Lambertz Ehrenoffizier der Prinzengarde Willich, Träger der Ehrennadel der Freiwilligen Feuerwehr Willich in Silber und Ehrenmitglied des Bundes der Vertriebenen.

Bernd-Dieter Röhrscheid, ehemaliger Studiendirektor am St. Bernhard-Gymnasium, trat 1970 in die SPD ein und ist seitdem in vielfältiger Weise für die Bürgerinnen und Bürger auf kommunalpolitischer Ebene tätig gewesen: seit 1982 ist er Mitglied des SPD Stadtbezirkes Schiefbahn.  1984 wurde er in den Rat der Stadt Willich gewählt, war 1985 bis 1989 zunächst stellvertretender Fraktionsvorsitzender, danach bis heute Fraktionschef. Röhrscheid war unter anderem Vorsitzender des Jugend- und Sportausschusses (1986 -1989) und des Jugendhilfeausschusses (1989-1994), von 1989 an war er Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss. Seit mehr als 30 Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender des Sport- und Kulturausschusses und hat wesentliche Impulse für die kulturelle und sportive Entwicklung der Stadt gesetzt. Er hat unter anderem an der Gründung des städtischen Jugendamtes maßgeblich mitgearbeitet, bei vielen anderen politischen Entscheidungen (Gründungsmitglied Festspielverein Schloss Neersen, Gründung der ersten Willicher Gesamtschule, Gründung städtische Bücherei, Stadtarchiv, Lise-Meitner-Gymnasiums, Gründung der Grundstücksgesellschaft der Stadt) Willich hat er das positive Ergebnis mitgeprägt. Daneben übernahm er in Aufsichtsräten und Verwaltungsräten Mitverantwortung (unter anderem Verwaltungsrat Sparkasse, Kreiswasserwerk, Stadtwerke Willich, Grundstücksgesellschaft, Wasserwerk Willich, Versorgungsnetz GmbH, Servicegesellschaft Stadtwerke Willich/Meerbusch, Verwaltungsrat Sparkasse Krefeld).

Röhrscheid war Mitgründer des Fördervereins der Schlossfestspiele Neersen (seit 2009 Vorstandsmitglied), als Hauptschöffe am Amtsgericht in Krefeld tätig und organisierte einen Partnerschaftslauf von mehr als 30 Läuferinnen und Läufern von Willich nach Linselles über 336 Kilometer. Im Zusammenhang mit seinem Einsatz für leukämiekranke Menschen rief er eine Typisierungsaktion ins Leben, bei der es zu mehr als 2.000 Typisierungen und 100.000 € Spenden kam (Gründung Verein „StaR e.V. Stammzellspende Rheinland“). Auch in „seiner“ Schule übernahm er Verantwortung (Geschäftsführer des Fördervereins St. Bernhard-Gymnasium). Einen Namen hat er sich zuletzt vor allem als Kämpfer für eine Erinnerungskultur in Stadt und Region gemacht: er war unter anderem 1986 an der Realisierung der Aufstellung von Erinnerungstafel „Gegen Terror und Gewalt“ auf allen Friedhöfen der Stadt beteiligt, ebenso an der Aufstellung von zwei Gedenktafeln zur Erinnerung an die Synagogen in Anrath und Schiefbahn. Er trug entscheidend mit dazu bei, dass das zentrale Mahnmal zum Gedenken an die Ermordung der aus den Altgemeinden der Stadt Willich deportierten jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen 2001 am St.-Bernhard-Gymnasium aufgestellt wurde. 2011 gründete er mit Schülerinnen und Schülern des St. Bernhard-Gymnasiums die „Stolperstein-AG“, die für alle aus der Stadt Willich deportierten oder geflüchteten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern einen Stolperstein „Gegen das Vergessen“ setzt. Auf seine Initiative wurden 2012 in Schiefbahn zwei Straßen, die Kaufmann- und die Rübsteckstraße, zur Erinnerung an 1941 deportierte jüdischen Familien benannt, 2018 eine Straße in Erinnerung an die Familie Lion. Gemeinsam mit dem Archivar der Stadt verfasste er in fünfjähriger Arbeit ein Gedenkbuch über die „Geschichte der Juden in Willich“, außerdem die Bücher ”Straßennamen in Schiefbahn” sowie ”Straßennamen in Neersen”. Seit 2012 arbeitet er im Vorstand der Heimat- und Geschichtsfreunde Willich mit, initiierte den Zusammenschluss der Bildungskooperation zwischen Stadtarchiv, dem St.-Bernhard-Gymnasium und den Heimat- und Geschichtsfreunden. Ehrenamtlich engagiert sich Röhrscheid auch für die evangelische Kirchen der Stadt, seit 2011 arbeitet er im erweiterten Presbyterium der Ev. Emmaus-Kirchengemeinde mit. 2005 erhielt Röhrscheid die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

Die offizielle Ehrung der neuen Ehrenringträger, die sich beide im Anschluss an das Votum des Rates sichtlich bewegt für die Auszeichnung bedankten, ist für die Sitzung des Rates am 8. Mai vorgesehen.