Einblick mit Seltenheitswert: Arbeiten in „de Bütt“

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Alter Hubboden raus, neuer Hubboden rein. Fehlt noch frisches Wasser... Foto: Willich erleben

„Diesen Blick wird in den nächsten Jahrzehnten niemand mehr haben“ – Philipp Bauknecht, Badleiter im Freizeitbad „de Bütt“, führt uns an den hinteren Rand des „trocken gelegten“ Sportbeckens im Hallenbad. Im vorderen Bereich sind die Arbeiter gerade damit beschäftigt, den Hubboden zu erneuern – und noch ist der Blick vom anderen Ende aus unter die Konstruktion möglich. Zu sehen sind die Hebe- und Absenk-Konstruktionen, die demnächst auf Jahre hinter der Abdicht-Konstruktion verschwinden werden. Dann sind sie nur noch über die Wartungs-Einstiege im Beckenboden zu erreichen.

Die diesjährige Wartungs- und Reparaturphase für das Bad stellt das gesamte Team vor eine Herausforderung – denn in den vier Wochen sind sechs Themen zu bearbeiten.

Sauna-Modernisierung

Im Saunabereich dröhnen seit Tagen die Schlagbohrer, die die alten Elemente herauslösen – als besonders hartnäckige Konstruktion erweist sich dabei das Tauchbecken: Das können die Arbeiter nur brockenweise herauslösen. Angenehm ist die Arbeit sicher nicht – der feine Staub „steht“ buchstäblich in der Luft und kommt durch jede Ritze. Der Hintergrund: Die Sauna ist seit dem Bau vor 23 Jahren – bis auf Reparaturen – unverändert und nicht mehr attraktiv. Die neue, modernere und größere Sauna soll bis zu 23 000 Nutzer im Jahr gewinnen. Demnächst soll es ein Dampfbad mit Kaltanwendungen und Eisbecken geben, eine „Schlosspark-Sauna“ sowie eine Bio-Sauna (mit niedrigen Temperaturen). Die Außensauna wird zur großen Panorama-Sauna / Aufguss-Sauna mit Blick auf den Außenbereich des Schwimmbades.

Ein großer Vorteil des Großbau-Projektes: Die neue Sauna wird autark mit Wasser und Energie versorgt – bislang ist sie an den Kreislauf im Schwimmbad-Bereich angeschlossen.

Sportbecken und Hubboden

Um den neuen Hubboden einzubauen, musste das Sportbecken komplett entleert werden – allerdings wurden 20 Prozent des Wassers in Schwallbecken und in den anderen Badebecken „geparkt“: Damit kann Bauknecht einen Teil der Wasserkosten und den Energieverbrauch für das Erwärmen des neuen Wassers reduzieren. Im Becken werden auch die Unterwasser-Scheinwerfer auf LED-Technik umgerüstet, auch das reduziert den Energieverbrauch. Wenn alles fertig ist, wird das Becken über die Weihnachtstage gefüllt und das Wasser hygiene- und wärmetechnisch aufbereitet ist. Das wird genau überwacht – für den Technischen Leiter Benedikt Schloßmacher heißt das, dass er auch über die Feiertage mehrfach kommen muss.

Das Becken ist mit Absperrgittern, die auf Anti-Rutschmatten stehen, gesichert: Denn an der tiefsten Stelle ist der harte Kachelboden 3,60 Meter tiefer – es darf niemand in das Becken hineinfallen: „Das ist die größte Angst, die man als Badleiter in dieser Zeit hat“, räumt Bauknecht unumwunden ein.

Eine Anekdote: Beim Ausbau der alten Konstruktion gab es einige besondere Funde: Bauknecht zeigt drei Silberringe – das Material ist als solches aber nicht mehr erkennbar: „Die haben Jahre in den Ritzen gelegen und sind vom Chlor zerfressen“, erklärt er.

Weitere Aspekte

Weitere Projekte im Rahmen der Schließungsphase: Im Eingangsbereich wird der Shop für Bademoden und Badezubehör neu eingerichtet. Außerdem wird der Sanitär- und Umkleidebereich des Freibadbereiches von Grund auf erneuert und der „Matsch-Bereich“ umgestaltet. Dabei schlägt die Badleitung zwei Fliegen mit einer Klappe: Die neuen Materialien sind weniger aufwändiger in der Reparatur und für die kleinen Besucher wird es schönere Spielmöglichkeiten geben.

Damit die Mitarbeiter moderne Arbeitsplätze erhalten, wird auch der Verwaltungsbereich erweitert – denn bislang ist „Arbeitsplatz-Sharing“ angesagt.

Eine „Kleinigkeit“ am Rande: Zur Gewährleistung der Sicherheit wird die Brandmelde-Anlage erneuert – auch so eine Arbeit kann nur gemacht werden, wenn das Bad geschlossen ist.

Millionen-Projekt

Der finanzielle Aufwand ist hoch: Allein die Sauna kostet knapp 1,4 Millionen Euro – so die von der Politik genehmigte Finanzplanung. Der neue Hubboden kostet 100 000 Euro und der Shop 14 000 Euro. Bei letzterem hat die Stadt die Hersteller als Partner gewonnen: „Wir nehmen die Produkte über einen längeren Zeitraum in das Sortiment, dafür beteiligen sich die Hersteller an den Kosten“, erklärt Bauknecht.

Zeitlich ist das Projekt genau geregelt: Am 27. Dezember werden die Badegäste wieder vor dem Eingang stehen – dann muss alles fertig sein. Aber bis dahin wird der Badleiter sicher noch manchmal zusammenzucken, wenn es wieder irgendwo dröhnt und kracht…