Eine Geschichte über zwei Künstler und ihr „Paradieschen“

Beyerlein_Röhrscheid
Das Schiefbahner Ehepaar Christa und Bernd-Dieter Röhrscheid hat in einer Ausstellung sein Wissen über das Künstler-Ehepaar Lore und Kurt Beyerlein zusammengestellt.

Es ist ein hochinteressanter Aspekt der Schiefbahner Ortsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus – aber auch der deutschen Kunstgeschichte dieser Zeit und reicht von Berlin bis in ein „Paradieschen“ im Eschert.

Genauso hat die Geschichte auch Bezüge in die antike Mythologie und zu den Ideen über das Wesen der Liebe bei Ovid: Das Schiefbahner Ehepaar Christa und Bernd-Dieter Röhrscheid hat in einer Ausstellung sein Wissen über das Künstler-Ehepaar Lore und Kurt Beyerlein zusammengestellt, um auch anderen einen Zugang zu ermöglichen.

Kurt Beyerlein zählt zu den „rheinischen expressiven Realisten“ – er war vermutlich auf dem Weg zu einer großen Karriere, bis die Restriktionen der Nazis auch ihn und seine Frau Lore, eine Ballettmeisterin, trafen. Der in Mönchengladbach geborene Beyerlein lebte mit seiner in Wien geborenen Frau in Berlin, beide übten dort ihre künstlerischen Tätigkeiten aus. Als die nationalsozialistische Propaganda immer mehr auch die „nicht genehmen“ Künstler traf, zog er 1932 mit seiner Frau nach Schiefbahn in das Haus am Eschert 10. Hier wollten sich die beiden ihr „Paradieschen“ schaffen, in dem sie als Selbstversorger in einer Zweisamkeit lebten wie das mythologische Ehepaar Philemon und Baucis. (Dieses alte und verarmte Ehepaar lebte in Phrygien und nahm als einziges die Götter Zeus/Jupiter und Hermes/Merkur gastlich auf. Die Götter dankten die Gastfreundschaft, indem sie das Ehepaar als einzige Bewohner vor dem Untergang der Stadt retteten und ihre ärmliche Hütte in einen Tempel verwandelte. Außerdem gewährten sie beiden die Gnade zur selben Stunde zu sterben, damit nicht einer ohne den anderen leben müsse – sie verwandelten die beiden im hohen Alter in eine Eiche und eine Linde, die auf ewig nebeneinander stehen…)

Dieses Miteinander wünschte sich das Ehepaar Beyerlein auch – es sollte sich aber nicht umsetzen lassen: Kurt Beyerlein wurde noch 1941 zum Militär- dienst gezwungen. Damit begann ein reger Briefwechsel zwischen den Eheleuten, bis Kurt Beyerlein am 20. Februar 1945 nach einem schweren Unfall in einem Lazarett starb. Diese Briefe sind in Teilen von Lore Beyerlein publiziert worden.

KUNST, TANZ, ÖKUMENE

Das Ehepaar Röhrscheid hat in einer Ausstellung verschiedene Aspekte des Lebens der Eheleute Beyerlein zusammengetragen: Beide waren mit der Arzt-Familie Macke gut befreundet, Lore Beyerlein hatte Anschluss an den kleinen Kreis der evangelischen Christen in Schiefbahn gefunden und berichtete ihrem Mann in einem Brief vom 24. Dezember 1941, dass sie morgens wieder zum Gottesdienst in der Küche von Frau Müller gewesen sei.

Am 20. April 1942 schreibt sie: „Ich war am Donnerstag wieder mal bei Macke. Der „oecumenische Kreis“, der mit der Freundschaft Dr. Macke – Beyerlein begann, erweitert sich, trotz der ungünstigen Zeitverhältnisse“. Kurt Beyerlein schildert dagegen in einem Brief vom 7. Dezember 1942: „Wenn ich mich … so ganz in den Klauen des Militarismus fühle, überfällt mich immer das Gefühl der Endlosigkeit und Ausweglosigkeit.“

Auch die verschiedenen Stadien der künstlerischen Tätigkeit des Malers waren dokumentiert – war er vor allem in Berlin noch stark in karikaturistischen Bildern engagiert, so wandelte sich das zu Zeichnungen zur Mythologie und Literatur oder zur Gesellschaft. Für die Ausstellung hatten die Kinder des Ehepaares Macke unter anderem ein Originalbild „Abendgesellschaft im Garten“ (Öl auf Holz) als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die Bedeutung Beyerleins als Künstler macht sich auch daran fest, dass es zwei posthume Ausstellungen mit seinen Werken gegeben hat: 1954 im Museum Abteiberg und 1984 in Krefeld.

Lore Beyerlein hingegen hatte in Schiefbahn eine Ballettgruppe gegründet – einige der Tänzerinnen hatte das Ehepaar Röhrscheid im Februar 2018 noch getroffen. Von den letzten Jahren Lore Beyerleins ist nicht viel bekannt. Sicher ist, dass sie 1987 noch einmal geheiratet hat, nach Berlin zurückgegangen ist und Mitte der 1990er Jahre wohl in einem Berliner Altenheim verstarb. Eine Todesurkunde oder einen Eintrag ins Melderegister haben die Röhrscheids allerdings bislang nicht gefunden.