Erstes Neersener Schützenfest mit einer Königin

Von links: Das erste weibliche Königshaus der Bruderschaft in Neersen steht in den Startlöchern: Königsoffizierin Nicole Neiser, 1. Ministerin Sandra Vollberg, Königin Anika Klöters, 2. Ministerin Jessica Hellwig

Rosen in Gold und Bordeauxrot – in diesen Farben wird zum Neersener Schützenfest (06. – 08. Juli) die Königinnen-Residenz im Wahlefeld-Saal geschmückt. Denn zum ersten Mal werden die Schützen der St. Sebastianus Bruderschaft Neersen von Königin, Ministerinnen und Königsoffizierin geführt.

VOGELSCHUSS JULI 2018

Mit dem 245. Schuss hatte Königin Anika Klöters im Juli 2018 den Vogel von der Stange geholt, „bei gefühlten 35 Grad Hitze“, erinnert sie sich. Dieses Erlebnis war für sie unvergesslich, denn „es war gigantisch, welche Resonanz wir aus der Bruderschaft und von den Gästen erhalten haben“, berichtet sie. Die Königin wird begleitet von den Ministerinnen Sandra Vollberg und Jessica Hellwig sowie Königsoffizierin Nicole Neiser.

Anika Klöters ist vor 33 Jahren in die Bruderschaft eingetreten – es war eine Familiensache: Der Vater war bereits aktiver Schütze. Diese Familiensache setzt sich seither fort. Anika Klöters war 1987 Kinderkönigin der Bruderschaft und 1989 Ministerin bei er Kinderkönigin Elisabeth Tölkes.

Als Erwachsene löst die erste Neersener Königin ihren Bruder Jan Hellwig ab, der 2018 König der Bruderschaft war. Die 40-Jährige hat einen Sohn.

NEUES KAPITEL DER BRUDERSCHAFTS-GESCHICHTE

Ihre Position als erste Königin sieht sie als eine Ehre an und freut sich, dass sie damit ein bisschen Geschichte der Bruderschaft schreiben kann. Denn: In der Neersener Bruderschaft gibt es keine Frauengruppe, lediglich zwei Gruppen mit Fahnenschwenkerinnen.

Der „Zug“ der Königin ist aus einem anderen Brauch in der Bruderschaft entstanden: Traditionell findet im Zelt am Montag der „Klumpen-Tanz“ vor dem amtierenden König statt – es gibt eine Gruppe von rund 30 „Klumpen-Frauen“, „dazu gehöre ich und das ist dann auch meine Gruppe“, erklärt die Königin. Sie ist auch eine Betreuerin der Kindergruppe „Lues Jäger“ und bringt sich gerne ehrenamtlich ein. „Brauchtum in Neersen und in der Stadt Willich ist wichtig und kann nur so fortgeführt werden“, meint sie.

Sie freut sich darüber, wie positiv dieser erste Ansatz der Öffnung beim größten Teil der Bruderschaft angekommen ist: Präsident Robert Brintrup und der Vorstand seien im vergangenen Jahr zu ihnen gekommen, als ihre Überlegungen durchgesickert seien, „und sie standen sofort voll dahinter. Auch sonst gab es überwiegend positive Rückmeldungen. Man sollte mit der Zeit gehen“, meint die Königin zu dieser Entwicklung. Ihr bislang schönster und emotionalster Moment: die Krönung im Januar 2019. „Das war noch einmal besonders, weil das Königssilber von meinem Bruder Jan auf mich überging. Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, die erste Königin von Neersen zu sein“, erzählt sie.

Ihr erster großer Auftritt war beim Schützenfest in der benachbarten Honschaft Klein-Jerusalem – beim Schützenfest in Neersen Anfang Juli wird es etliche Premieren geben: Königin Anika ist die erste Frau, die die Paraden am Minoritenplatz abnimmt. Zuvor freut sie sich aber schon auf den Auftakt, sagt sie – den Rockabend mit Booster im Festzelt.