Die Neersener Volksschule am Minoritenplatz im Jahr 1954. Foto: Stadtarchiv

Die erste, wenn auch provisorische Schule wurde 1701 im Haus von Jakob Gierden ein­ gerichtet. 1732 nahm die Gemeinde Neersen einen Kredit von 300 Reichstalern auf, um ein eigenes Schulhaus auf dem Gelände des Min­oritenklosters errichten zu können. Drei von vier Klassen wurden hier unterrichtet, die zweite Mädchenklasse musste aus Platz­gründen in einem Privathaus unterrichtet werden. Das erste Neersener Schulgebäude sollte später dem Abriss des Minoritenklos­ters in den 1960er Jahren zum Opfer fallen. Der erste namentlich erwähnte Lehrer war Jakob Wreden. Als er 1863 starb, folgte als Hauptlehrer Franz Verres.

Auf Dauer waren die Räume im Minoriten­kloster nicht mehr tragbar. Deshalb entschied die Gemeinde, am heutigen Minoritenplatz ein großes Schulgebäude zu errichten. Die Arbeiten begannen 1865, die Einweihung erfolgte im Oktober 1866. Umgehend wurden beide Knabenklassen und die zweite Mädchenklasse in das neue Gebäude verlegt. 1875 wurde in unmittelbarer Nähe der Knabenschule ein weiteres Schulgebäude errichtet, um auch die beiden verbliebenen Mädchenklassen aus dem Kloster herüber holen zu können. Am 2. November konnte das Gebäude bezogen werden.

Nach Kriegsende gestalteten sich die Zustände in den beiden Schul­gebäuden katastrophal. So mussten 1949 in der katholischen Volks­ schule in nur fünf Klassenräumen 450 Kinder unterrichtet werden, in der evangelischen Schule war es für 70 Schüler ein Raum. Außerdem waren die Räume mit völlig veralteten Möbeln ausgestattet, die Toilet­ten entsprachen in keinster Weise den hygienischen Bedingungen und einen Schulhof gab es nicht.

NEUBAU PAPPELALLEE 1950

Aufgrund des schlechten baulichen Zustands der beiden alten Schul­gebäude am heutigen Minoritenplatz beschloss der Neersener Gemeinderat am 28. Juli 1950 den Bau einer vierklassigen Schule im Pavillonstil an der heutigen Pappelallee. Am 5. März 1951 wurde der Grundstein für die neue Schule gelegt. Die Arbeiten verliefen kei­neswegs reibungslos, mussten doch die Ar­beiten nach Fertigstellung des Rohbaus unter­brochen werden, da die vorgesehenen Mittel aufgebraucht waren. Die endgültige Fertig­stellung erfolgte so, je nach Finanzlage, in mehreren Etappen. Die Einweihung fand am 21. Januar 1954 statt.

Nach Fertigstellung der neuen Volksschule an der Pappelallee wurden dort die älteren Jahrgänge unterrichtet. Die alte Knabenschule wurde im Rahmen der Neugestaltung des Minoritenplatzes 1966 abgerissen. 1968 wurde die Volksschule im Rahmen der Schulreform in eine Haupt­ und eine Grundschule aufgeglie­dert, wobei die Hauptschule in den modernen Bau an der Pappelallee zog und die Grundschule in den Altbau am Minoritenplatz ging. In seiner Sitzung vom 8. April 1973 gab der Schul­ausschuss der Gemeinschaftshauptschule Neersen den Namen „Vir­mondschule“, die Grunschule wurde nach Gerhard Vynhoven benannt. Aufgrund der Baufälligkeit der alten Mädchenschule beschloss der Gemeinderat am 7. Mai 1969 den Bau einer achtklassigen Grund­ schule an der Pappelallee, direkt gegenüber der Hauptschule. Der Plan mit acht Klassen fand nicht die Zustimmung der Bezirksregie­rung – so wurde schließlich eine abgespeckte Variante mit vier Klas­senräumen gewählt. Die in Fertigbauweise errichtete Schule konnte im März 1970 fertiggestellt werden.

Bereits am 12. Juni des gleichen Jahres beschloss der Rat einen Er­weiterungsbau. Dieser war notwendig geworden durch die Schlie­ßung der Schule Clörath, deren Schüler nun zur Pappelallee mussten. Der in Fertigbauweise errichtete Neubau konnte bereits im Dezember 1971 bezogen werden.

Die alte Mädchenschule am Minoritenplatz wurde 1971 nochmals vorübergehend als Ausweichquartier genutzt, da der Platz in der Grundschule nicht mehr ausreichte. Nach Fertigstellung des Erwei­terungsbaus wurde dann auch das letzte alte Schulgebäude im April 1972 abgerissen.

STREIT UM VIRMONDSCHULE

Die Auswirkungen des Pillenknicks erreichten Mitte der 70er Jahre auch die Höheren Schulen im Stadtgebiet. Besonders betroffen war die Neersener Virmondschule, die seit 1979 nicht mehr die vorge­schriebene Mindestschülerzahl von 300 erreichte.

Um die Auflösung der Schule zu verhindern, beschloss der Schulaus­schuss am 15. März 1980 die Einrichtung einer verpflichtenden 10. Klasse und eine Übergangsklasse für türkische Schüler. Nachdem der Stadtrat Mitte 1987 noch mehrheitlich beschlossen hatte, alle vier Hauptschulen im Stadtgebiet zu erhalten, wies der Regierungspräsi­dent am 29. September 1987 darauf hin, dass schulorganisatorische Maßnahmen in Gestalt der völligen Auflösung der Neersener Haupt­schule zum Schuljahr 1988/89 zwingend erforderlich wären. Als Be­gründung gab er an, „die Schule sei bereits im sechsten Jahr einzügig und habe in acht Klassen jeweils nur noch etwa 20 Schüler.“

Nachdem sich der Stadtrat bis zuletzt gegen eine Auflösung ausge­sprochen hatte, machte der Regierungspräsident von seinem Recht Gebrauch, in Form einer kommunalaufsichtlichen Verfügung zu be­schließen, an der Virmondschule im Schuljahr 1988/89 keine Ein­gangsklasse mehr zu bilden und die Schule zum 31. Juli 1989 aufzu­lösen. Im August 1988 wies das Oberverwaltungsgericht Münster eine Klage der Stadt gegen die Schließung der Schule zurück.

In das nun freigewordene Gebäude zog die Vynhovenschule. Die alte Grundschule wurde später zum Kindergarten umgebaut.