Foto: Stadtarchiv

Erst nach der Pfarrerhebung Schiefbahns 1548 ist von einem Lehrer in Schiefbahn die Rede. War zuerst der Pfarrer gleichzeitig Lehrer, so wurde diese Aufgabe spätestens ab 1569 mit der des Küsters verbunden. Josef Cornelius Pauen (1790-1818) war der letzte, der Lehrer- und Küsterstelle gemeinsam innehatte.

Den Schulvorstand bildeten der Pfarrer, der Kirchmeister und die Armenprovisoren. Die Pfarre bestellte den Lehrer und bildete ihn aus, das Schulgeld teilten sich die Pfarre und die Eltern. Schon damals gab es eine soziale Komponente: Während eigentlich die Eltern für jedes Kind 6 Albus entrichten mussten, wurden arme Kinder unentgeltlich unterrichtet.

Die Pfarre richtete in der Küsterei einen Schulsaal ein. Bei einem Ortstermin im Februar 1802 musste der Munizipalrat feststellen, dass das Gebäude „eher einem Stall als einer Schule“ glich. „In einem so feuchten und ruinösen Bauwerk könne niemand freiwillig seiner Kinder unvermeidlichen Krankheiten aussetzen“. Bereits 1820 hatte

die Gemeinde Schiefbahn ein kleines Schulhaus errichtet, das jedoch nur über zwei Schulsäle verfügte, 1840 um zwei weitere Säle erweitert wurde.1856 wurde die damalige Notkirche zur Schule umfunktioniert.

DIE VOLKSSCHULE AM HUBERTUSPLATZ

Den Anstoß zum Bau einer Schule gab die Regelung von 1862, nachdem Jungen und Mäd- chen getrennt unterrichtet werden mussten. So entschied sich die Gemeinde 1870 zum Neubau am Kirchplatz. Die 1871 fertiggestellte Schule hatte sechs Schulklassen und vier Lehrer- wohnungen. Die Baukosten betrugen 40.000 Reichsmark. 1874 unterrichteten fünf Lehrer in fünf Klassen bereits knapp 400 Schüler.

Aufteilung 1874:
Unterklasse: 62 Kinder (Aspirantin Ackers)
II. Mädchenklasse: 86 Kinder (Lehrerin Tissen)
I. Mädchenklasse: 81 Kinder (Lehrerin Peters)
II. Knabenklasse: 85 Kinder (Aspirant Hellings)
I. Knabenklasse: 80 Kinder (Lehrer Krichen)

Durch den Bau der Fabrik Deuß & Oetker stieg die Zahl der Schüler nochmals erheblich an, was 1897 zum Bau der Schule Niederheide führte.

BAU DER HUBERTUSSCHULE

Doch die Schülerzahl stieg weiterhin stetig an, sodass 1909 bereits die siebte Klasse eingerichtet werden musste. Damit kam die Gemeinde nicht mehr um den Bau eines neuen Schulgebäudes herum,

der heutigen Hubertusschule (1911 errichtet). Dort wurden fortan zwei der acht Klassen der Volksschule unterrichtet.

Aufteilung 1936:
Klasse 7: 62 Kinder (Lehrerin Wolters)
Klasse 6: 61 Kinder (Lehrerin Brockes)
Klasse 5: 57 Kinder (Lehrerin Fenster)
Klasse 4: 49 Kinder (Rektor Giesen)
Klasse 3: 57 Kinder (Konrektor Terhaag)
Klasse 2: 48 Kinder (Lehrer Theißen)
Klasse 1a: 37 Knaben (Lehrer Noeppel)
Klasse 1b: 53 Mädchen (Lehrerin Gondolf)

Im zur Kirche hin gelegenen Flügel der Schule waren das 7. und 8. Schuljahr untergebracht – die Jungen unten, die Mädchen im Obergeschoss. Das 5. und 6. Schuljahr waren im zur Hubertusstraße gelegenen Trakt untergebracht.

In einem Schuppen auf dem Schulhof war die Löschspritze der Schiefbahner Feuerwehr untergebracht. Es kam vor, dass mitten im Unter- richt die Zugpferde von Mertens in vollem Geschirr über den Schulhof kamen und dann die Spritze angebracht wurde. Nach dem Löscheinsatz wurden die Schläuche am Giebel des Schulgebäudes zum Trocknen aufgehängt.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs erlitt die Schule schwere Schäden. So war das Dach des linken Gebäudeflügels komplett zerstört worden.

Am 1. April 1946 wurde über den konfessionellen Charakter der Schule abgestimmt. Dabei sprach sich die große Mehrheit für das Beibehalten der katholischen Schule aus.

AUFGABE DER SCHULE AM KIRCHPLATZ

Im März 1958 zogen auch die letzten beiden Klassen aus der alten Volksschule in das Gebäude Schillerstraße. Der Altbau wurde jetzt komplett von der Evangelischen Volksschule genutzt. 1968 wurde die Schule abgerissen. Das Schulgelände wird heute als Parkplatz benutzt.