Foto: Stadtarchiv Willich

Vom Gefängnis zur modernen Justizvollzugsanstalt

Die Justizvollzugsanstalt Anrath wurde in den Jahren 1898 bis 1904 gebaut. In diesem Artikel veröffentlichen wir den zweiten Teil der Geschichte, die uns von Stadtarchivar Udo Holzenthal zusammengestellt hat. Im Jahr 1945 bestimmte die Kriegssituation die Ereignisse…

Angesichts der näher rückenden Front ordneten der Anrather Ortsgruppenleiter Plöcks und der Krefelder Kampfkommandant am 1. März 1945 die Räumung des Gefängnisses an. An jenem Tag saßen dort noch 481 Männer und 729 Frauen ein. Von diesen machten sich 205 Männer und rund 450 Frauen auf einen Fußmarsch, der sie über Krefeld auf die andere Rheinseite und letztlich in die Gefängnisse Wuppertal und Remscheid-Lüttringhausen führen sollte. Dort trafen aber aus den verschiedensten Gründen nur noch 160 Männer und 208 Frauen ein.

Am Abend des 1.März übergab der Gefängnisleiter Combrinck die Anstalt an den Verwaltungsinspektor Vogt und setzte sich zusammen mit dem Ortsgruppenleiter nach Krefeld ab.

ZWISCHEN 1945 UND 2000

Im Mai 1971 erschoss sich ein 49-jähriger Justizangestellter im Pförtnerraum der Strafanstalt.

1977 wurde im Frauengefängnis ein offener Vollzug mit 22 Plätzen eingerichtet, 1985 wurde dann ein Neubau mit 57 Plätzen, einzig für diesen offenen Vollzug fertiggestellt. Im selben Jahr wurde die bisher dem Männerhaus als Abteilung angegliederte Frauenanstalt unter der Bezeichnung „JVA Willich II“ selbständig.

1985 wurde das Gefängnis unter Denkmalschutz gestellt.

1998 betrug die Zahl der Inhaftierten in der JVA insgesamt 450. Im Dezember 2001 wurde eine sozialtherapeutische Abteilung eröffnet. Hier sollten fortan die Resozialisierung bzw. Rehabilitation von Straftätern betrieben werden.

Im Mai 2003 feierte die JVA ihr 100jähriges Jubiläum. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie 324 männliche und 200 weibliche Insassen.

BAU DES NEUEN FRAUENGEFÄNGNISSES

Im Februar 2004 beschloss das Justizministerium den Bau eines neuen, 191 Haftplätze bietenden Frauengefängnisses auf dem Gelände der Anrather Anstalt. Das rund 30 Millionen Euro teure Gebäude sollte nach den Plänen des Ministeriums auf einer Ackerfläche an der Prinz-Ferdinand-Straße entstehen, setzte aber auch den Abriss von denkmalgeschützten Gebäuden mit 38 Dienstwohnungen auf dem Anstaltsgelände voraus, was zu scharfen Protesten seitens der Anrather Bevölkerung, aber auch des Willicher Stadtrates führte. Die Bezirksregierung setzte sich über diese Proteste hinweg und be- schloss im Juli 2005 den Abriss der Häuser.

Nachdem im Februar 2006 die letzten Bewohner ausgezogen waren, wurde im September mit dem Abriss begonnen.

Im September 2009 wurde das neue Frauengefängnis fertiggestellt und die Inhaftierten zogen vom Alt- in den Neubau um. Gleichzeitig wurde eine neue, gemeinsame Pforte für Frauen- und Männeranstalt in Betrieb genommen.

BAU DES NEUEN MÄNNERGEFÄNGNISSES

Im Januar 2012 wies die Leiterin des Männergefängnisses auf den völlig maroden Zustand des Gebäudes aus dem Jahre 1906 hin. Dieser würde in keinster Weise den Anforderungen an einen modernen Justizvollzug genügen.

Am 9.1.2014 kündigte Justizminister Kutschaty anlässlich eines Besuchs in der JVA an, Ende 2015 mit den Arbeiten beginnen zu wollen. Im ersten Schritt würde das alte Frauengefängnis abgerissen und der erste Komplex der neuen Männeranstalt errichtet werden. Nach dem Um- zug der Männer in den Neubau würde dann im zweiten Schritt der Abriss des alten Männergefängnisses und der Bau eines zweiten Komplexes erfolgen. Dadurch könne die Zahl der Haftplätze von bislang 415 auf 768 erhöht werden. Kutschaty rechnete mit Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro.

Eigentümer:
Staat Preußen (-1945), Land Nordrhein-Westfalen