Foto: Stadtarchiv

Es ist das nächste große Projekt in der Innenstadt von Alt-Willich: Auf dem Gelände des früheren Katharinen-Hospitals entsteht in den nächsten Jahren ein neues Wohngebiet, die „Katharinen-Höfe“. In dieser und den nächsten Ausgaben von Willich erleben gibt Stadtarchivar Udo Holzenthal einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Krankenhauses, das fest in der Geschichte verwurzelt ist.

DIE ECKDATEN DES KATHARINEN-HOSPITALS

  • 1872 an der Bahnstraße errichtet
  • Neubau 1963 fertiggestellt
  • Altbau 1971 abgerissen
  • 2007 Verkauf der Liegenschaft an die Augustinus-Kliniken Neuss
  • 2014 Schließung des Krankenhauses

Die Grundidee zum Bau eines Hospitals stammte vom Willicher Pfarrer Franz Bayertz, der für diesen Zweck bereits 200 Taler hinterließ. Umgesetzt wurde die Idee durch seinen Nachfolger Wilhelm Conrad Giesen. Am 20. Januar 1871 wurde der Grundstein zum Bau eines Kranken- und Armenhauses gelegt. Die Finanzierung in Höhe von 33.200 Mark wurde gesichert durch zahlreiche Schenkungen, wobei die Stiftung von Katharina Essers in Höhe von 7.000 Talern im Jahre 1865 wohl hervorzuheben ist. Das Bauland hatte Jakob Langels an der Bahnstraße zur Verfügung gestellt.

EINWEIHUNG DES ALTEN KRANKENHAUSES

Am 7. Oktober 1872 wurde der Neubau von EB Paul Melchers eingeweiht. Die Betreuung der Kranken übernahmen die Ordensschwestern vom Orden der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ aus dem Mutterhaus in Dernbach. Das Haus erfüllt ursprünglich eher die Aufgaben eines Armen- und Altenheims, da die Krankenpflege Ende des 19. Jh noch in den Wohnungen der Kranken stattfand. Wurden in den ersten Jahren nur 50 – 100 Personen betreut, so war das Hospital um die Jahrhundertwende schon chronisch überbelegt. Grund genug für den Kirchenvorstand, die Planung eines Erweiterungsbaus einzuleiten, mit dessen Bau am 16. April 1912 begonnen wurde. Er wurde am 17. März 1914 von Pfarrer Schaeben eingeweiht. Der Betrag von 297.000 RM war größtenteils durch Spenden, vor allem des Stahlwerks Becker zusammengekommen.

In beiden Weltkriegen diente das Katharinen-Hospital als Lazarett, so wurden 1918 neben 686 Zivilkranken auch 556 Soldaten behandelt. Nach dem 2. Weltkrieg beschlagnahmten die US-Truppen das Krankenhaus. In den nächsten Jahrzehnten wurden hohe Investitionen für dringende Erneuerungen notwendig. So wurde ein Aufzug gebaut (1953), eine Röntgenanlage gekauft (1954), später auch eine Lichtrufanlage und neue Stationsküchen gebaut.

Trotzdem wurden die Bedingungen für eine geregelte Pflege immer schlechter. Die Wende brachte eine Gesamtplanung des Kreises Kempen-Krefeld im Jahre 1959, in der Willich als Standort eines Schwerpunktkrankenhauses vorgesehen war. Auf Betreiben von Pfarrer Siepen beschloss der Kirchenvorstand dann auch einen Neubau im Garten der ehemaligen Ökonomie.