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Inklusion zielt darauf ab, allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gemeinschaft und damit auch ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. „Dabei geht es nicht nur um das soziale Wohlergehen, sondern um Menschenwürde“, so Claudia Poetsch von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Betroffen sind mehr oder weniger, früher oder später alle. Spätestens aber im fortgeschrittenen Seniorenalter ist jeder betroffen. Dass dies keine Vision oder Wunschkonzert ist, macht das “Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen” (Convention on the Rights of Persons with Disabilities – CRPD) deutlich. Willich befindet sich auf diesem Gebiet vergleichsweise immer noch in einer Art Dornröschenschlaf. „Und das ist keine subjektive Meinung, das bestätigen mir auch Betroffene und Verbände, die Menschen mit Beeinträchtigungen vertreten“, so Claudia Poetsch. „Schaut man in die Niederlande muss man sich hierzulande für die Rückständigkeit schon fast schämen. Auch Nachbarkommunen sind in Sachen Inklusion schon weiter,“ so Poetsch.

Reflexhaft wird bei Beeinträchtigung oder Behinderung immer zuerst an Menschen mit Einschränkungen des Bewegungsapparates gedacht, also Menschen die zum Beispiel auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Beeinträchtigungen durch seelische, geistige oder auch Sinnesbeeinträchtigungen stehen weit weniger im Fokus und werden häufig nicht mit betrachtet. „Sich jedoch aktiv in der Öffentlichkeit gegen Hilfsmaßnahmen für blinde und stark sehbehinderte Menschen auszusprechen ist allerdings erschreckend. Die Steine rund um das Wasserspiel auf dem Markt in Willich müssen sowieso aufgenommen und neu verlegt werden, da sie vom Wasser unterspült worden sind. Hier eine Reihe Steine mit Noppen zur Warnung „hier ist etwas Besonderes“ für Blinde mit einzufügen verursachen für sich genommen keine großen Mehrkosten,“ so Poetsch.

Es gibt auch die preiswertere Alternative die Noppen auf die vorhandenen Steine aufzukleben. Das hat auch die Sachverständige des Blinden- und Sehbehindertenverbandes ausgeführt, die eine Warnumrandung um das Wasserspiel für geboten hält. „Meine Nachfrage bei einer Augenarztpraxis und einem Opitk-Meisterbetrieb in Willich ergab, dass es einige blinde und stark sehbehinderte Menschen in Willich gibt, mit zunehmender Tendenz. Makula-Degenerationserkrankungen sind auf dem Vormarsch. Waren hiervon in den vergangenen Jahren noch überwiegend ältere Menschen betroffen, erkranken zunehmend jüngere, die noch im Erwerbsleben stehen an dieser Stoffwechselerkrankung“, so Poetsch. Diese Menschen können auch keine Kompensation mehr mit einem „geschärften“ Gehör erlangen. Im Gegenteil nimmt auch die Hörfähigkeit im Alter ab und wenn der Marktplatz im Sommer gut besucht ist, sind die umliegenden Geräusche zum Beispiel durch die Außengastronomie so laut, dass sie das Wassergeplätscher überlagern.

Die gewünschte Maßnahme, einen Warnstreifen rund um das Wasserspiel auf dem Willicher Marktplatz anzulegen, ist daher weder überzogen teuer noch überflüssig, sondern eine Investition in die Zukunft für zunehmend seheingeschränkte Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Ich würde mir wünschen, dass gerade politische Vertreter mehr Demut gegenüber Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten und anderen Lebensentwürfen zeigen würden und bei politischen Entscheidungen nicht immer nur von sich selber ausgehen. Gesund und ohne Einschränkung durchs Leben gehen zu dürfen ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das einem jederzeit genommen werden kann!“ so Poetsch.