Die Wasserachse mit Bürogebäude im ehemaligen Stahlwerk Becker. Foto: Wolfgang Traxl / Archiv Willich erleben

Leerstände in Gewerbegebieten sind ärgerlich. Nicht nur, weil sie wie „totes Kapital“ wirken, keine Einnahmen generieren. Sondern auch, weil sie Entwicklung verhindern. Vor allem, wenn man nicht weiß, wo was leer steht – und wer eben genau diese Raum gerade brauchen könnte. Bei der Stadt Willich kümmert sich Oliver Zentgraf von der Willicher Wirtschaftsförderung um dieses Thema. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Zentgraf, wie wichtig ist für Sie in der Wirtschaftsförderung das Thema Leerstände?
Zentgraf: Ein Topthema für uns. Ohne Frage gehört es zu einer der wichtigsten Aufgaben – und zwar die kontinuierliche Beobachtung der Situation der Leerstände innerhalb aller Gewerbegebiete der Stadt.

Warum?
Zentgraf: Eigentlich ganz simpel: Leerstehende Bestandsimmobilien sind für uns quasi wichtige Manövriermasse. Zum einen wollen wir Makler und Eigentümer leerstehender Einheiten unterstützen – und zum andern Kontakte zu potentiellen Neuansiedlungsunternehmen, aber auch zu unseren Willicher Unternehmern herstellen: Wir müssen den Markt beobachten, im Blick haben und halten.

Sie sammeln also Daten, um im Blick zu haben, was verfügbar ist?
Zentgraf: Genau. Aus den Kontakten zu „unseren“ Firmen wissen wir zum Beispiel ziemlich genau, wo was benötigt wird. Wer will expandieren? Was, welche Fläche braucht er genau? Wie muss sie beschaffen sein, welche Anforderungen erfüllen? Können wir ihm schnell etwas Passendes anbieten? Da ist es natürlich hilfreich, auf einen aktuellen Datenbestand zugreifen zu können.

Und über den verfügt die Wirtschaftsförderung?
Zentgraf: Inzwischen schon. Da haben wir – teilweise recht mühsame – Aufbauarbeit geleistet und eine Datenbank aufgebaut. Die umfasst alle leerstehenden Gewerbeimmobilien auf der einen, Interessentenanfragen auf der anderen Seite, was vieles leichter und schneller macht. Wir haben einen sehr detaillierten Kenntnisstand über die Immobilien-Bestandsstruktur – und zwar nicht nur über die Fläche, sondern auch über weitere Fakten: Büro oder Halle? Miet- oder Kaufobjekt? Und mit diesen Daten können wir dann Ansiedlungsanfragen von außerhalb, aber auch Erweiterungsanfragen aus dem Areal mit dem Bestand abgleichen, schnell bearbeiten – und so werden leerstehende Gewerbeimmobilien ohne langen Leerstand vermittelt.

Zeitigt das Erfolg?  Gibt es konkrete Zahlen?
Zentgraf (lächelt): Dachte schon, Sie würden gar nicht danach fragen. Aber gerne: Wir haben unsere Leerstandsquote auch in diesem Jahr weiter senken können. Zum 30. Juni dieses Jahres lag die Leerstandquote aller Gewerbegebiete der Stadt Willich bei 2,6 Prozent – und konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt um 0,5 Prozent gesenkt werden.

Wie teilen sich die Leerstände auf?
Zentgraf (blickt in die Statistik): Stand heute gibt es in allen vier besiedelten Abschnitten in Münchheide derzeit acht Leerstände, im Stahlwerk Becker zwei. Am Nordkanal in Schiefbahn eins, keine in Anrath und Neersen. Also über alles elf Objekte mit insgesamt genau 6325 Quadratmetern – was nach unserer Einschätzung angesichts der Größe unserer Gewerbeareale in allen vier Stadtteilen eine recht überschaubare Anzahl ist.