Foto: RSB Blitz Schiefbahn

In Zeiten von geschlossenen Sporthallen müssen die Radballer und Kunstradfahrer vom RSC „Blitz“ Schiefbahn improvisieren, um ihre Saisonvorbereitung umzusetzen. Die zwei Spitzenteams des „Blitz“ berichten, wie sie das in Zeiten von Corona realisieren.

So langsam juckt esihnen in den Fingern – oder vielmehr in Armen und Beinen. Die Radballer und Kunstradfahrer vom RSC „Blitz“ Schiefbahn vermissen ihren Sport. Seit fast zwei Monaten ist der reguläre Trainingsbetrieb eingestellt. Corona. Damit sind die „Blitzer“ natürlich nicht allein. Doch im Gegensatz zu manch anderer Sportart fehlen den Hallenradsportlern in der aktuellen Situation die alternative Trainingsmöglichkeit. Im Freien auf dem speziell für die Sportart ausgerichteten Rad zu trainieren ist eher problematisch.

„In den Reifen sind zwölf bis 14 bar Druck. Damit können wir nicht auf der Straße und auch nicht auf Tartan trainieren. Zumal das Verletzungsrisiko viel zu groß wäre“, erklärt Laura Hanns. Mit Julia Wolf formt sie ein Team im Zweier-Kunstradfahren der Frauen beim „Blitz“ Schiefbahn. Vergangenes Jahr trat das Team auf der Deutschen Meisterschaft an. Um sich auch in der Corona-Zeit für die kommende Saison im zweiten Halbjahr vorzubereiten sind die beiden Sportlerinnen kreativ geworden. Trockenübungen ist das Schlagwort.

Julia Wolf kann ihr Kunstrad einspannen (ähnlich zu einem Rollentrainer beim Rennrad) und so verschiedene Übungen der Kür in der eigenen Wohnung trainieren. Laura Hanns nutzt eine selbstgebaute Konstruktion: Sattel und Lenker sind dabei stabil an einen Unterbau montiert). Auch so können einige Übungen – etwa der Handstand auf Sattel und Lenker – weiter eingeübt werden. Bei Trainings zu zweit üben die beiden Kunstradfahrerinnen zudem ohne Rad Teile ihrer Kür, zum Beispiel den Schulterstand. Hanns steht dabei auf Wolfs Schultern, während Wolf vorwärts und rückwärts geht, abrupt die Richtung wechselt. „Da wurden wir öfter von Passanten bei bestaunt“, sagt Hanns lachend.

Neben den Trockenübungen wird der Trainingsalltag durch Mental-, Kraft- und Konditionstraining ergänzt. Letztere beiden machen derweil den Hauptteil des Trainings für die Radball-Bundesligisten Sven Holland-Moritz und Marius Hermanns aus. „Wenn das so weiter geht, kommen wir fitter aus der Pause als wir reingegangen sind“, sagt Holland-Moritz amüsiert. Doch das allein reicht nicht, weiß er. „Wir überlegen, wie wir wieder zumindest ein bisschen zusammen trainieren können, ein paar Pässe spielen.“ Auf Rasenflächen wäre das möglich – mit deutlich höherem Materialverschleiß und ungewohntem Gefühl auf dem Rad. Oder auf einer ausgelegten Holzfläche überlegt Holland-Moritz. „Aber das wird teuer.“ Das einmalige Training auf der Straße hat Hermanns bereits mit einem kaputten Reifen bezahlt. „Auf Dauer nicht umsetzbar“, schlussfolgert er enttäuscht. Und dann ist da noch das hohe Verletzungsrisiko auf Asphalt.

„Aber im Grunde kommen wir alle, glaube ich, ganz gut mit der Situation klar“, sagt Sven Holland-Moritz, der um die Wichtigkeit der getroffenen Maßnahmen weiß. „Wir bereiten uns auf den Tag X vor, wenn der Betrieb wieder aufgenommen wird“, sagt er und fügt hoffnungsvoll an: „Vielleicht können wir ja bald zumindest wieder zu zweit in die Sporthalle.“

Wann die Saison im Hallenradsport wieder aufgenommen wird, ist aktuell noch unklar. Dazu müssen erst entsprechende Lockerungen einsetzen. Doch vor dem ersten Spieltag, dem ersten wichtigen Turnier benötigen die Sportler wieder eine Eingewöhnungsphase, da sind sich die vier „Blitzer“ einig. Drei bis vier Wochen sollten es schon sein. „Das ist dann die Zeit für Freundschaftsturniere“, sagt Hermanns. So könnten sich die Sportler wieder an ihre Räder, an das gemeinsame Zusammenspiel auf der Fläche sowie das blinde Vertrauen auf den Partner bei einer komplexen fünf-minütigen Kür herantasten.

Doch bis dahin bleiben die Sportler bei ihrem alternativen und improvisierten Trainingsalltag. Und wenn die Sehnsucht nach dem Kunstrad doch zu groß wird, rück Julia Wolf alle Möbel zur Seite und dreht ein paar kleine Runden in der heimischen Küche. Ein angenehm vertrautes Gefühl.