Hannen – die größte Altbier-Brauerei Deutschlands (Teil 1)

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So wurde im Jahr 1925 das Bier in Willich ausgeliefert.

DIE GESCHICHTE DER HANNEN-BRAUEREI TEIL I.

Das Bierbrauen hat im hohen Maße zum Wohlstand der dörflichen Bevölkerung unserer Altgemeinden beigetragen. Dies gilt vor allem für Alt-Willich. Das Brauwesen hat hier eine jahrhundertalte Tradition.

So hat es in der kleinen Dorfsiedlung um die Willicher Kirche herum wahrscheinlich bereits vor 600 Jahren Schankwirtschaften mit Brau-Betrieben gegeben. Das älteste schriftliche Zeugnis zum Willicher Brauwesen ist eine Urkunde aus dem Jahre 1315, in der die Grafen von Kleve das Willicher „Grut- und Braurecht“ an das Kloster Meer vergeben. Jeder Brauer musste die zum Bierbrauen erforderliche Grut bei dem jeweiligen Grutmeister in Willich kaufen. Als die Grut seit dem 13. Jahrhundert als Bierwürze vom Hopfen verdrängt wurde, verlor auch das Grutrecht seinen Reiz.

Die Keimzellen der später so erfolgreichen Hannen-Brauerei bildeten drei Brauereien. Da wäre zum einen die Brauerei Hausmann, die bereits 1725 eine bestehende Brauerei betrieb. Nach der offiziellen Chronik der Hannen Brauerei übernahm die Familie Hausmann 1725 eine bereits bestehende Brauerei. Der Ort, wo die Familie Hausmann ihren Brau-Betrieb aufnahm, ist nicht geklärt. Eine Möglichkeit ist der Torschen- oder Müllershof, der einst am heutigen Kreisverkehr stand.

Eine weitere Brauerei ist die Brauerei Schmitz, die erstmals 1656 als Kleinbauer urkundlich erwähnt werden. Johannes Schmitz betrieb am Willich Markt um 1739 einen Gasthof mit Brauhaus unter dem Namen „Schmitzhaus“ später erwarb er die angrenzende Gaststätte „Zum heiligen Andreas“, die im Volksmund „Beim Driese“ genannt wurde. Heute erinnern nur noch die von der Familie Schmitz errichteten Villen an der Bahn- und Kreuzstraße an den alten Brauerei-Betrieb.

Bliebe noch die Brauerei Dicker: Die Familie gehörte seit vielen Jahrhunderten zu den bekanntesten Familien in der Hardter Honschaft. Zu Beginn des 19. Jahrhundert siedelte ein Zweig der Familie von der Hardt ins Dorf und gründete eine Brauerei sowie eine Branntweinbrennerei. Die Brauerei lag im Kreuzungsbereich Grabenstraße / Peterstraße, dort, wo sich heute die Brauereipassage befindet. Das alte Sudhaus existiert heute noch und dient nach erfolgter Sanierung und Umbau als Bürogebäude.

„VEREINIGTE WILLICHER BRAUEREIEN GMBH“

Die Notzeiten des ersten Weltkrieges und die damit verbundenen Rationie- rung der notwendigen Rohstoffe führte bei den Brauerfamilien Dicker, Hausmann und Schmitz zu der Erkenntnis, dass man nur gemeinsam die Krise meistern konnte.

So schlossen sich 1917 die „Hausmann-Brauerei“, die „Exportbrauerei J.Schmitz“ und die „Germania-Brauerei Dicker Söhne“ zusammen. Das neue Unternehmen nannte sich „Vereinigte Willicher Brauereien GmbH“. Die Braustätten von Schmitz und Dicker wurden stillgelegt und es wurde nur noch bei Hausmann gebraut.

Ganze drei Jahre später fusionierte diese neue Willicher Großbrauerei mit der Korschenbroicher Hannen-Brauerei. Das Unternehmen trug fortan den recht komplizierten Namen „Vereinigte Willicher Brauereien und Hannen Korschenbroich GmbH“. Erst 1956 wurde dieser Zungenbrecher zugunsten des weitaus griffigeren Namens „Hannen-Brauerei“ aufgegeben.

JAHRE DER EXPANSION

In den folgenden Jahren entwickelte sich Hannen-Alt zu einer der führenden Biermarken im Rheinland. Im Jahr nach dem Zusammenschluss entwarf Heinrich Dicker jenes eindrucksvolle Symbol, das noch heute Markenzeichen für Biere aus der Hannen-Brauerei ist. Die geschlossene Faust im Dreieck. Auch die gelb-blaue Hausfarbe wurde 1921 festgelegt.

In den 1920er Jahren zeichneten sich neue Ansprüche der Bier-Konsumenten ab. Vielfalt war gefragt. Entsprechend konzentrierte sich Hannen auf die eigene, die niederrheinische Brautradition. Bewusst wurde das obergärige Altbier den allgemein verbreiteten untergärigen Sorten, zum Beispiel Pils, entgegengesetzt. Mit den Jahren entwickelte sich aus diesem Ansatz der bekannte Werbespruch „Hannen – Das andere Bier“.

Auch der Vertrieb wurde von der Geschäftsführung revolutioniert. Es reichte nicht mehr aus Hannen in der Region zu verkaufen – daher wurde das Altbier aus Willich deutschlandweit vermarktet. Dazu trug auch die neu entwickelte Flaschenabfüllung bei, die 1928 eingeführt wurde.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete für die Hannen-Brauerei keine grundlegende Zäsur. Die Expansion der 20 und 30er Jahre wurde nach Kriegsende konsequent fortgeführt. 1952/1953 wurde ein neues, modernes Sudhaus errichtet und Hannen wurde schließlich zur „größten Altbier-Brauerei Deutschlands“.

Teil 2 folgt in der Ausgabe 6-2018
Quelle: Udo Holzenthal, Stadtarchivar