Hilfen für die Integration: das “Dorfmanagement“

Dorfmanagement Flüchtlingedorf Willich
Die Willicher Bürger Karl-Heinz Penners, Ulrich Blesin und Rainer Hallmann haben sich mit ihren Firmen zur „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Dorfmanagement“ zusammengeschlossen

Bei uns wohnen Menschen aus 26 Nationen. Wir sorgen dafür, dass das Zusammenleben funktioniert und sind Ansprechpartner für alle möglichen Fragen“ – die Willicher Bürger Karl-Heinz Penners, Ulrich Blesin und Rainer Hallmann haben sich mit ihren Firmen zur „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Dorfmanagement“ zusammengeschlossen haben. Ihr Arbeitsbereich: die temporäre Unterkunft an der Moltkestraße für Menschen, die in Deutschland Zuflucht gesucht haben und der Stadt Willich zugewiesen wurden.

Die ARGE begleitet, in Zusammenarbeit mit der Stadt und den Ehrenamtlern, die sich in Willich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, die Menschen, die in Deutschland eine Bleibeperspektive haben, bei den ersten Schritten zur Integration. Betreut werden aber auch diejenigen, die keine Bleibeperspektive haben, um ihnen dennoch den Aufenthalt hier so menschlich verträglich wie möglich zu machen. Dabei arbeitet sie mit Mitarbeitern der Stadt Willich wie Ehrenamtskoordinatorin Regine Hofmeister, Sozialarbeiter Lukas Klehr und den ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Bürgern zusammen.

Die Bewohner-Struktur ist verschieden: Der größte Teil der Bewohner des „Flüchtlingsdorfes“ sind alleinstehende Männer, dazu wohnen Familien mit Kindern in den Behelfs-Unterkünften, die in einer speziellen Container-Bauweise errichtet wurden. Wichtig ist Organisationstalent – und zum Teil auch Improvisationstalent. Die drei organisieren mit den anderen Beteiligten Arzt- oder Behördenbesuche genauso gut wie sie gemeinsam versuchen, Praktika für die Bewohner zu finden, etwa bei DHL. Dazu schaffen sie Verbindungen zum „Integration Point“ bei der Arbeitsagentur in Viersen. Einige Praktika machen die Bewohner kostenlos, bei anderen wird ein Entgelt gezahlt, wichtig ist aber: „Wir wollen für die Menschen Untätigkeit vermeiden. Es ist schlimm, nicht gefördert und gefordert zu werden“, meint Karl-Heinz Penners. Wichtiger Leitsatz sei es, alles zu tun, um den Menschen den Aufenthalt in den Containern auf dem kahlen Gelände zu erleichtern, „aber immer mit Blick darauf, was auch deutsche Bürger erhalten. Es darf sich nicht der Eindruck verfestigen, sie erhielten mehr als andere hilfsbedürftige Bürger“, so Penners. Die Kinder, die im „Flüchtlingsdorf“ leben, gehen je nach Alter in die Schule oder in den Kindergarten. Dazu kommt drei Mal wöchentlich eine Montessori-Pädagogin, die mit den Kindern spielt, „für sie haben wir einen eigenen Raum eingerichtet. Das kommt gut an.“ Dieses Angebot dient im Besondern der Integration, da über Kinder ein besonderer Zugang zu den Familien besteht.

Die Stimmung bei den Bewohnern sei schwierig, „die Flüchtlinge leiden unter ihrer Situation, abgekoppelt von Heimat und Familie. Deutschland ist für sie manchmal kalt, weil sie nicht die Geborgenheit in der Großfamilie haben“. Wenn sie einen Bewohner besser kennen, merkten sie schnell, wenn dieser eine depressive Phase durchlebe.

Die Handys als Verbindung in die Heimat seien einerseits ein Vorteil, aber auch manchmal nachteilig. Die Bewohner können den Kontakt zu den in den Heimatländern verbliebenen Angehörigen erhalten, erfahren aber auch, was dort Negatives vorgeht oder unter welchen Sorgen die dort verbliebenen Eltern, Kinder oder Angehörige leiden. Das belaste sie zusätzlich. Untereinander seien die Menschen eher distanziert. Vielfach blieben sie in den Nationalitäten-Strukturen, auch bedingt durch die Sprachunterschiede. Die „Dorfmanager“ achteten bei der Verteilung auf die Bereiche auf Nationalitäten, um Konflikte von vornherein zu umgehen.

Zur Arbeit im Dorfmanagement gehört aber auch etwas, was man sich als Außenstehender schwer vorstellen kann: Die drei erleben auch mit, wenn Bewohner abgeholt und abgeschoben werden. Das „tut weh beim Zugucken, wenn bei Nacht und Nebel die Polizei kommt“, beschreibt Penners die emotionale Belastung durch solche Ereignisse. Denn es gebe ja unterschiedliche Beurteilungen der Situation in den Heimatländern. Andererseits seien etwa Familien aus Albanien oder Mazedonien betroffen, die lange in Deutschland sind und für deren deutschsprachige Kinder die „Heimat“ eher das Fremde sei, auch wenn diese Länder als „sichere Herkunftsländer“ eingestuft würden. Dann seien vielleicht Sinti und Roma betroffen, die dort verfolgt werden, „man muss sehr genau hingucken, es gibt kein schwarz / weiß, aber viele Grautöne“, so Penners.

Das Team der Dorfmanager war eine Idee von Willichs Kämmerer Willy Kerbusch. Grundsätzlich haben größere Flüchtlingsunterkünfte immer einen Träger – caritative Organisationen oder Privatunternehmen wie European Home Care. Für die Moltkestraße hatte Kerbusch Penners, Blesin und Hallmann angesprochen – jeder bringe aus seiner Biographie Kenntnisse mit, die hilfreich sind: Penners ist in der Haus- und Immobilienverwaltung selbstständig, Blesin als ehemaliger Bundeswehr-Offizier hatte Erfahrung in der Organisation des Zusammenlebens vieler Menschen und Hallmann in der Organisation von Sicherheitsaspekten. „Wir haben uns kennengelernt und dann während der Bauphase das ARGE-Konzept erarbeitet“, so Penners. Seine persönliche Erfahrung aus den letzten Monaten: „Die Arbeit und der Umgang mit den Menschen ist bereichernd. Man lernt nie aus.“