Erziehung-Beratungsstelle-Stadt-Willich
Symbolbild

Das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung feiert einen runden Geburtstag. Es wird 20 Jahre alt. Am 6. Juli 2000 beschloss der Bundestag das „Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“. Es führte dazu, dass es seit November 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

„Das Recht auf gewaltfreie Erziehung ist ein Meilenstein für Kinder und Jugendliche“, sagt Mario Sagner, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Willich. „Es ist ein klares Signal für Eltern und andere Aufsichtspersonen, dass Gewalt kein Mittel der Erziehung sein darf und dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden müssen.“

Aus Sicht des Kinderschutzbundes hat sich durch das Recht auf gewaltfreie Erziehung gesellschaftlich viel verbessert. „Die Haltung der Eltern hat sich im Laufe der Zeit deutlich verändert“, so Krista Körbes, Landesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes in NRW. Das Ideal der meisten Mütter und Väter sei eine gewaltfreie Erziehung und ein respektvoller Umgang mit ihren Kindern. „Wenn es in der Familie doch zu Gewalt kommt, ist das oft ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Überforderung“, so Körbes weiter.

Trotz dieser positiven Entwicklung erleben immer noch zu viele Jungen und Mädchen Gewalt – sei es körperliche, sexualisierte oder seelische Gewalt. Aktuell besonders im Blick der Öffentlichkeit ist die sexualisierte Gewalt. Die Taten werden häufig fotografiert, gefilmt und über das Internet verbreitet. Durch mehr Personal bei der Polizei und verstärkte Ermittlungen kommen derzeit zahlreiche Fälle aus diesem Bereich ans Licht der Öffentlichkeit. Gewalt sei ein viel umfassenderes Problem. „In der Praxis müssen wir auch nach 20 Jahren Gesetz sagen: Das Thema brennt weiterhin für Kinder, Eltern und alle Fachkräfte.“

Ob Beratungsmöglichkeiten, Frühe Hilfen oder Elternkurse: Der Kinderschutzbund in Willich und andere Einrichtungen und Institutionen bieten vielfältige Unterstützung an, damit Kinder ohne Gewalterfahrungen aufwachsen können.

Auch in der Coronakrise lassen wir die Kinder und Jugendlichen, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, nicht allein. Dazu gehören Jungen und Mädchen, die zu Hause nicht angemessen versorgt werden können, möglicherweise von Gewalt bedroht sind oder bei denen der regelmäßige Besuch von Einrichtungen Bestandteil eines Schutzplan ist. Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte sollten sich Unterstützung suchen, wenn sie Sorge um das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen haben. Für diese Fälle hat der Kinderschutzbund Willich ein Sorgentelefon eingerichtet. Norbert Maas ist in dringenden Fällen auch außerhalb der Servicezeit erreichbar und berät Familien, die in den momentan schwierigen Zeiten Hilfe benötigen.

„Dies alles ist zwar keine Garantie für den Verzicht auf Gewalt in der Erziehung, bildet jedoch einen guten Boden“, bilanziert der Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Willich Mario Sagner. Gleichzeitig bleibe viel zu tun, um den Kinderschutz zu verbessern. Ein wichtiger Punkt sei die Ausbildung, etwa von Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit, Lehrkräften, Ärztinnen und Ärzten und Polizeibeamten. Mario Sagner betonte: „Jeder, der beruflich Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hat, muss sich im Kinderschutz auskennen, mögliche Gewalt erkennen und wissen, was zu tun ist.“