Kindgerechte Kita „Lok“ wird am Freitag offiziell eingeweiht

Kiga Lok 1 2017 Anrath

Hier äußert sich der Experte, ein etwa vierjähriger Stepke: „Toll hier“. Spricht‘s, zieht sich die Hose über die nicht vorhandene Hüfte und tobt dem Kumpel hinter her: Die Kleinen rudeln schon sichtlich gutgelaunt durch die Räume, haben sichtlich Spaß an Platz, Einrichtung, Spielmöglichkeiten, viel Licht und gemütlichen Rückzugsecken – und dabei ist ihnen aber sowas von völlig egal, dass das Haus erst am kommenden Freitag offiziell eingeweiht wird: Der Der Neubau der Kindertagesstätte Lok an der Anrather Lorenz-Schmitz-Straße wird am Freitag eingeweiht. Und ein Rundgang durch das neue „Zuhause“ der Kinder macht schnell klar, dass hier mit viel Liebe zum Kreativen, aber auch mit Blick auf die Kinder und ihre Bedürfnisse geplant und gebaut worden ist. Woran dann auch Einrichtungsleiterin Marion Stapelmann keinen Zweifel aufkommen lässt: „Viele unserer Wünsche sind ernst genommen, beachtet und auch umgesetzt worden.“

Kiga Lok Anrath 1 2017Was der Architekt des Ganzen, Joachim Stukenberg, Leiter des Geschäftsbereiches Objekt- und Wohnungsbau der Stadt, natürlich – wenn auch bescheiden errötend – gerne hört. Zumal die Rahmenbedingungen nun wirklich keine einfachen waren: Der neue dreigruppige Kindergarten, so die Auftragslage, sollte als Ersatz für die bestehende zweigruppige Einrichtung am bewährten Standort auf dem gleichen Grundstück geplant werden. Zweitens gab es die Forderung, den alten Kindergarten bis zum Bezug des Neuen weiter in Betrieb zu halten – also plante Stukenberg den neuen Bau quasi in den Garten des alten: „Das war schon eine Herausforderung, das Raumprogramm in die zur Verfügung stehende Fläche unterzubringen: Seitlich waren zur Nachbarbebauung Abstandsflächen einzuhalten, und Neersener Straße und Lorenz-Schmitz-Straße bildeten ja eh die natürlichen Grenzen.“

Stukenberg griff ein wenig in die planerische Trickkiste und nutzte die Fläche derart, dass der Neubau bis auf einen knappen Meter an den Altbau heranreichte – und der Betrieb des Altbaus während der Baumaßnahme weiter möglich war. Weitere massive Einschränkung: Die Vögel. Von gegenüber. Kein Scherz: Unmittelbar an der Baustelle ist in einem alten Baum eine schützenswerte (wie im Übrigen häufig heftig lärmende) Krähenkolonie beheimatet. Die Baustelle durfte also nicht mit per großem Kran versorgt werden, dessen auslandender Arm in den Bewegungsbereich der Krähen geragt hätte: Die Baustelle wurde komplett mit kleineren Hebegeräten und Fahrzeugen bedient. Außerdem führt der Schulweg von der Bushaltestelle zur Albert-Schweitzer-Schule direkt an der Baustelle vorbei…

Fazit: Eng, ein höchstfrequentierter Schulweg quasi mitten durch die Baustelle, kein Kran, wirklich direkt anschließend nebenan ein laufender Kindergartenbetrieb – perfekte Voraussetzungen sehen anders aus. Oder um den Architekten Stukenberg zu zitieren: „Aufgrund des flächenfüllenden Bauvolumens auf dem zur Verfügung stehenden Grundstück war der Bauablauf hinsichtlich Anlieferung und Lagerung während der ganzen Baumaßnahme sehr schwierig.“

Gebaut wurde trotzdem. Und zwar konkret drei Gruppenräume mit jeweils zwei Nebenräumen, drei Sanitärräume für die unterschiedlich alten Kinder, Mehrzweckraum, Personalraum, Besprechungsraum, Leitungsbüro, ein „Kinderwagenraum“ sowie eine großzügige Eingangshalle. Die Erdarbeiten zogen sich anfangs etwas in die Länge (man stieß auf Fundamente und Kellerbereiche eines ehemaligen Schulgebäudes), danach ging‘s zunächst zügig weiter. Der feuchte Sommer machte dann trotzdem einen Strich durch die Bauzeitplan-Rechnung: der „Sommer“ 2016 mit seinen starken Regenfällen erforderte heftige Austrocknungsmaßnahmen. Letztlich kam es zu einer vierwöchigen Überschreitung des ursprünglichen Plans (Berlin ist weit).

Infos zur Konstruktion: Ein eingeschossiges Gebäude, über einer Bodenplatte und Frostschutzstürze, Mauerwerk aus Kalksandstein und Decke aus Stahlbeton mit Flachdachabdichtung und Dachbegrünung. Die Bereiche über den Gruppenräumen mit hübschen Emporen wurden als Pultdach in Holzkonstruktion mit Dacheindeckung ausgeführt. Die Technischen Daten im Überblick:

Ein paar technische Daten im Überblick: Baubeginn September 2015, Ende November 2016, 721 Quadratmeter Nutzfläche, 3.604 Kubikmeter umbauter Raum, Baukosten mit Außenanlagen rund 1,75 Millionen Euro brutto  – und „die Abrechungssumme“, ist Stukenberg so stolz wie optimistisch, „wird unterm Strich rund 150.000 Euro unter der Kostenkalkulation liegen.“

Was natürlich nicht nur den Kämmerer freut. Aber den durch die hellen, schönen und großzügigen Räume tobenden Kindern  ziemlich wumpe sein dürfte: Sie freuen sich eher an den Emporen, Spielflächen und Kuschelecken, an Tobemöglichkeiten,  angepassten Mini-Toiletten, tiefergelegten „Küchenflächen“, selbsterklimmbaren Wickeltischen, Kletterbereichen, dem Raumwechseltunnel oder…

Derzeit laufen noch die Arbeiten im Außenbereich. Der wird bestimmt auch schön, und man kann sich ziemlich sicher sein, dass viele Besucher der offiziellen Einweihung am Freitag dem eingangs erwähnten Stepke nur werden beipflichten können: „Toll hier.“

Planung: Dipl.-Ing. Joachim Stukenberg
CAD-Zeichnung: Vera Reyntjes
Bauleitung: Wilhelm Erns (alle Objekt- und Wohnungsbau)
Planung Aussenanlagen: Sybille Jebavy-Kara Bauleitung
Aussenanlagen: Stefan Weyerhorst (Fachbereich Natur und Lebensraum)
Fachplanung HSL: Ludwig aus Willich
Elektro: Ingenieurbüro Dümpel aus Mülheim Bau
Wickeltische: Gemeinschaftsbetriebe Willich
Rohbau: Firma Heisters aus Willich-Anrath Firma Odenthal aus Willich-Schiefbahn
Wärmedämmverbundsystem: Mersmann aus Willich-Anrath
Anstricharbeiten: Krebs aus Willich
Metallfirma: Thyssen aus Wegberg
Holzbau: Spindler aus Willich-Schiefbahn
Fliesenarbeiten: Manns aus Willich-Anrath
Vordach: Hoffmann aus Willich
Elektroinstallation: Schröder aus Heinsberg
Sanitär, Lüftung: Hermens aus Korschenbroich
Zusätzliche Installation: Gobbers aus Krefeld