VOR 135 JAHREN: DIE GRÜNDUNG DES ASV

Der heutige „Allgemeine Schützenverein 1886 Willich e.V.“ hat eigentlich drei Wurzeln: Das Schützenwesen in Alt-Willich und die Volksfeste der damaligen drei Willicher Schützengesellschaften verloren Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung. Schützenfeste wurden nur gefeiert, wenn es die Kassenverhältnisse zu ließen. Mangelndes Interesse spiegelte sich in immer mehr abnehmenden Besucherzahlen wider. 1885 zog dann die BürgerJunggesellen-Bruderschaft (auch Höfer-Junggesellen genannt) anlässlich eines Sommerfestes mit nur 19 Personen durch den Ort. Carl Grootens (Vorstand der JunggesellenBruderschaft) hatte daraufhin im Sommer 1886 zu einem Treffen der Vorstände der St. Sebastianus-Bruderschaft, der ÖkonomenSchützengesellschaft und der Bürger-Junggesellenbruderschaft eingeladen. Die Kommission, heute würde sie „Arbeitskreis“ genannt, bestand aus Andreas Metzer, Theodor Leßmann, Jakob Schreiners (Sebastianus-Schützen), Josef Bützen, Gustav Klören und Robert Weyers (Ökonomen-Schützen), Carl Grootens, Josef Leuw und Johann Wimmers (Bürger-Junggesellen).

EINIGUNG AUF EIN ALLGEMEINES SCHÜTZENFEST

Die Kommission einigt sich, ein „Allgemeines Schützenfest“ zu veranstalten. Man überwand anfängliche Befürchtungen, dass durch die Abhaltung eines gemeinsamen Schützenfestes die Existenz der einzelnen Bruderschaften bedroht werde, und legte die Bedingungen der Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Satzung fest. Jede wollte die Eigenständigkeit der drei Korporationen erhalten, aber schließlich bleibt bis heute nur die St. Sebastianus-Bruderschaft selbstständig.

ZEHNKÖPFIGES KOMITEE ERLEDIGT DIE VORBEREITUNGEN

Am Sonntag, 22. August 1886, beginnt das erste gemeinsame Schützenfest mit einem Gottesdienst in der noch bestehenden alten katholischen Pfarrkirche. Anschließend zieht ein kleiner Festzug zum Platz an der Hover Kull. Dort findet der erste Vogelschuss des neuen „ASV Willich“ statt. Josef Vogt ist der erste Schützenkönig des ASV. Anschließend wird gefeiert und der ASV Vorstand gewählt. Präsident ist Josef Bützen, Platzmajor Johann Zellers. War zuvor das fehlende Geld ausschlaggebend für den Zusammenschluss, zeigt sich nach der Abrechnung die Weitsicht der Gründer: Stolze 127 Mark blieben als Gewinn in der Kasse. Ebenso wurde festgelegt, dass ab sofort immer am 2. Sonntag im Juli der Vogelschuss mit anschließendem Schützen- und Volksfest stattfinden solle. 1887 wird Christian Ellemann König. Neuer Präsident ist Max Zillessen und zum ersten Mal findet am Sonntag-Abend nach dem Vogelschuss ein Umzug mit Parade vor dem neuen König statt.

SCHÜTZENFESTE MUSSTEN AUSFALLEN

Die Devise vom vereinten Marschieren haben die Willicher Schützen seither mit Erfolg praktiziert. Man ist marschiert und hat seine Freude gehabt – 1888 erstmals mit Militärkapelle, 1890 mit einem Landsknechtszug der Brauburschen. Und mit fortschreitender Zeit stieg die Zahl der Teilnehmer: waren 1888 noch 17 Züge mit 250 Schützen angetreten, so marschierten 1914 bereits zehn Grenadier-, zwölf Jägerzüge und eine Ehrengarde die Grenadiere in weißen Hosen. Krieg, Inflation, Arbeitslosigkeit und die heutige Pandemie stoppen den Marsch der Schützen zwar für kurze Phasen 1915 bis 1921, 1923 bis 1926, 1931 bis 1932, 1940 bis 1950, 2020 und 2021 fanden/finden keine Schützenfeste statt, doch über die ganzen 135 Jahre blieb gesunde Schützentradition, blieben Heimatliebe und Vereinskameradschaft lebendig. Wie das Schützenfest nach der Corona-Pandemie stattfinden kann, das wird sich noch zeigen.