Foto: Gebhard Bücker

Keine Frage: Die Flutkatastrophe hat uns alle geschockt. Bilder, die man sonst nur aus fernen Ländern kennt, schildern die furchtbaren Schäden und das Leid der Opfer quasi aus der „erweiterten“ Nachbarschaft, in unserem Bundesland. Das hat mich – wie Sie sicher auch alle – tief bewegt, angefasst.

Als wenig hilfreich habe ich persönlich empfunden, dass die üblichen Verdächtigen, noch während nicht alle Opfer geborgen waren, schon nach Schuldigen suchten. Dass mancher mit geliehener Autorität auf dem Rücken der furchtbar be- und getroffenen Opfer aus politischem Kalkül heraus agierte und Verantwortliche auszumachen versuchte, um daraus für sich und sein Standing Profil zu schlagen, ist schäbig. Da war sofort von „schwersten Versäumnissen“ die Rede, es gab natürlich sofort Rücktrittsforderungen, von „vollkommenem Systemversagen“ wurde gesprochen. Damit das klar ist: Natürlich haben die Betroffenen auf Sicht jedes Recht, dass die Ursachen der Katastrophe analysiert, dass gemachte Fehler in Blick auf ihre Vermeidung in der Zukunft fest- und abgestellt werden. Die Zusammenhänge sind aber eben auch hier komplex: Klimawandel, Umweltschäden, Fehleinschätzungen, die übermäßige Versiegelung von natürlichem Grund, zerstörte Auenlandschaften – Aufklärung tut wahrlich Not. Und danach dann die konsequente Umsetzung von Erkenntnissen – und eben auch von Erfahrungen, die man vorher nie und jetzt so furchtbar machen musste.

Jetzt aber war nicht die Zeit des Zeigefingers zum Deuten auf vermeintlich Schuldige, sondern die Zeit der offenen und tatkräftigen Hand.

Aus Schock und Anteilnahme wurde auch in unserer Stadt Willich konkrete Hilfe: Einmal mehr bin ich beeindruckt, zu welchen kurzfristigen und effektiven Leistungen auch unsere Löschzüge, die den Betroffenen und ihren Kameraden vor Ort zur Hilfe kamen, in der Lage waren und sind. Auch an dieser Stelle noch einmal meinen aufrichtigen Dank und Respekt an die ganze Truppe.

Auch die konkrete Spenden- und Hilfsbereitschaft der Willicher Bevölkerung hat mich wirklich sehr gefreut: Schnell wurde über „Willich erleben“ ohne großen Aufwand und Umstand eine Sammlung initiiert und realisiert, und viele, viele Willicher Bürger haben konkret mitgezogen und geholfen. Das macht mich als Ersten Bürger wirklich dankbar und stolz. Chapeau!

„Hilfe“ ist dann auch das Stichwort mit dem Blick nach vorn: Betroffenheitsadressen und bisweilen gar selbstergriffene Beileids-Postings in den Netzwerken sind das eine; echte Hilfsbereitschaft sieht aber eben anders aus. Hoffen wir alle, dass die Hilfsbereitschaft auch in Willich groß bleibt.

Mein klarer Appell: Wer etwas geben kann, sollte dies tun. Helfen, geben wir. Wir, die wir das unglaubliche Glück gehabt haben, nicht oder vielleicht nur mit einem feuchten Keller betroffen gewesen zu sein, sollten denen, die alles verloren haben, beistehen.

Dann hätte diese furchtbare Flutkatastrophe mit all ihren unfassbaren Opfern am langen Ende vielleicht wenigstens diese eine positive Facette: Die Erkenntnis, dass in schweren Stunden die Bürgerschaft, die Gesellschaft zusammensteht, niemand allein oder zurückgelassen wird, dass man auf Hilfe hoffen darf. Wer weiß schon, wann man selbst einmal aus dem Nichts in diese Lage kommt.

Ich grüße Sie herzlich.

Ihr Christian Pakusch