Dr. Remy Rousselot in seinem Leprahospital Gandhiji Seva Niketan. Foto: Leprahilfe Schiefbahn

In diesen „außergewöhnlichen, schrecklichen und noch nie dagewesenen Zeiten“ berichtet Dr. Remy Rousselot über die aktuelle Situation in Bhubaneswar/Indien:

„Wir bezahlen gerade einen sehr hohen Preis für unseren übermütigen Umgang mit dem schrecklichen Coronavirus. Es ist so schade, dass viele Menschen dachten, dass die Krise überstanden sei – große religiöse Versammlungen sowie politische Veranstaltungen wurden erlaubt, bei denen weder Masken getragen noch Abstände gehalten wurden. Hier in Odisha waren wir bis Anfang April sehr glücklich über die Erfolge in unserem Staat: Es gab täglich nur 100 Neuinfektionen bei einer Bevölkerung von 45 Millionen Einwohnern – die Kurve war so gut wie flach. Dann kam die „Flutwelle“ – zuerst in Bombay und Neu Delhi, über welche in den Medien weltweit ausführlich berichtet wurde. Die Welle bewegte sich Richtung Süden nach Kerala und Bangalore mit den gleichen unaufhaltsamen und zerstörerischen Auswirkungen. Inzwischen sind alle Staaten Indiens betroffen. Aus den 100 Neuinfektionen am Tag in Odisha sind 12.500 geworden…“

Dr. Rousselot hatte sehr gezielte Vorbereitungen getroffen und Einkäufe getätigt, um während eines angekündigten Lockdowns von mindestens 15 Tagen genug Lebensmittel (2.500 kg Reis, 500 Liter Öl, 500 kg Dal, 400 kg Zucker, Tee, Milchpulver) und Kerzen sowie Medikamente und Verbandsmaterial für die 45 Patienten des Hospitals sowie für die Mitarbeiter zur Verfügung zu haben. Die Leprakolonien wurden ebenfalls mit Verbandsmaterial und Wundendesinfektionsmitteln versorgt

„Aber auch das Leprahospital Ghandiji Seva Niketan blieb von der neuen Coronawelle nicht verschont: Ein Mitarbeiter, seine Frau und die beiden Kinder (14 + 18 Jahre) infizierten sich mit dem Virus und erkrankten, ihnen wurde eine strenge Quarantäne auferlegt, sie dürfen ihre Wohnräume nicht verlassen, um die anderen Mitarbeiter sowie die 45 Leprapatienten, welche sich zur Zeit im Hospital aufhalten, nicht zu gefährden. In den nächsten Tagen wird sich herausstellen, ob das Virus sich weiter im Krankenhaus verbreiten konnte…..“