Neu- und Umbau des Feuerwehrgerätehauses in Anrath

Feuerwehr Anrath_1

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit für die Willicher Bürger erfolgt im Moment unter deutlich erschwerten Bedingungen – aber die erfreuliche Perspektive ist der Herbst 2016: Der Aus- und Umbau des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Löschzug Anrath ist in vollem Gang und im Zeitplan.
Der Hochbau für die neue, größere Wagenhalle für fünf Löschfahrzeuge und die Unterbringung der Rettungswache Anrath ist soweit fertig, zeigen Löschzugführer Stefan Koy und sein Vertreter Michael Knauf – aber beim Rundgang durch das Gebäude wird auch deutlich, dass für die Handwerker noch viel Arbeit und für die Löschkräfte noch viel Improvisationsbereitschaft erforderlich ist. Denn der Innenausbau für ein Haus mit diesen speziellen Anforderungen ist eine Mammut-Aufgabe: Unter den Decken verlaufen die IT- und Elektro-Leitungen in Bündeln, die zum Teil einen Durchmesser von fünf Zentimetern haben, im März wurden die Elektro- und Heizungsarbeiten erledigt. „Jetzt wird der Fußboden mit Estrich gemacht, die Wärmedämmung von außen wird aufgebracht und dann wird verputzt, die Fliesen werden verlegt und die Maler-Arbeiten erledigt. Im Herbst ist dann der vollständige Ein- und Umzug“, erklärt Koy.
Durch den Erweiterungsbau entsteht ein strukturiertes Gebäude, dass vor allem den Anrathern ein gutes Gefühl der Sicherheit bringen wird: Im Anbau-Bereich Richtung Schottelstraße sind fünf Plätze für die Fahrzeuge der Löschkräfte entstanden, die bisherigen Stellplätze im Altbau werden zu zwei Plätzen für Rettungswagen und einem Desinfektionsplatz für alle Rettungswagen umgebaut. Markant: Durch den Umbau hat sich die Ausfahrt-Richtung geändert: Jetzt fahren alle Fahrzeuge auf der Seite Fadheider Straße zum Einsatz, „das war ein Umdenken für uns, aber auch für die Nachbarn“, so Stefan Koy. Im hinteren Bereich sind ganz neu ein Schulungsraum, Küche und Aufenthaltsbereich sowie Umkleiden für Frauen und Männer entstanden – für die Löschkräfte. „Schnittmenge“ zum Arbeitsbereich der Rettungskräfte sind die Sanitärräume – daneben befindet sich der Büro- und Nutzungsbereich für die Sanitäter, die sieben Tage die Woche rund um die Uhr im Gebäude sind. .

Improvisation während des Umbaus
Bis das ganze fertig ist, leben die Feuerwehrleute mit der Improvisation: Der Umkleide-Bereich, der sich früher noch ungeschützt hinter den Fahrzeugen im Hallenbereich befunden hatte, wurde in einen Zwischenraum verlagert oder ein Kamerad hat einen Sattelaufl ieger zur Verfügung gestellt, in dem Schläuche oder Material wie Öl-Bindemittel gelagert werden. Im Büro werden die Dinge gelagert, die auf keinen Fall beschädigt werden dürfen – etwa die traditionellen Feuerwehr-Flaggen, die bei offi ziellen Veranstaltungen gezeigt werden. Was alle freut: Trotz aller Provisorien werden bei Notfällen die vorgegebenen Zeiten bis zum Eintreff en am Notfall-Ort eingehalten.
Interessant und erfreulich ist auch ein anderer Aspekt: Für den Erweiterungsbau musste der Männerchor Orpheus Anrath aus seinem „Orpheum“ ausziehen, das aus Platzgründen abgerissen wurde. Der Chor wird – nach entsprechenden Umbauten – in den früheren Verwaltungsbereich im alten Feuerwehrgerätehaus einziehen. Auch die Chormitglieder tragen die Zwischenlösungen sehr gut mit, „die Zusammenarbeit klappt reibungslos“, freut sich Stefan Koy.

Warum Feuerwehr?
Was vor allem bei den Willicher Neubürgern oft nicht bekannt ist: Die gesamte Willicher Feuerwehr ist eine „freiwillige“: Alle Löschkräfte arbeiten ehrenamtlich, verlassen im Notfall tagsüber ihren Arbeitsplatz oder kommen nachts aus dem Wohnhaus zum Gerätehaus und fahren von dort zum Einsatz.
Für ihre Arbeit erhalten sie keine Bezahlung, die Stadt Willich zahlt die Kosten für Gebäude, Fahrzeuge und Material sowie für die Aus- und Weiterbildung der Einsatzkräfte. So haben die freiwilligen Feuerwehrleute denselben hohen Ausbildungsstand wie ihre Kollegen in den Berufsfeuerwehren.
Dass sich diese Gruppe von Frauen und Männern freiwillig für die Sicherheit aller einsetzt, bringt der Allgemeinheit einen großen fi nanziellen Vorteil: Die Stadt spart die Gehaltskosten für eine Berufsfeuerwehr.
Neben den eigentlichen Einsatzzeiten treff en sich alle jeden zweiten Mittwochabend zu Übungs-Abenden, dazu gibt es Sonderschulungen – der Zeitaufwand für die Ehrenamtler ist nicht unerheblich. Wichtig ist der Löschzugleitung außerdem, dass die Kameradschaft unter den Löschzug-Mitgliedern und ihren Familien nicht zu kurz kommt – bei Grillabenden und Feiern treffen sich alle entspannt abseits der anstrengenden Arbeit im Einsatz. Das sei sehr wichtig, meint der Löschzugführer: „Ich möchte auch die Familien meiner Leute kennen, das schafft Vertrauen“.
Auf die Frage, warum sich Menschen so sehr ehrenamtlich engagieren, kommt von Koy und Knauf eine einfache und bedenkenswerte Antwort: „Wir machen das, um anderen zu helfen und uns für die Sicherheit aller einzusetzen, einfach, um für den Nächsten da zu sein“.

Info:
Der Erweiterungsbau hat im April 2015 begonnen, die Kosten belaufen sich auf rund 1,85 Millionen Euro. Der Löschzug Anrath der Freiwilligen Feuerwehr hat aktuell 38 Mitglieder. Der Neubau ist so dimensioniert, dass die Gruppe gerne bis auf 60 Frauen und Männer anwachsen kann. Die Beteiligung von Frauen ist Stefan Koy und Michael Knauf wichtig, für sie gibt es im Neubau eigene Umkleide- und Sanitärbereiche. Die Mitglieder des Anrather Löschzuges haben in 2015 mehr als 3750 Stunden an ehrenamtlicher Tätigkeit, für Übungen und Fortbildungen aufgewendet. Sie wurden zu 90 Einsätzen verschiedenster Art gerufen.

Was auffällt: Die Zahl der Einsätze „Menschen in Notlage“ – das Aufbrechen von Türen, weil dahinter hilfl ose Personen liegen – ist von 16 in 2014 auf 27 in 2015 gestiegen.

Wer sich für die Arbeit der insgesamt fünf Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Willlich interessiert, fi ndet Infos auf www.feuerwehr-willich.de – dort gibt es eigene Bereiche für jeden Löschzug.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 02/2016 von „Willich erleben – Das Magazin“