Obsthof-Mertens_Kirschplantage
Henrik und Frank Mertens (v.li.) haben auf dem Obsthof Mertens die Grundlagen für ein neues Angebot gepflanzt: Im Sommer 2021 erhalten die Kunden Süßkirschen aus eigenem Anbau. Foto: Obsthof Mertens

Mit der nächsten Generation kommt ein neues Projekt: Der Willicher Obsthof Mertens möchte seinen Kunden Süßkirschen aus eigenem Anbau anbieten – wobei zwischen Startpunkt in diesem Winter und der zu erwartenden ersten Ernte noch einige Zeit vergehen wird.

„Ich habe im ersten Ausbildungsjahr zum Obstbauern in meinem Ausbildungsbetrieb die Arbeit in einer Kirschplantage kennengelernt und das hat mir viel Spaß gemacht“, schildert Henrik Mertens (21 Jahre). Er hat im Sommer 2019 die Ausbildung zum Obstbauern als Prüfungsbester der Azubis in NRW abgeschlossen – die ersten Überlegungen für die neue Plantage haben er und Vater Frank Mertens im Winter 2018 / 2019 besprochen.

„Wir haben Süßkirschen bisher von einem Partnerbetrieb aus der Region Mainz bezogen. Durch den Anbau auf eigener Fläche vermeiden wir Transportfahrten und entsprechen in einem weiteren Punkt dem Kundenwunsch nach mehr regional angebauten Produkten“, schildert Henrik Mertens. Eine Rolle spielt auch, dass der Klimawandel es heute möglich macht, Pflanzen wie Weintrauben, Aprikosen oder eben Kirschen am Niederrhein anzubauen. So entschieden Vater und Sohn, eine Fläche von rund einem Hektar für die Süßkirschen vorzubereiten – der Ertrag müsste nach den Erfahrungen für die Nachfrage in den drei Hofläden in Willich, Meerbusch und Düsseldorf ausreichen.

1.080 Bäume wurden gepflanzt

Die geeignete Fläche war da – eine im Frühjahr 2019 abgeerntete Erdbeerfläche. Mertens haben sie danach als insektenfreundliche Blumenwiese eingesät. Nach dem Verblühen wurden die Pflanzen gehäckselt und als Gründünger in den Boden eingearbeitet. Insgesamt wurden in den letzten Wochen 1080 Bäume gepflanzt, „alle in der am Niederrhein vorherrschenden Ost-West-Windrichtung, damit die Bäume den stärker werdenden Stürmen besser standhalten“, erklärt Frank Mertens.

Insgesamt werden zehn Sorten angepflanzt, um einen zeitlich versetzten Ernteverlauf zu sichern: Bekannte Sorten sind etwa als frühblühende Sorte Samba, es folgen Carmen, Tamara, Kordia und Regina. Erst im Herbst 2020 kommen zwei neue Exklusiv-Sorten (Prim 1.2 und final 12.1). „Sie wurden von einem Züchter neu entwickelt und werden von ihm bewusst nur exklusiv an landwirtschaftliche Betriebe für den Anbau in Stückzahlen von mindestens 300 Bäumen abgegeben“, so Henrik Mertens.

Ein Weiterverkauf der Jungbäume sei nicht gestattet. Die Vermehrung der jetzt angepflanzten Bäume begann vor drei Jahren mit dem Pflanzen der Wurzelunterlagen. Ein Jahr später folgte die Veredlung.

Im zweiten Jahr wurde der Stamm auf ca. 80 cm eingekürzt. Im dritten Jahr begann das Wachstum der Triebe für die Kronen. Für die Arbeit in der Landwirtschaft seien „wurzelschwache“ Bäume besser geeignet, weil sie nicht so stark in die Höhe wachsen, sondern eine größere Fruchtmenge tragen, so Frank Mertens.

Mit dem Pflanzen der Jungbäume hat die Arbeit erst begonnen. Im nächsten Jahr wird eine Beregnungsanlage über Mini-Sprinkler zwischen den Baumreihen installiert. Sie kann auch im Frühjahr als Frostschutz für die Kirschblüte genutzt werden – die Wärme der Verdunstung steigt vom Boden auf und schützt die Blüten. Später werden Hagelnetze zum Schutz der Blüten und Früchte über die Plantage gespannt. Generell mag Steinobst keine nassen Blüten und um Schädlinge wie die Kirschfruchtfliege oder Kirschessigfliege abzuhalten, wird die ganze Plantage außerdem mit Netzen umgeben.

Schon vor fünf Jahren hatte Frank Mertens den Bereich Steinobst mit einer Pflaumenplantage in Meerbusch ausgebaut. Für Sohn Henrik ist dieses Projekt der erste Schritt in der Nachfolge auf dem Hof der Familie Mertens. „Ich finde es schön, das umzusetzen, was ich in der Ausbildung gelernt habe. Die Kunden wünschen sich immer mehr Produkte aus der Region und wir erzielen so eine bessere Qualität als über den Zukauf“, meint er. Das werden die Kunden im Sommer 2021 mit der ersten Ernte erleben.