Gefrorene Pflanzen sorgen für heimische Erdbeeren und Himbeeren

Wenn die Erdbeer- oder Himbeer-Setzlinge gekühlt werden, verzögert sich ihr Wachstum und sie bringen erst späten den Ertrag, erklärt Obstbaumeister Frank Mertens.

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Eigentlich wäre die Zeit für Erdbeeren und Himbeeren vom Niederrhein so langsam zu Ende – aber die Obstbauern können dank einiger einfacher physikalischer Tricks noch bis Ende September / Anfang Oktober rote Früchtchen aus eigenem Anbau anbieten.

„Um den Kunden noch lange Erd- und Himbeeren anbieten zu können, haben wir einen Teil der Erdbeer- und Himbeersetzlinge durch tiefkühlen wachstumsverzögert und erst im späten Frühjahr bzw. Frühsommer gesetzt“, erklärt Obstbaumeister Frank Mertens vom Obsthof Mertens in Willich und Meerbusch. Die Himbeersetzlinge wurden in zwei Partien um den 20. Mai und Ende Juni aus der Kühlung geholt und dann in Pflanztöpfe – ähnlich wie Blumentöpfe zuhause – in etwa zwei Meter hohe Folientunnel gesetzt. Sie werden gezielt bewässert, dazu bieten die Folientunnel gleichmäßige Wärme.

Die Früchte der Sorte Tulamin (die gleiche Sorte wie bei frei wachsenden Himbeeren) sind nach elf Wochen erntereif und werden jetzt täglich gepflückt.

Die Erdbeeren der Sorte Malling Centenary, „eine süße, feste Sorte“, so Mertens, wurden Anfang bzw. Ende Juni und Mitte Juli aus der Teifkühlung geholt und in Pflanzkästen, die so ähnlich wie Blumenkästen aussehen, gesetzt. „Wir ernten jetzt in jeder Reihe alle zwei Tage und ich rechne damit, dass wir bis Ende Oktober pflücken können“, so Mertens. Parallel läuft am Niederrhein in allen Obstanbau-Gebieten die Birnen-, Apfel- und Pflaumenente. Die frühe Apfelsorte Piros ist jetzt abgeerntet, derzeit wird der Apfelklassiker Delbar Estivale geerntet, ab Anfang September Elstar. „Das ist der übliche Ernteverlauf, das Wetter war für Obstbäume insgesamt günstig. Jetzt haben wir kalte Nächte und warme Tage, das bringt den Äpfeln eine schöne Rotfärbung“, so der Obstfachmann.

Erstmals bietet Mertens auch Pflaumen aus eigenem Anbau an. Die jungen Bäume hat er Anfang 2015 gepflanzt, im ersten Jahr wurden die Blüten entfernt, um den Bäumen Zeit zum Wachstum zu geben. „Jetzt ernten wir erstmals Mirabellen und Top Five Pflaumen“, beschreibt er.

Dazu fallen natürlich die Baumpflege-Arbeiten an, die jeder auch am Baum im eigenen Garten jetzt vornehmen sollte: Zu kleine oder eventuell beschädigte Äpfel können zur Qualitätsausdünnung ausgepflückt werden. Außerdem ist ein vorsichtiger Baumschnitt möglich: die steilen, senkrechten „Wasserschosse“ und nach innen wachsende Triebe sollten entfernt werden, damit mehr Sonne in den Baum kommt – „damit schafft man die Grundlage für das nächste Jahr: Im September bilden sich die Blütenanlagen für 2017 – da ist viel Licht vorteilhaft“, so Mertens.

Ein Rat zur Vorsicht: Auch die Apfelhaut kann Sonnenbrand bekommen, daher sollte der Rückschnitt nicht an heißen, sonnigen Tagen erfolgen.