Schloss Neersen – eine lange Geschichte für Willich (Folge 1)

Eine Zeichnung der Burganlage von Franz Heinen nach einem Entwurf von Peter Vander. Stadtarchiv Willich

Auf eine Motte aus dem 11. Jahrhundert zurückgehende Burg. 1661-1669 zum Schloss umgebaut. Zerstörung durch Brand 1859, Wiederaufbau von Mitteltrakt und Ostflügel durch Gustav Klemme seit 1896. Seit 1971 im Besitz der Stadt Willich, nach 1975 Wiederaufbau des Westflügels

DIE BURG NEERSEN

Schloss Neersen geht wahrscheinlich auf einen Wehrturm aus dem 11. Jahrhundert zurück. Dieser Wehrturm, auch „Motte“ genannt, stand auf einer künstlich aufgeschütteten Erhöhung mitten im Sumpfgelände. Sie war im Süden und Westen von Niers-, Cloer- und Hofbruch umgeben, im Norden und Osten von Beerd- und Gallbruch. Im Frühjahr und Herbst bildete die Straße nach Clörath und Süchteln die einzige Verbindung zur Außenwelt, alle anderen Wege waren durch den hohen Wasserstand blockiert.

Die Motte wurde im Laufe des 13. Jahrhunderts durch eine spätromanische Burg ersetzt, die erstmals 1263 erwähnt wird. Diese Burg Neersen hatte eine Hauptburg mit Bergfried, Torbau und Wohnhaus sowie eine Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden, einem Toreingang mit Zugbrücke und drei Eckwehrtürmen. Die ganze Anlage war von einem Weiher umgeben, der von der hierhin umgeleiteten Niers gespeist wurde. Diese Burg diente bis weit ins 17. Jahrhundert als Stammsitz der Herren van der Ners und später der Herren von Virmond.

Es ist ungeklärt, ob Johann von Virmond 1557 die Burg im Renaissancestil umbauen und erweitern ließ. Darauf lässt beispielsweise die Erklärung des Ambrosius II. in seinem Tagebuch schließen, dass der Pastor „alhir auff dem Haus auuff der hinderste khamer des Neuen gehaus“ starb.

UMBAU ZUM SCHLOSS

Der 30-jährige Krieg führte zu erheblichen Neuerungen in der Wehrtechnik, die Burgen waren den modernen Geschützen nicht mehr gewachsen. Außerdem entsprach die baufällige Burg bei weitem nicht mehr dem Geschmack der Zeit. So entschloss sich Freiherr Adrian Wilhelm von Virmond, der über die nötigen Mittel verfügte, zum Umbau. Bereits 1656 ließ er den die Burg umgebenden Erdwall abtragen und den Weiher verbreiten. Dadurch drang das Wasser bis an die Mauern der Burg vor und schwächte das Mauerwerk.

1661 begann der Umbau mit dem Auslegen neuer Fundamente. Am 3. April 1661 wurde der erste Stein für den Neubau gelegt. In den nächsten acht Jahren wurden der vorhandene Ostflügel (das ehemalige Wohnhaus) verlängert, der Mittelbau verstärkt und vor allem ein neuer Flügel angebaut. Abgerundet wurde die Maßnahme durch den Bau von vier Ecktürmen. Der Aufwand war beachtlich. 1.709.253 Ziegelsteine für 5.469 RT wurden vermauert.

Am 27. September 1669 ordnete Virmond dem Jülicher Bauschreiber Schramm an, den Schlossbau abzuschätzen. Schramm kam zum Ergebnis, dass insgesamt an Arbeitslohn und Material 18.139 RT aufgewendet wurden. Der Name des Baumeisters bleibt unbekannt, in einigen Berichten wird der Name Cornelius genannt.

1767 wurde Schloss Neersen nach langen Erb-Auseinandersetzungen von der kurkölnischen Regierung als erledigtes Lehen eingezogen. Zu diesem Zeitpunkt war es in einem schlechten Zustand. Nur schwer ließ sich die zuständige Hofkammer in Bonn für Ausbesserungsarbeiten – vor allem an den Fundamenten – gewinnen.

SCHLOSS NEERSEN IM 19. JAHRHUNDERT

Im Jahre 1802 erwarb der letzte kurkölnische Amtmann, Josef Lenders, das Gebäude für 23.000 RT. Dessen Erben verpachteten das Schloss an den Gladbacher Fabrikanten Hüsgen, der hier 1851 eine Wattefabrik und eine Baumwollspinnerei einrichtete, am Mittelbau wurden zwei Dampftürme angebaut.

In der Nacht vom 27. auf den 28. März 1859 äscherte ein Brand das Schloss bis auf die Umfassungsmauern ein. In der Folgezeit wurde das Grundstück hemmungslos geplündert.

1884 ließ Hugo Lenders Ruine und Land (28 Morgen) versteigern. Das Land erwarb der Neersener Ackerer Kauertz, die Ruine der Krefelder Fabrikant Gustav Klemme, der 1866 nahe dem Schloss eine Velvetfabrik aufgebaut hatte. Am 14. April 1896 erhielt Klemme die baupolizeiliche Genehmigung, den Mittelbau und den Ostflügel wiederherzustellen. Nach Klemmes Tod 1914 und dem Konkurs der Rheinischen Velvetfabrik 1928 verkauften die Erben den Besitz an den Viersener Emil Crous für 120.000 Reichsmark. Auch Crous investierte viel Geld in die Restaurierung.

Nach Kriegende wurde das Schloss als Standort einer US-Panzerdivision und als Sitz einer Gewerkschaft genutzt.

Folge 2 folgt in der Ausgabe 2/2019 von Willich erleben.