Schloss Neersen – eine lange Geschichte für Willich (Teil 2)

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Foto: Archiv Stadt Willich

Das Schloss Neersen ist wohl das markanteste Gebäude im Willicher Stadtgebiet – und durch seine heutige Funktion als Rathaus jedem Bürger bekannt. Es geht auf eine Motte aus dem 11. Jahrhundert zurück und hat eine wechselvolle Geschichte.

In der vorigen Ausgabe hat Stadtarchivar Udo Holzenthal die Anfänge des Schlosses beleuchtet – in dieser Ausgabe geht es um die Geschichten des letzten Jahrhunderts. Nach Kriegsende wurde das Schloss zuerst als Standort einer US-Panzerdivision und als Sitz einer Gewerkschaft genutzt, so Holzenthal – der schildert, wie es weiter ging.

KINDERERHOLUNGSHEIM DES KREISES KEMPEN-KREFELD

Im November 1947 richtete der Kreis Kempen-Krefeld im Schloss ein Kindererholungsheim ein, welches von den Schwestern der Heiligen Katharina mit Stammsitz in Braunsberg / Ostpreußen betrieben wurde.

Im Dezember 1949 richtete der Architekt Schatten in den früheren Wirtschaftsräumen im Vorwerk eine Kapelle ein. Die Weihe erfolgte durch den Viersener Dechanten Frenken.

Im Dezember 1951 beschloss der Kreistag, den Adelssitz von Crous anzukaufen. Als Kaufpreis wurden 380.000 DM vereinbart. Das Kindererholungsheim betreute anfangs Kinder aus dem Kreisgebiet, nach 1954 dann im Rahmen des „Hilfswerkes Berlin“ regelmäßig Jugendliche aus Berlin-Wedding.

Nachdem die Ordensleitung die Schwestern in das Mutterhaus nach Münster zurückbeorderte, sah der Kreis keine Möglichkeit mehr, das Kinderheim aufrecht zu erhalten und beschloss die Schließung der Einrichtung zum 1 April 1962. Am 20. März.1962 verkaufte der Kreis Schloss Neersen an das Deutsche Rote Kreuz.

Im März 1961 wurden erstmals auf dem Schlossgelände archäologische Grabungen durchgeführt. Dabei wurden die Fundamente des Bergfrieds und des Torgebäudes freigelegt. Weitere Grabungen erfolgten 1975 während des Wiederaufbaus des Westflügels.

SCHULUNGSSTÄTTE DES DEUTSCHEN ROTEN KREUZES

Am 14. Januar 1963 nahm die DRK-Landesschule unter Leitung von Walter Stephan ihre Arbeit auf. Nach längeren Verhandlungen willigte das DRK ein, dem im Jahr zuvor gegründeten Deutschen Entwicklungsdienst mit Sitz in Bad Godesberg Räumlichkeiten für Kurse zu überlassen.

Ab Mai 1964 wurden die freiwilligen Helfer in einem achtwöchigen Grundkurs für ihren Einsatz in Entwicklungsländern geschult. Diesem Grundkurs schlossen sich Spezialausbildungen für die jeweiligen Einsatzländer an, in denen vor allem Sprache und Kultur unterrichtet wurden.

1970 beschloss das Deutsche Rote Kreuz, das Schloss zu verkaufen. Grund für diese Entscheidung war die Tatsache, dass umfangreiche und kostspielige Baumaßnahmen anstanden und der Verband sich nicht in der Lage sah, diese Maßnahmen finanziell zu meistern.

DER WIEDERAUFBAU DES WESTFLÜGELS

Den letzten Besitzerwechsel gab es am 1. Januar 1971, als die junge Stadt Willich den Besitz (60.477 m²) kaufte. Die offizielle Übergabe erfolgte am 18. Januar 1971…

Wie es dann weiter ging und wie Schloss Neersen heute genutzt wird, berichten wir in der nächsten Ausgabe von Willich erleben 3/2019.