Foto: Jan Erting

Der 37. Schlossfestspiel-Sommer wirft seine Schatten (oder lieber Sonnen-strahlen?) voraus:

Intendant Jan Bodinus hat bereits das Programm für die neue Spielzeit vorgestellt. Unter dem Motto „Traum und Wahrheit“ finden auf der Hauptbühne im Schlosshof Neersen und im/um das Schloss wieder viele Aufführungen statt. Willich erleben hat mit Jan Bodinus gesprochen.

WE: Herr Bodinus, das Motto lautet „Traum und Wahrheit“ – Was sind Ihre Gedanken dazu?

JB: Die meisten Menschen leben in ihrer realen, täglichen Welt mit ihren realen, alltäglichen Sorgen und Freuden. Und dann gibt es noch die Welt der Träume: Der Lebensträume, der möglichen Ziele und Wege und der nächtlichen, irreal wirkenden Traumwelt. Im „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare scheinen sich diese Welten auf wundersame Weise zu vermischen. Mich interessiert die Frage: Wo hört die Realität auf, wo beginnt der Traum? Wo macht sich der Mensch etwas vor und träumt sich sein Leben, wo ist er Realist, wo tanzt er auf der Schwelle zur Illusion? Spannende Fragen, die auch für die anderen Stücke der Saison gelten.

WE: Wie haben Sie die Hauptstücke ausgewählt?

JB: Erst ein mal möchte ich natürlich über die Jahre alle Facetten des Theaters präsentieren. Die Frage ist ja immer: wie können wir jedes Jahr aufs Neue unser tolles Publikum mit großartigen und interessanten Themen begeistern? Erfolg ist kein Selbstläufer, aber in unserem neuen Spielplan ist wieder sehr viel von dem abgedeckt, was ich persönlich spannend finde. Im „Doktor Dolittle“ spricht ein Mensch, der eher mit seinen Mitmenschen nicht kommunizieren kann, mit seinen Freunden, den Tieren. Ich finde es spannend, sich selber zu fragen, wie wir mit den Lebewesen, mit denen wir leben umgehen, gerade in und auch in Zeiten des Wandels auf dieser Welt. Im „Floh im Ohr“, einer rasanten französischen Komödie von Georges Feydeau, geht es um Schein und Illusion innerhalb von Ehe und Beziehung, alles spannend verpackt in unglaublich witzige Komödie. Und dann der „Sommernachtstraum“, endlich wieder der wunderbare Shakespeare in Neersen!

WE: Wie gestalten Sie im nächsten Jahr das Rahmenprogramm?

JB: Wir werden einige tolle Sachen aus 2019 wie Café Vokal, den Mitsing-Abend oder Poetry Slam wiederholen, weil sie so innovativ sind. Und dann haben wir natürlich auch wieder viele neue, spannende Sachen im Angebot: „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ mit Pierre Sanoussi Bliss und Matthias Freihof, zwei tollen Kollegen und Stars, einen Audrey Hepburn Abend mit der aus Neersen stammenden Darstellerin Daniela Michel, „Das Boot ist voll“, der realen bewegenden Geschichte um ein Flüchtlingsboot und einen italienischen Eisdielenbesitzer, der die Menschen vom Boot auf das Festland rettet und so weiter und so fort. Es wird klasse!

WE: Wie sieht es in Sachen Ensemble aus? Sie haben ja bekannte Namen nach Willich geholt – wird das im kommenden Jahr wieder so sein?

JB: Es ist mir gelungen mit Kalle Pohl wieder einen Star nach Willich holen, der ja bereits im letzten Jahr viele Zuschauerinnen und Zuschauer bewegt und erfreut hat. Ich freue mich sehr auf ihn.

WE: Wie ist Ihr Zeitplan bis zum Sommer?

JB: Jeden Tag Festspiele planen, Verträge finalisieren und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielen Abteilungen suchen und einstellen. Theater ist ein Ort, in dem sich sehr schnell sehr viel ändert, da muss man flexibel und fix sein, wenn man gute Leute bekommen möchte. Gerne nehmen wir hierzu auch noch Bewerbungen in verschiedenen Abteilungen wie Requisite, Bühnenbildassistenz und Ankleiderinnen entgegen. Auch Praktikantinnen und Praktikanten werden noch eingestellt. Keine Scheu, bewerbt euch! Ansonsten arbeite ich natürlich auch weiterhin als freier Regisseur und Autor.

WE: Blicken wir doch noch einmal kurz auf das Jahr 2019 zurück – es ist wohl nicht falsch, die Spielzeit als die bislang erfolgreichste in der Geschichte der Festspiele zu bezeichnen – was ist das für Sie als Intendant für ein Gefühl?

JB: Da habe ich wohl nicht ganz so viel falsch gemacht (Zwinkersmilie!). Nein, im Ernst: Wir sind irre dankbar, wie toll die Synergie zwischen Festspielen und Zuschauerinnen und Zuschauern funktioniert. Vor allem ist es toll, wie breit gestreut die Altersstruktur bei uns ist. Darauf bin ich wirklich stolz, dass auch viele junge Leute in Zeiten von Streaming und YouTube unsere tollen Künstlerinnen und Künstler sehen wollen. Wenn ich mir da andere Theater anschaue, und ich sehe viel Theater, ist das oft ganz anders. Hier sind wir sehr gut aufgestellt für die Zukunft.

WE: Setzt so ein Erfolg Sie unter Druck für 2020?

JB: Nein.

WE: Was ist Ihnen noch wichtig mit Blick auf 2020?

JB: Dass wir uns alle gesund wieder sehen!

WE: Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg!

JB: Vielen Dank.