Foto: Yamel Photography

Sie waren unter diesen Umständen ein Wagnis, aber sie konnten erfolgreich und vor allem sicher für Ensemble und Zuschauer durchgeführt werden: Mitte August endeten die Schlossfestspiele Neersen 2021. Intendant Jan Bodinus, die Schauspielerinnen, Schauspieler und das ganze Team hinter der Bühne haben eine Saison hinter sich, die sie nicht nur unter künstlerischen Aspekten sehen mussten, sondern bei der auf einmal „drei Gs“ (Geimpft, Getestet, Genesen), Tests und Inzidenzen eine mindestens genau so wichtige Rolle gespielt haben.

Willich erleben unternimmt mit dem Intendanten einen Rückblick auf die „Pandemie-Festspiele“.

Redaktion: Herr Bodinus – mit welchen Gefühlen blicken Sie einige Tage nach dem Ende dieser Festspielsaison mit außergewöhnlichen Rahmenbedingungen und einer außergewöhnlichen Verantwortung auch für Sie als Intendant zurück?
Jan Bodinus: Vor allem mit glücklichen und dankbaren Gefühlen. Wir haben gespielt, wir durften unseren Beruf, unsere Berufung wieder ausüben und die Menschen der Region und darüber hinaus sind uns gefolgt in unserem Träumen, in unseren „Sommernachtstraum“ von der Begegnung, dem Miteinander. Es war harte Arbeit für alle, die sich sowohl in den Zuschauerzahlen als auch in den positiven Reaktionen und der Dankbarkeit der glücklichen Zuschauerinnen und Zuschauer ausgezahlt hat.

Redaktion: Was bleibt Ihnen persönlich von dieser Spielzeit in Neersen in Erinnerung?
Jan Bodinus: Wie hungrig die Menschen nach einem Miteinander waren, nach Kultur und Bildung. Das macht unendlich Mut für die Zukunft. Und wie gut unser „Sommernachtstraum“ aufgenommen wurde. Durchaus ein modernes und gewagtes Projekt, in das uns unser Publikum offen und neugierig gefolgt ist.

Redaktion: Die Pandemie hat zu vielen Ängsten und Sorgen geführt – davon sind natürlich auch die Schauspielerinnen, Schauspielern und das Team hinter der Bühne nicht ausgenommen. Wie haben Sie die Stimmung erlebt? Was sagen die Schauspielerinnen, Schauspieler und die Mitarbeiter?
Jan Bodinus: Vor allem herrscht natürlich Freude darüber, dass wir, mit Hilfe der Stadt und des Vereins, wieder auf die Bühne durften. Wir wollen doch nur spielen, das kann man im wahrsten Sinne des Wortes nehmen, wir wollen Theater machen und davon leben können. Das war in den letzten anderthalb Jahren für viele Kolleginnen und Kollegen sehr, sehr schwierig. Deshalb danke an alle, die uns so sehr wollen und unterstützen. Ich denke, der Zusammenhalt ist noch gewachsen durch die Krise. Das ist ein tolles Gefühl und lässt tolle, kommende Spielzeiten erwarten. Glänzende Kinderaugen, staunende, lachende und emotionale Gesichter auf der Tribüne, was gibt es Schöneres?

Redaktion: Sie haben sich ja auch technisch auf verschiedenste Szenarien und Aufführungssituationen eingestellt. Wird etwas davon weiter genutzt – kann man zum Beispiel demnächst Aufzeichnungen der Aufführungen kaufen oder online sehen?
Jan Bodinus: Unsere DVDs der Stücke „Doktor Dolittle“ und „Floh im Ohr“ sind ja weiterhin im Verkauf. Die Aufzeichnungen sind qualitativ und inhaltlich erstklassig geworden, da stellen wir uns nach der ersten Erfahrung dieser Art auf die gegebenen Umstände in der nächsten Spielzeit kurzfristig darauf ein, ob es wieder Aufzeichnungen geben wird. Allerdings wollen wir vor allem Eines: Live und in Farbe vor Publikum spielen! Der digitale Wandel ist aber auch spürbar deutlich in der Theaterszene angekommen, dem werden wir weiter Rechnung tragen.

Redaktion: Sie haben selbst den „Sommernachtstraum“ von Shakespeare inszeniert und dafür viel Lob erhalten – wie sind Sie auf die Idee zu dieser Inszenierung gekommen?
Jan Bodinus: Shakespeare ist zeitlos! Einer der größten Dichter aller Zeiten hat uns allen in diesem Sommer ein tolles Geschenk gemacht mit seinem „Sommernachtstraum“. In meinem Kopf habe ich oft und gerade bei diesem Projekt einen Geschmack, eine Farbe, einen Klang im Kopf und im Herzen. Dem folge ich und freue mich, wenn mir alle, Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und das Publikum so wunderbar folgen. Ich denke, Modernität in Bühne, Musik und Darstellung hat in dieser Inszenierung großartig über die Charaktere und die traumhafte Szenerie das vermittelt, was wir am dringendsten brauchen: Träume!

Redaktion: Was machen Sie selbst jetzt und in den nächsten Wochen?
Jan Bodinus: Ich inszeniere und schreibe weiter. Nach dem Lockdown haben wir durch die Impfmöglichkeiten jetzt die Chance, wieder unsere Kunst auszuüben, da herrscht jetzt große Kreativität. Und natürlich plane ich die nächste, im Hinterkopf auch schon die übernächste Spielzeit. Ich kann den Sommer 2022 kaum erwarten!

Redaktion: Machen wir einen Sprung – vom Rückblick zum Ausblick. Was können Sie schon sagen, wenn es um die Frage der Festspiele Schloss Neersen in 2022 geht?
Jan Bodinus: Es wird spannend, anrührend, komisch. Das kann ich sagen. Unsere Vielfalt wird sich noch erweitern, lassen Sie sich überraschen, Mitte November wird der neue Spielplan verkündet.

Redaktion: Wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf das kommende Jahr.
Jan Bodinus: Ich bedanke mich sehr.