Schlossfestspiele: Von Mustergatten und der kleinen Meerjungfrau

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Foto: Daniel Kamper

„FAMILIEN – BANDE“, so lautet das Motto, unter das Intendant Jan Bodinus die Schlossfestspiele Neersen 2019 gestellt hat. Das Programm wurde Anfang Oktober vorgestellt. Die drei Hauptstücke auf der Freilichtbühne im Schlosshof sind:

Der Mustergatte – eine Heinz Erhardt Komödie nach Avery Hopwood.
Monsieur Claude und seine Töchter – nach dem Film von Philippe de Chauveron und Guy Laurent in der Theaterfassung von Stefan Zimmermann.
Arielle, die kleine Meerjungfrau – nach Hans Christian Andersen für Kinder ab 4 Jahren.

Neu ist der Ansatz, noch ein viertes Werk für einen Termin auf der Freilichtbühne zu präsentieren: „Shakespeare in Opera“ – das Beste aus der klassischen Musik zum großen Autor William Shakespeare in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper am Rhein.

Willich erleben hat mit Jan Bodinus gesprochen und nach den Hintergründen für dieses Programm gefragt.

WE: Herr Bodinus, das Motto „FAMILIEN – BANDE“– welche Überlegung steckt für Sie dahinter?

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Foto: Jan Erting

JB: Unsere drei Hauptstücke auf der großen Bühne verbindet meist ein Motto zur Spielzeit. In diesem Jahr geht es um ein Thema, welches uns alle unweigerlich angeht: Die Familie. Jeder von uns hat eine Familie und jeder weiß, welche Bandbreite der Emotionen und Lebensereignisse man mit seiner Familie verbindet. „Arielle, die kleine Meerjungfrau“, ist im Begriff, sich von ihrer Familie zu trennen, flügge zu werden und sich eine eigene Identität zu schaffen. In unserer Heinz Erhardt Komödie, dem „Mustergatten“, geht es um die Ehe und ihre Irrungen und Wirrungen und in „Monsieur Claude und ihre Töchter“ hat der Protagonist Angst davor, seine vier Töchter in fremde Hände zu geben. Eine herrliche Geschichte um eine echte Familien – Bande.

WE: Außerdem ist ein viertes Werk auf der Freilichtbühne geplant – Worauf können sich die Zuschauer bei „Shakespeare in Opera“ freuen?

JB: Mit dieser Aufführung, die erst einmal einen festen Termin in diesem Jahr bekommt, schaffen wir etwas völlig Neues bei den Schlossfestspielen in Neersen: Eine Aufführung der Deutschen Oper am Rhein mit den schönsten Werken zu den Texten des Jahrtausenddichters William Shakespeare auf der großen Freilichtbühne. Ich bin sehr gespannt und sicher, dass unser Publikum dieses Konzert begeistert annehmen wird. Also heißt es erfahrungsgemäß auch für diese Produktion, wie natürlich auch für alle anderen Gastspiele, schnell sein beim Kartenkauf, dieses Ereignis gibt es vorerst nur ein mal.

WE: Das Rahmenprogramm bietet wieder viele Möglichkeiten für die kleinen und großen Festspiel-Besucher. Könnten Sie die einzelnen Programmpunkte kurz vorstellen?

JB: Wir haben im Rahmenprogramm der Fest- spiele viel Neues und auch Altbewährtes, was wir unseren Zuschauerinnen und Zuschauern bieten können: Wir werden zum ersten Mal in Neersen einen Poetry Slam erleben. Hier messen sich junge Dichterinnen und Dichter in einem spielerischen Wettbewerb. Ich habe mehrere Slams in Berlin an der Volksbühne erlebt und war begeistert über diese Form der Auseinandersetzung mit dem gesprochenen Wort. Wir werden einen Tucholsky Abend mit Hans-Jürgen Schatz sehen, eine szenische Lesung über und mit Mark Twain, einen Abend über den Widerstand der Geschwister Scholl in der Weißen Rose und Vieles mehr. Herausheben möchte ich noch unseren Mitsingabend „Café Vokal“, an dem wir unser Publikum für das Singen begeistern möchten. Die Sängerin Kerstin Brix wird mit einem Pianisten live und interaktiv mit dem Publikum agieren. Wahnsinnig spannend!

WE: In den Vorjahren haben Sie auch bekannte Namen aus dem Fernsehen in das Ensemble in Neersen integriert – was planen Sie im kommenden Jahr in punkto Besetzung aller Rollen?

JB: Ich freue mich, dass wir es immer wieder schaffen, so ein tolles Ensemble zusammen zu stellen. In der nächsten Spielzeit haben wir vor allem einen Star: Heinz Erhardt! Stefan Keim wird Heinz Erhardt sein, und das ist er bereits seit sehr vielen Spielzeiten hier bei uns so erfolgreich, dass sein Heinz Erhardt Programm immer blitzschnell ausverkauft ist. Im „Mustergatten“ trifft Heinz Erhardt als kleinbürgerlicher Bürger auf die bunte Welt der Hippiekultur der beginnenden siebziger Jahre. Ein herrliches komödiantisches Sujet und ein Fest für die Ausstattung. Dann haben wir neben einem hervorragendem Ensemble auch die Schauspielerin Michaela Schaffrath engagiert, eine tolle Kollegin und Person. Also alles in Allem wieder eine klasse Truppe!

WE: Mit welchem Gefühl gehen Sie in Ihre nächste Spielzeit?

JB: Wie in jedem Jahr mit einem warmen Gefühl der Freude und Zuneigung zu meinem Ensemble und dem Publikum. Darüber hinaus bin ich mir nach dem Erfolgsjahr 2018 sicher, dass wir wieder unsere Zuschauerinnen und Zuschauer finden bei dem vielseitigen und hochwertigen Programm, welches wir zusammengestellt haben. Die Festspiele wachsen, vor allem aber, und darauf sind wir besonders stolz, wächst die Qualität.

WE: Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrem Ensemble schon an dieser Stelle eine schöne Spielzeit in Neersen.

JB: Vielen Dank. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Sommer!