Schule „Willich Heide“

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Foto: Archiv Stadt Willich

Im April 1907 betrug die Schülerzahl der Willicher Volksschule an der heutigen Hülsdonkstraße 459 Knaben und 457 Mädchen, also insgesamt 916 Kinder. Diese wurden von sechs Lehrern und sechs Lehrerinnen in zwölf Klassenräumen unterrichtet, sodass auf jede Klasse 76 bzw. 77 Schüler kamen.

Am 05. Juni 1907 setzte sich der Willicher Schulvorstand zusammen, um über die Beseitigung dieser Klassenüberfüllung zu beraten. Zur Wahl stand eine Erweiterung der Volksschule oder ein – wo auch immer gelegener – Neubau. Der Schulvorstand entschied sich für den Bau einer zweiten Volksschule an der Krefelder Straße, vor allem für die Kinder von der Alperheide, den Hox- und den Votzhöfen. Ein Erweiterungsbau an der alten Schule im Dorf wurde dagegen verworfen, weil die beiden Schulgrundstücke nicht groß genug waren. In der vereinigten Sitzung der Mitglieder der Baukommission und des Schulvorstandes am 15. Juli 1907 wurden Details des neuen Schulbaus besprochen. Man entschied sich, eine zweiklassige Schule mit zwei Lehrerwohnungen zu errichten und eine Fertigstellung für das Frühjahr 1908 anzustreben. Die Schulgottesdienste sollten in der Kapelle der nur einen Kilometer entfernt liegenden Provinzialfürsorgeerziehungsanstalt Fichtenhain abgehalten werden. Am 21. August 1907 traf die Genehmigung der Regierung ein. Im Februar 1908 begannen die Arbeiten, welche vom Kreisbaumeister Cleve in Krefeld geleitet wurden. Die Baukosten betrugen rund 35.000 Reichsmark.

Am 07. Oktober 1908 wurde die neue Schule eingeweiht. Hauptlehrer wurde Johannes Schäfer aus Velbert, zweiter Lehrer Herr Strauß von der Volksschule I im Dorf. Obwohl der Schulbezirk enger gezogen wurde, betrug die Schülerzahl bei zwei Klassen je 69 Schüler. So wurde es bereits im Dezember notwendig, eine dritte Klasse einzurichten. 1920 wurde ein Elternbeirat eingerichtet.

Am 19. Juli 1939 erfolgte die Umbenennung in „Herbert-Norkus-Schule“. Die Endphase des Zweiten Weltkriegs machte einen geordneten Schulbetrieb unmöglich, da der Schulweg teilweise über offene Felder führte und die Kinder in die Gefahr von Tieffliegerbeschuss kamen. So wurde ein Gruppenunterricht in Privathäusern eingerichtet. Am 20. September 1945 begann der geregelte Unterricht an der Schule erneut. Da der Gemeinde das Geld fehlte, die zerstörten Fenster der Schule zu ersetzen, spendeten die Bauern des Schulbezirks aus ihren Vorräten für die Gewächshäuser das erforderliche Glas.
1960 wurde die Schule erstmals um einen Anbau erweitert, den der Krefelder Architekt Hans Knickenberg geplant hatte. Dem Neubau wurden eine langgestreckte Pausenhalle und Toiletten angegliedert. Gleichzeitig wurde der Altbau grundlegend saniert und modernisiert.

Neue Probleme machte die Neuordnung des Schulwesens in den 60er Jahren, da die Schule statt der geforderten 152 Schüler nur 119 hatte. Trotzdem wurde der Schulbetrieb, nun in Form einer Grundschule, fortgesetzt. Um die Schülerzahl zu erhöhen, wurde eine Förderklasse für Söhne von Spätaussiedlern eingerichtet, die bis dato auf Haus Broich untergebracht war. Zum 01. August 1973 wurde die Katholische Grundschule in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt. Im selben Jahr öffnete ein Schulkindergarten seine Tore. Mitte der 80er Jahre drohte der Schule die Auflösung, als die Schülerzahlen in Folge des „Pillenknicks“ drastisch zurückgingen. Nur durch Ausnahmegenehmigungen des Regierungspräsidenten und den persönlichen Einsatz der ehemaligen Schülerin der Schule, Bürgermeisterin Käthe Franke, konnte die „Willicher Heide“ gerettet werden.
Aufgrund der Ausweisung zahlreicher Neubaugebiete im Norden der Stadt beschloss der Rat am 22. Juni 1994, die Schule auf zwei Züge auszubauen. Die Baukosten für den Erweiterungsbau mit vier Klassen- und weiteren Verwaltungsräumen betrugen knapp 1,8 Mio DM. Am 30. November 1997 wurde der Erweiterungsbau eingeweiht. Im Jahr 2000 erhielt die Schule dann eine kleine, vor allem für den Sportunterricht zu nutzende Mehrzweckhalle.
Am 21. März 2007 beschloss der Rat, die Schule zum Schuljahresbeginn 2007/2008 in eine Offene Ganztagsschule umzuwandeln. Weil es keine Landesförderung gab, übernahm die Stadt die notwendigen Kosten in Höhe von 271.000 € selbst.
2015 wurde die Kirche St. Mariae Rosenkranz entwidmet, und die Stadt erwarb sämtliche Räumlichkeiten – unter anderem die benachbarte Schule. Nach erfolgtem Umbau konnte das ehemalige Pfarrzentrum ab Schuljahresbeginn 2015/2016 für den Mittagstisch sowie die ehrenamtlich geregelte Betreuung von 11:00 bis 14:00 Uhr genutzt werden. Heute hat die Schule 151 Schüler und Schülerinnen.

Alleinstellungsmerkmal – Besonderheit:
In Sachen Schulkonzepte zeichnete sich die Grundschule durch zukunftsorientiertes Denken aus: Im Schuljahr 1996/1997 wurden – erstmals im Stadtgebiet – altersgemischte Lerngruppen eingeführt. Seit 2000 werden alle Kinder in sämtlichen Fächern in Lerngruppen unterrichtet. Dabei werden die Kinder der ehemaligen ersten und zweiten sowie die der dritten und vierten Klasse zusammengefasst. Im September 2011 erhielt die Schule vom Land Nordrhein-Westfalen das „Gütesiegel individuelle Förderung“. In der Würdigung des Schulministeriums hieß es: Die bewährte, differenzierte Diagnostik, das zweckmäßige und leicht handhabbare Dokumentationssystem und die passenden Förderangebote führen zu einem vorbildlichen Konzept individueller Förderung. Die Schule praktiziert das Konzept der Lernstraßen, das den Kindern bewusst unterschiedliche Lernwege eröffnet.

Schulleiter: Johannes Schäfer (1908 – 1928) Praum (1929 – 1944) Josef Trökes (1944 – 1953) B.Sturmann (1953 – 1960) Tophofen (1961 – 1968) Hans-Josef Westermann (1974 – 1979) Hans-Willi Lethen (1980 – 1983) Frau vom Baur (1983 – 1984) Heinz Schmitz (1984-2006) Liese Hawelka (seit 2006)