Der Lautenhof in Niederheide auf dem Wilhelm Hörmes lebte. Foto: Stadtarchiv

Das Leben in Willich war nicht immer nur friedlich – es gab auch verbrecherische Bürger. Stadtarchivar Udo Holzenthal hat einige „finstere Gestalten“ ausgemacht, die er in seinem Vortrag „Willich Crime“ darstellt. Er in über das „Gesindel“, aber auch über einen tapferen Bürger aus Niederheide: Wilhelm Hörmes.

Noch vor 100 Jahren lagen unmittelbar an der Straße von Schiefbahn nach Niederheide zwei Bauernhöfe – der Lingmannshof und der Lautenhof. Der Lingmannshof existierte heute nicht mehr, er wurde im 19. Jahrhundert abgetragen. Kennzeichnend für ihn war ein lang herabwallendes Strohdach.

Nur 250 Meter entfernt lag der Lautenhof – ein prächtiger fränkischer Geviertbau. Rund um den Hof verlief ein breiter Graben, dessen Ufer von alten Eichen gesäumt war. Über eine Brücke gelangte man von der Straße in den Innenhof.

In der Nacht zum 17. September 1847 ereignete sich hier ein Verbre­chen, dass die Menschen in Schiefbahn und Umgebung noch Jahre später beschäftigte – und an das heute noch ein Straßenname in der Niederheide erinnert.

In der Scheune vom Lingmannshof hatte sich eine Bande versteckt, die das Gut überfallen wollte. Gerüchten zufolge soll es sich um Schmug­gler aus Breyell gehandelt haben, entdeckte die Polizei doch in der Scheune einige Beutel mit Kaffee. Kurz nach Mitternacht brachen die Räuber die Haustür auf. Der alte Lingmanns wachte auf und schrie sofort um Hilfe, bevor er von den Einbrechern überwältigt wurde.

Der Sohn des Besitzers vom benachbarten Lautenhof, Wilhelm Hör­mes, befand sich zu diesem Zeitpunkt mit einem Knecht im Stall. Die beiden eilten sofort zur Hilfe. Einer der Räuber stand als Sicherung an der Haustür. In der mondhellen Nacht konnte er die beiden herbeiei­lenden Männer gut erkennen und schoss mit einer Schrotflinte auf sie. Während der Knecht nur leicht verletzt wurde, wurde Wilhelm Hörmes von 20 Schrotkörnern durchsiebt und war sofort tot.

Zimmermann Paul Gangs wurde steckbrieflich gesucht. Foto: Stadtarchiv

Die Bande brach ihren Raubzug sofort ab und flüchtete ins Bruch. Gegen die Theorie mit den Schmugglern aus Breyell spricht übrigens die Tatsache, dass von der Polizei als Hauptverdächtiger ein Anrather steckbrieflich gesucht wurde: Der 36 Jahre alte Zimmermann Paul Gangs. Die Polizei mutmaßte, dass Gangs sich über Frankreich nach Algier absetzen wollte. Ob er jemals gefasst wurde, ist leider nicht bekannt.

Die Bewohner der Niederheide ehrten Wilhelm Hörmes mit einem Antonius­Bildstock an der Todesstelle, der später abgetragen wurde. Die Heimat­ und Geschichtsverein Schiefbahn ehrten Hörmes 1957 mit einem Gedenkstein am Eingang des Lautenhofs.