Foto: TV Schiefbahn

„Hier geht es darum, durch Tanz und Bewegung Kontakte zu schaffen, etwas aufzuwühlen und zu motivieren – bei den Kindern und bei uns“ – so beschreibt Ballettmeister Raymond Hilbert vom Bundesjugendballett in Hamburg die Idee hinter dem besonderen Tanz-Workshop:

Zum sechsten Mal war die Compagnie mit acht jungen Profi-Tänzern/-innen, Musiker/-innen und Technikern nach Schiefbahn zu einem Workshop mit den integrativen Kindern des TV Schiefbahn gekommen.

Über einen Tag erarbeiteten die Tänzer/-innen mit Raymond Hilbert und Kevin Haigen (künstlerischer und pädagogischer Leiter) und den Kindern eine Tanz-Vorführung. Dabei integrierten die Tanzprofis die Kinder aus den Integrativen Gruppen in die Choreographien, die sie bei Aufführungen zum Beispiel auf Tanzfestivals zeigen – immer abgestimmt darauf, was die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Einschränkungen körperlich und geistig leisten konnten.

Das Bundesjugendballett war am Freitag angereist, am Samstag um 10 Uhr ging es dann in der Peter Bäumges-Halle los. Tänzer/-innen, Musiker/-innen und Kinder arbeiteten konzentriert zu den verschiedenen Themen: So basierte ein Teil der Tanzszenen auf der Geschichte der kleinen Raupe Nimmersatt, ein anderer folgte dem Zitat aus dem „kleinen Prinzen“: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

Kevin Haigen war begeistert von den Arbeitsprozessen und den Erfolgen, die seine Tänzer/innen und die Kinder hatten. „Tanz ist elementar und zutiefst menschlich. Der Mensch tanzt und das muss nicht digital verbessert werden.“ Es wirke eine unglaubliche Energie, so Haigen. Der Tag sei auch für die persönliche Entwicklung der jungen Tanzprofis wichtig, betonte er: „Es geht darum, dass Kunst tolerant ist – das ist die Philosophie. Die jungen Leute spüren, dass es nicht um Ruhm oder Geld geht. Mit den Kindern ist alles so klar“.

Die Kinder waren von den Besuchern/-innen aus Hamburg begeistert und wichen ihnen zum Teil nicht von der Seite – es entstanden spontane Beziehungen und kleine Fan-Gemeinden. Das von John Neumeier gegründete Bundesjugendballett bietet immer vier jungen Tänzerinnen und vier jungen Tänzern die Möglichkeit, nach ihrer Ausbildung über zwei Jahre in der unkonventionellen Compagnie Erfahrungen zu sammeln. Sie stehen auf klassischen Bühnen, suchen aber auch bewusst ungewöhnliche Spielstätten auf, um für die Kunstform Tanz zu begeistern: ob in Kirchen, Museen, Seniorenheimen, Gefängnissen oder psychiatrischen Kliniken. Der Kontakt zum TV Schiefbahn war vor einigen Jahren entstanden, als die integrativen Gruppen den HanseMerkur-Preis für Kinderschutz erhalten hatten.

Am frühen Abend kamen Eltern und Familien, um sich die Ergebnisse anzusehen und erlebten ihre Kinder in den neuen Rollen. Sie waren begeistert von dem, was an einem Tag mit viel Anstrengung und Konzentration, aber auch mit viel Spaß aufgebaut worden war. Sie sahen, wie sich die kleineren Kinder in Schmetterlinge verwandelten und die größeren ihrem Alter entsprechend in verschiedene Aufgaben und Musikrichtungen eingebunden wurden. Begeistert waren sie aber auch von der hohen Qualität der Profi-Tänzer/-innen, die immer wieder sichtbar wurden.

„Ich finde es fantastisch, dass das Bundesjugendballett die Integrativen Gruppen jetzt schon über mehrere Jahre begleitet und was Petra und Stephan Adomeitis, Elisabeth und Marcus Limbach sowie die anderen Helfer auf die Beine stellen“, meinte Ulrike Bamberg, die Geschäftsführerin des TV Schiefbahn. Sie sei sehr dankbar dafür, dass diese Projekte zustande kämen.

Die Aufführung endete mit Bezügen zu dem Welthit „Talking about a Revolution“ und dem Statement: „Uns bleibt die Hoffnung, denn gemeinsam sind wir Menschen stark“.