Sie gilt nicht nur in Willicher Kreisen als Muster für eine gelungene Konversion eines hochproblematischen Areals, sondern sie erhält mehr und mehr überregionale Anerkennung: die Sanierung und Neunutzung des früheren Stahlwerk Becker-Geländes. Die Projektverantwortlichen – Grundstücksgesellschaft der Stadt Willlich mbH, Kreis Viersen, HJB Planer und GEOBIT Ingenieur-Gesellschaft mbH – haben sich mit dem Konzept bzw. der Umsetzung jetzt für den „Bodenschutzpreis NRW“ beworben.

PREIS DES UMWELTMINISTERIUMS

Ausgelobt wird der Preis vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und soll das Flächenrecycling sowie das öffentliche Bewusstsein für den Schutz des Bodens unterstützen und stärken. „Die Aufbereitung industriell vorbelasteter Brachflächen durch Flächenrecycling und Altlastensanierung ist eine wichtige Maßnahme des Flächen- und Umweltschutzes.

Sie leistet einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung unserer Städte. Dadurch wird die Inanspruchnahme von Flächen im Außenbereich vermindert und Böden und Grundwasser werden vor schädlichen Einträgen geschützt“, erläutert Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Berücksichtigt werden u.a. modellhafte Strategien zur Entwicklung brach gefallener Areale, Beiträge zur Innenentwicklung und Standortverbesserung sowie die Berücksichtigung von Ressourcen- und Klimaschutz und Maßnahmen der Klimawandelvorsorge. Die eingereichten Projekte werden zunächst von einer Fachkommission vorgeprüft und danach durch eine Jury beurteilt. Die Preisverleihung erfolgt im Dezember 2021.

WILLICHER ERFOLGSMODELL FLÄCHENRECYCLING

Bei der Konversion des Stahlwerks Becker wurden wirtschaftliche und ökologische Aspekte mit stadtplanerischen und Denkmalschutz- Kriterien verbunden. Nach mehr als 100 Jahren industrieller/ militärischer Nutzung ist es gelungen, ein neues attraktives Gebiet zu entwickeln: Das Gelände des Gewerbeparks Stahlwerk Becker grenzt an ein Landschaftsschutzgebiet, durch die Ortsnähe ist es wichtig für die Stadtentwicklung, andererseits wurden damit hohe Anforderungen an die Integration einer innerstädtischen Brachfläche in den Ortsteil und den Übergang in die freie Landschaft gestellt. Der Gewerbepark ist das Ergebnis von Altlastenmanagement und Flächenrecycling als Teamarbeit der Kreis- und Stadtverwaltung und der kommunalen Wirtschaftsförderung Hand in Hand mit den Ingenieurbüros für Stadtplanung, Architektur und Geowissenschaften. Dank einer umfassenden Strategie wurden viele Punkte berücksichtigt:

  • Beitrag zur Innenentwicklung und Standortverbesserung
  • Berücksichtigung von Ressourcen- und Klimaschutz sowie Maßnahmen der Klimawandelvorsorge und Förderung der Bodenkühlleistung, unter anderem durch viele Grünflächen und die Wasserachse.
  • Separierung und Wiederverwertung von unterschiedlich qualitativem und belastetem Bodenmaterial und Bauschutt
  • Bodenschonender Umgang bei Abbruch, Sanierungsdurchführung, Wiedereinbau und Rekultivierung
  • Ressourcenschonender Umgang mit Baustoffen (Kreislaufwirtschaft) und Verwendung natürlicher Baumaterialien
  • Attraktive Gebäudeplanung
  • Verbesserung der Grundwasser-Qualität durch die Bodensanierungen.
  • Denkmalschutz: Im Gewerbepark bzw. in zugehörigen Randgebieten wurden mehrere historische, denkmalgeschützte Bauten erhalten: Halle 22, Halle 18, Gründerzentrum, Verwaltungsgebäude Anrather Straße, Halle 4, Wasserwerk, Wasserturm,

Eine Besonderheit ist das Gemeinschaftsprojekt „Energiezentrum Willich“, das im Gründerzentrum angesiedelt ist. Seit 2008 erhalten die Bürger und Unternehmer hier kostenlose Beratungen zum Einsatz von Erneuerbarer Energie. In diesem Umfeld entstanden Best-Practice-Modelle für die Energetische Sanierung von Gebäuden aus der Gründerzeit (Wasserwerk, Halle 22) und die Etablierung von Geothermie und Photovoltaik im Gewerbe-Neubau. Die BürgerSolarWillich eG betreibt auf der Halle 4 eine Photovoltaik Anlage in Bürgerhand mit einer Leistung von 450 KWp. Die Stadt Willich erhielt für ihr Engagement den European Energy Award in Gold.

Träger des EZ:W sind die Grundstücksgesellschaft Willich, die Stadtwerke Willich und die GEOBIT Ingenieur-Gesellschaft. Infos und Beratungstermine unter Tel.: 02154 / 81 44 82 oder unter E-Mail beratung@energiezentrum-willich.de.