Viele Themen, klare Ansagen beim „Runden Tisch der Landwirtschaft“

Runder-Tisch-Landwirtschaft-Willich-2019
Foto: Stadt Willich

An Themen und engagierten Diskussionsbeiträgen mangelte es wieder einmal nicht: Bürgermeister Josef Heyes hatte zum Anfang des Jahres traditionell zum „Runden Tisch der Landwirtschaft geladen“ – und neben Stadtlandwirt, Vertretern der Ortsbauernschaft, der Kreisbauernschaft und der Landwirtschaftskammer waren mit Uwe Schummer (MdB) und Dr. Ralf Nolten (MdL) auch Mitglieder von Bundes- und Landtag der Einladung gefolgt.

Erstmals mit am Frühstückstisch: Der neue Technische Beigeordnete Gregor Nachtwey, der erst zum Monatsanfang seinen Schreibtisch im Technischen Rathaus bezogen hat.

An Themen also war im Gegensatz zum Niederschlag im letzten Jahr kein Mangel: „Niederschlagsdefizit, Dürreschäden 2018 und Ausgleichsregelungen“ stand auf der Agenda. Und da war dann schon interessant zu erfahren, dass tatsächlich lediglich elf Betriebe im Kreis überhaupt Dürrehilfe beantragt haben – und „rund ein Drittel oder Viertel davon“ aus der Förderung fallen werden, so Dr. Christian Hoffmann von der Landwirtschaftskammer.

Was zum einen der Tatsache geschuldet ist, dass zum einen das entsprechende Antragsverfahren „extrem schwierig“ sei, zum anderen die Antragssteller genötigt seien, finanziell „die Hosen komplett runterzulassen“, wie wörtlich im Gesprächskreis, der traditionell offene Worte pflegt, zu hören war.  Macht halt nicht jeder gerne – und generell warnte Ortsbauernvorsitzender Peter Friesen davor, „mit größerer Gelassenheit“ an das Thema heranzugehen: Solche Situationen geringer Niederschläge gebe es immer wieder einmal – „und ein Eisverkäufer, der einen verregneten Sommer hat, bekommt auch keine Hilfe“.

Übrigens verdeutlichte Kreisbauernvorsitzender Paul-Christian Küskens in diesem Zusammenhang, dass die oft von Außenstehenden missbilligte Beregnung dem Grundwasserschutz diene: „Nur mit Hilfe der Beregnung können in trockenen Zeiten die Pflanzen den Dünger aufnehmen, der dann eben nicht später ins Grundwasser geht: Beregnung ist Grundwasserschutz.“

Ein weiteres vieler angerissener Themen: Der neue Technische Beigeordnete Nachtwey sagte zu, in Sachen Baugenehmigungsverfahren– soweit die Stadt zuständig und somit dazu in der Lage sei – „Prozesse zu verschlanken und zu beschleunigen“. Er sehe seinen Bereich hier in der Rolle des Service-Dienstleisters: Hier werde es zum einen personelle Aufstockung und zum anderen verfahrenstechnische Änderungen geben. Nachtwey: „Es wäre schade, wenn die Stadt hier bei Investitionen von Unternehmern der Hemmschuh wäre.“ Diesem Thema wolle er sich neben anderen prioritär annehmen.

Die Nitratdiskussion in der Öffentlichkeit (Friesen: „Mitte Dezember bis Januar Gülle-Transporte auf der Bahn – da braucht es mehr und lückenlose Kontrolle. Die schwarzen Schafe fahren den 95 Prozent sauber arbeitenden Landwirten doch alle an die Karre“) war wie der Rückschnitt an Wirtschaftswegen in Blick auf das Lichtraumprofil Thema: Bürgermeister Heyes appellierte an die Landwirte, entsprechenden Handlungsbedarf zügig zu melden, da die Stadt– nötigenfalls in Ersatzvornahme – noch bis Ende Februar problemlos tätig werden könne.

Thema Blühstreifen: Hier machte Kreisbauernvorsitzender Küskens sehr deutlich, dass man sich als Stadt der entsprechenden Programme der Stiftung „Rheinische Kulturlandschaft“ bedienen und in dieser Frage auch die Auseinandersetzung mit dem Kreis, der dem Vorhaben eher kritisch gegenüberstehe, nicht scheuen solle: „Dann bekommt die Stadt ihre Blühstreifen, wo sie will, der Bauer verdient Geld daran – und die Streifen finden Akzeptanz. Die Stiftung macht einen Vertrag mit dem Eigentümer und dem Bewirtschafter und kontrolliert außerdem, dass alles vernünftig läuft. Das klappt überall – nur im Kreis Viersen nicht.“

Bundestagsabgeordneter Uwe Schummer berichtete unter dem Stichwort „Bürokratie-Abbau“ davon, dass es in Berlin unter anderem gelungen sei, eine dauerhafte Befreiung von Sozialabgaben für Saisonarbeiter für die ersten 70 Tage zu erreichen. Weiter werde der Bund die Mehrausgaben infolge der Abschaffung der Hofabgabeverpflichtung (als Rentenvoraussetzung in der Alterssicherung der Landwirte) tragen, und schließlich sehe die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (u.a. Neubau Erdgasfernleitung Zeelink) Verbesserungen in Sachen Entschädigungen auch für landwirtschaftliche Grundstückseigentümer vor: Beispielsweise erfolge die entsprechende Auszahlung in drei Raten über einen Zeitraum von 30 Jahren.

Schließlich stellten Gesa Deckers (Pressestelle) und Cordula Schmidt (Büro Bürgermeister) der Runde noch kurz zwei aktuelle und erfolgreiche Tourismus-Projekte vor, bei denen niederrheinische Vierkanthöfe teilweise umgebaut worden sind und nun Erholungssuchenden Unterkunft bieten – vielleicht für manchen Landwirt perspektivisch ein zusätzliches Standbein, ermunterte Bürgermeister Josef Heyes.