Warum Willich eine japanische Partnerstadt bekommen soll

Marugame-Partnerstadt-Willich
Foto: Stadt Willich

Wenn einer eine Reise tut… Das waren in diesem Fall vier und im Ergebnis wird die Stadt Willich in diesem Jahr weiter mit den Verantwortlichen in der japanischen Stadt Marugame sprechen, um einen Vertrag über eine offizielle Städtepartnerschaft abzuschließen. Einen entsprechenden Auftrag an die Verwaltung hat der Willicher Rat im November einstimmig verabschiedet.

Der Hintergrund: Es gibt seit längerer Zeit freundschaftliche Kontakte zu Marugame und im September hatte eine Willicher Delegation – Bürgermeister Josef Heyes, Wirtschaftsförderer Christian Hehnen, Pressesprecher Michael Pluschke und Yazuo Inadome (Japan-Club Willich) – eine knapp zweiwöchige Reise nach Japan gemacht. Dabei hatten die vier auch mehrere Tage in Marugame verbracht und viel gesehen.

Die zukünftige Willicher Partnerstadt liegt im Nord-Westen Japans in der Präfektur Kagawa und hat etwa 110.000 Einwohner. Die Wirtschaftsstruktur wird durch den direkten Hafenanschluss am Meer begünstigt. Daraus resultieren etwa Werftbetriebe, Reedereien und Fischerei. Dazu kommt, dass die Stadt überregional bekannt für die Produktion der „Udon“-Nudeln ist – die dickste Nudelsorte der traditionellen japanischen Küche. Weitere Bereiche sind die Produktion von Bambusfächern, Feinmechanik, IT-Entwicklung, Bank- und Unternehmensverwaltungen sowie kleinbäuerliche Gartenbau- und Landwirtschaft.

TOPOGRAPHIE UND GESCHICHTE

Marugame wird im Nordwesten durch den Pazifik begrenzt, im Westen und Süden durch begrünte Bergwälder. Die Region verfügt über eine gute Straßen-Infrastruktur, kleinbäuerliche Strukturen (wo die Topographie und die Bodenstruktur nach Süd/Ost es hergibt, mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft und Reisanbau in überfluteten Feldern

Das älteste Gebäude der Stadt stammt aus der EDO-Zeit: die 1602 erbaute Burg Marugame auf dem 60 Meter hohen (Verteidigungs)-Berg. Sie verfügt über ein attraktives Burggelände, mit Parkanlagen, beeindruckenden Gärten und Museen. Es gibt die Möglichkeit für Bootsausflüge zu den benachbarten Inseln wie etwa der Insel Honjima: Dort steht ein altes Fischerdorf unter dem Schutz als Weltkulturerbe der Unesco. Zu besichtigen sind auch herrliche, mehr als 800 Jahre alte, gepflegte japanische Gärten oder es gibt eine Ausstellung der Bambusfächerproduktion …

Begeistert ist Willichs Bürgermeister Josef Heyes vom Emfpang durch die Bürger in Marugame: „Wir wurden von den Schülern/-innen, von der Schulleitung, Lehrer- und Elternschaft der Fujii-Gakuen-Schule (rd. 1.300 Schülerinnen und Schüler) sowie vom Bürgermeister, den Mitgliedern des Stadtrates und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung mit ganz großer Herzlichkeit begrüßt. Dasselbe erlebte wir bei Treffen mit Menschen und Vereinigungen wie den Tempelpriestern, in Unternehmen etc. die über unsere Anwesenheit er- fahren hatten. Die Stadt hat ein ge- und beschäftigtes Alltagsgetriebe!“

Faszinierend an der japanischen Kultur ist für Heyes die Disziplin der Menschen, die Sauberkeit von Straßen und Häusern, bes. ohne Graffiti, im Verkehr in der Geschäftigkeit und die japanische Gartenkunst als Ruheoasen. Er lobt auch die Anlage und die Pflege der buddhistischen Tempelanlagen oder der Schrein-Anlagen (Shintoismus). Kulinarisch bietet das Land eine vielseitige Esskultur und eine leichte gesunde Kost. (Der japanische Wein könnte im Ausbau verbessert werden, denn das Potenzial hat er dazu.)

DER EMPFANG IN JAPAN

Auch über die Kontakte zu den japanischen Jugendlichen ist Heyes sehr erfreut: „Wir wurden mit großer Begeisterung und erfuhren hohen Respekt für unser Interesse. Der Vortrag von Herrn Inadome über Deutschland und die Europäische Union und mein ins Japanische übersetzter Vortrag über die Bedeutung der internationalen Beziehungen, die Bedeutung von Schul- und Städtepartnerschaften fanden bei den mehr als 350 Oberstufenschülern hohe Aufmerksamkeit und über 120 Minuten disziplinierte Konzentration.“

Die Erwartungen der freundschaftlichen Begegnung wurden durch die tiefe Herzlichkeit übertroffen, so Heyes: „Aber auch unsere bisherige Information und Vorstellung über die hohe Technisierung, die Akzeptanz der Menschen von durch Verkehr, Vielzahl der Menschen (142 Mio. Japaner) verursachte Belastungen (Lärm, Geschäftigkeit) wurde übertroffen“.

Für die Menschen in Willich – Jugendliche und Erwachsene – biete die Partnerschaft einen großen Gewinn, meint der Willicher Bürgermeister und zitiert Goethe: „Reisen bildet!“

Die Kontakte führen zur Weltoffenheit, Bereicherung der Kenntnisse über an- dere Kulturen, der Geschichte, der Geschichte, der Sprachen. Japan wie Deutschland gehören mit zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Basis dieser Wirtschaftsbeziehung ist der Waren-, Wissens- und Güteraustausch. Hierzu sind Menschen erforderlich. Mit dem Austausch ist eine Verbesserung der Versorgungs- und Einkommenssituation und daraus erwachsend auch global die Wohlstandsverbesserung der Menschheit verbunden.

In unserer Stadt Willich sind rund 30 japanische Unternehmen als deutsche und europäische Niederlassung angesiedelt. Japanische Unternehmen in Willich bieten ca. 900 Mitarbeiter/-innen teils hoch qualifizierte Arbeitsplätze. Hier durch Jugendliche erlernte Sprachkenntnisse, Kenntnisse der Mentalität und der Kultur sind zur Aufnahme von Beschäftigungsverhältnissen sehr hilfreich.

„Internationale Beziehungen, besonders die Kontakte zwischen den Menschen, dienen im starken Maße dem Weltfrieden“, so Heyes‘ Überzeugung.