Wettbewerb Brauereigelände: Willichs konkrete Zukunftsmusik

Zukunft Rewegelände Umbau Willich
Foto: privat

Die Zukunft Willichs

An vielen Stellen wird derzeit daran „geschraubt“. Der Kaiserplatz ist umgestaltet, am Marktplatz rund um St. Katharina rollen aktuell die ersten Bagger – und auch in Sachen des ehemaligen Brauereigeländes ist man einen gewaltigen Schritt weiter: Der Wettbewerb zur städtebaulichen Umgestaltung des ehemaligen Brauereigeländes ist Geschichte. Das unter anderem mit Vertretern aller Fraktionen besetzte Preisgericht hat unter Vorsitz von Prof. Rolf Egon Westerheide, Architekt und Stadtplaner aus Aachen die zwölf anonym eingereichten Beiträge beurteil. Drei dritte und ein erster Preis sind vergeben: Der erste Preis geht an das Büro Reinhard Angelis Planung Architektur Gestaltung aus Köln.

Aber nicht nur diesen Siegerentwurf stellten Technische Beigeordnete Martina Stall, Chris Pakusch als Vorsitzender des Planungsausschusses sowie David A. Spinne als Vertreter des dort angesiedelten Investors REWE der Presse vor. Nicht ohne Grund: In die Rahmenplanung, die laut Martina Stall noch in diesem Jahr über die Bühne und dabei (so war es ver- und abgesprochen) vom ersten Preisträger begleitet werden soll, fließen nämlich auch durchaus gute Ideen aus den anderen Entwürfen ein – letztlich wird eine Art kombiniertes „best of“ umgesetzt werden. Mit im Boot sind die Haupteigentümer Rewe, Stadt und die Willicher Paschertz Immobilien-GmbH, die alle der doch recht grundlegenden Umgestaltung des Areals offensichtlich absolut positiv gegenüberstehen:

„Ein schönes Verfahren, ein gutes Ergebnis – und damit die Verpflichtung, zügig weiterzuarbeiten“, so am heutigen Dienstag Spinne vor der Presse. Man wolle lieber „heute als Morgen die weiteren Schritte gehen“.

Vorgabe: Parkplätze

An die Vorgabe, das „Zentralproblem der Erhaltung der 180 Parkplätze“ (Stall), hatten sich nicht alle Planer wirklich gehalten – oder aber recht hübsche, aber nicht unbedingt realistische Lösungen aus der kreativen Seele gezaubert – das Wort „Willichhattan“ machte ironisch die Runde. „Was Realistisches“, so Pakusch, habe man aber nun mit dem vorliegenden Entwurf auf dem Tisch – mit den geforderten Parkplätzen.

Wenn man auch noch genauso ge- wie entspannt abwarten darf, was letztlich in den zu realisierenden Rahmenplan Eingang finden wird, steht aber schon jetzt fest, dass sich das Areal vom Image her vollkommen verändern wird: Der (Park-) Platzbereich vor dem jetzigen Rewe-Markt (man wird laut Stall einen speziellen „Raumplaner“ einbinden) wird massiv aufgewertet werden, Aufenthaltsqualität bekommen. Außerdem sind Bauten für Wohn- (oben) und Einzelhandelbereiche (ebenerdig, laut Planer „attraktive Lauflagen für kleinteilige Laden-, Gastronomie- und Gewerbeangebote“) so angeordnet, dass sich gassenartige, fußläufige Verbindungen auch zwischen Marktplatz/Kirche und Brauereiareal ergeben: Im Gewinnerentwurf ist keine wirkliche Sichtachse von St. Katharina hinüber zum Rewe-Komplex geplant; man läuft eher durch Gassen und Gässchen gen Brauerei – und der Markt öffnet sich dem Besucher dann eher überraschend.

Café mit Glasfront

Apropos: Was mit der Halle, dem Raum über dem eigentlichen Markt geschieht, ist ebenfalls noch ein variantenreiches Planspiel. Von Sportplatz über Veranstaltungshalle und Fitness-Center bis hin zum schnieken Café mit Glasfront, das dem Besucher einen Blick nicht nur über die Kaffee-Tasse, sondern auch hinüber zur Pfarrkirche bietet, ist da einiges am planerischen Start. Schon ziemlich sicher scheint indes festzustehen, dass man die Grabenstraße vom Profil her deutlich verbreitern und als Achse optisch und funktional aufwerten möchte.

Der Planer selbst (das Kölner Büro Reinhard Angelis) stellt, so ist den erläuternden Texten auf den Plänen zu entnehmen, auf die „Lust“ ab, „die verborgenen Geheimnisse der Blockinnenbereiche zu erkunden“, was „Grundlage dieser städtebaulichen Neuinterpretation“ bilde: „Die im bestehenden Stadtgrundriss angelegte räumliche Struktur und ihre Maßstäblichkeit werden beibehalten und weiter entwickelt. So entsteht im Westen ein gleichsam poröser Block, der die bestehenden Straßenverläufe fasst.“ Die „entstehende, intime Binnenwelt“ stehe nicht in Konkurrenz zum Straßenraum, sondern eröffne eine „Abfolge von attraktiven Wegen und Plätzen mit eigenständigem Charakter. Blick und Zielpunkt ist die Kirche St. Katharina mit dem Marktplatz.“ Im Norden bilde auf dem Gelände der ehemaligen Brauereipassage der „neu ausformulierte Blockrand einen Rahmen für den solitären Akzent auf der Süd-West-Ecke des Parkplatzes.“

„Entstehende, intime Binnenwelt“

Die „in den Straßenräumen angelegte Materialität“ soll weitergeführt werden: Ziel ist ein homogenes Erscheinungsbild des Straßenraums, mit „leichten visuellen Unterscheidungen von Geh- und Fahrbereichen“. Dieses durchlaufende, einfache Gestaltungskonzept soll durch besondere Akzente und die etwas zurückgenommene Gestaltung der großen Parkplatzflächen ergänzt werden: „Aufgrund der sinnvollen, dichten Bebauung werden die neuen Stellplätze in Tief- oder Hochgaragen angeboten. Im letzteren Fall mit der Option, sie höherwertig um zu nutzen. Daneben werden die erforderlichen Supermarktstellplätze in geänderter Anordnung erhalten. Auch hier ist es denkbar, auf der Grundlage von neuen Nutzungsverteilungen in der Innenstadt, in der Zukunft eine etwas weniger parkplatzdominierte, räumliche Gestaltung zu entwickeln.“

Im nördlichen Block ist, so der Planer, eine Anlage für betreutes Wohnen denkbar, die im organisatorischen Zusammenhang zu eingestreuten Altenwohnungen stehe: „Hier können besondere Betreuungsangebote für das umgebende Quartier vorgehalten werden.“ Ein weiterer solitärer Baukörper Im Süden ist schichtweise aufgebaut, heißt es unter andrerem seitens der Planers weiter: „Im Erdgeschoss Laden- und Kleingewerbe (verkaufendes Handwerk, Bilderrahmen, Reparatur von Unterhaltungselektronik etc.). Darüber ein Parkdeck, das als Ergänzung der Handwerksbetriebe in der autoärmeren Zukunft umgenutzt werden kann. Den oberen Abschluss bildet eine in die Höhe gehobene Hofhausbebauung, in Form von kleinen, um ein Atrium organisierten Häusern. Allen Wohnangeboten gemein ist das Thema einer dichten Bebauung, die einfamilienhaus-artige Qualitäten aufweist (…); die notwendige Erschließung bietet den willkommenen Anlass, die Fassade des Supermarktes um einen neuen Akzent zu bereichern.“

Wie geht es nun konkret weiter? Am Donnerstagabend wird das Ergebnis des Wettbewerbs öffentlich im Planungsausschuss präsentiert, vom 21. Februar an (11 Uhr) sind Pläne und Modelle für zehn Tage lang in der Gaststätte Krücken für jedermann zu begutachten; danach geht es dann in die schon deutlich konkretere Rahmenplanung.

„Wir werden jetzt mit den Ideen auf die Eigentümer zugehen und schauen, was man davon gemeinsam umsetzen kann“, so Planungsausschuss-Vorsitzender Christian Pakusch, der sich dann auch über eine Äußerung des REWE-Vertreters David Spinne sichtlich freute: „2020, 2021 sollen die Bagger rollen.“