Am Abend des 15. November 1978 verließ der 13-jährige Andrew Robinson, Sohn eines im ehemaligen Stahlwerk Becker stationierten Stabsfeldwebels, die elterliche Wohnung, um den englischen Jugendclub aufzusuchen. Wie sich später herausstellte, hatte er den Club schon längere Zeit nicht besucht, obwohl er dies seinen Eltern immer gesagt hatte. An dem Abend wurde der Junge mit seinem auffälligen roten Bonanza-Rad zweimal von Passantinnen gesehen, einmal gemeinsam mit zwei Männern, die von der Polizei aber nicht ermittelt werden konnten. Am späten Abend alarmierten die besorgten Eltern die Polizei, eine großangelegte Suchaktion brachte aber kein Ergebnis.

„SPUKHAUS“ ALS TATORT

Der Tatort: Spukhaus.

Am nächsten Morgen entdeckte ein englischer Militärpolizist den toten Jungen in einem Abbruchgebäude am Willicher Bahnhof, in dem früher Bahnmitarbeiter gewohnt hatten. Auf die Willicher Kinder übte das „Spukhaus“ genannte Gebäude als Mischung aus Gruselkabinett und Märchenschloss einen gewissen Reiz aus. Trotzdem war für die Polizei klar, dass der eher vorsichtige Junge niemals freiwillig in dieses Gebäude gegangen, sondern vielmehr von seinem Mörder gezwungen worden wäre. Der Mörder hatte versucht, sein Opfer mit einem Taschenmesser zu zerstückeln und ihm zahlreiche Messerstiche am Unterleib bei gefügt. Dies führte bei den Ermittlern zu der Vermutung, dass es sich um einen Sexualtäter handeln würde. Die Nachforschungen der Polizei verliefen jedoch im Sande, die Hinweise aus der Bevölkerung blieben trotz einer ausgelobten Belohnung spärlich, sogar die Übertragung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ am 1. Juni 1979 blieb erfolglos.

ERMITTLUNGSERFOLG NACH JAHREN

Gelöst wurde der Fall erst fünf Jahre später nach dem Geständnis des Serienmörders Kurt-Friedhelm Steinwegs. Steinwegs verbrachte seine Jugend in einem Heim und verübte dort bereits als 14-jähriger seinen ersten Mord, was aber erst später bekannt wurde. 1976 sah das Heim keine weiteren Förderungsmöglichkeiten und Steinwegs kam in eine heilpädagogische Einrichtung in Bayern. 1977 wurde er zu seinem Vater nach Willich geschickt, die Mutter war bereits früh gestorben. 1979 kam Steinwegs in die Psychiatrie nach Süchteln. Dort tötete er vier Menschen, unter anderem einen Mitpatienten. Erst 1984 wurde er nach einem weiteren begangenen Mord verhaftet. In der Vernehmung gestand er sämtliche Tötungsdelikte, auch das an Andrew Robinson. In den Boulevardmedien wurde er als „Bestie“ oder „Monster vom Niederrhein“ bezeichnet. Steinwegs wurde 1985 vom Landgericht Mönchengladbach zu einer 10-jährigen Jugendstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Bis heute sitzt er in der Forensik in Bedburg-Hau ein.