50 Jahre ist ein junger Geburtstag für eine Stadt – aber er wird in Willich im nächsten Jahr mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen gefeiert. Denn vor 50 Jahren entstand im Zuge der Kommunalen Neuordnung in NRW aus den vier Gemeinden Willich, Anrath, Schiefbahn und Neersen die Stadt Willich mit mittlerweile mehr als 50.000 Einwohnern.

FEST FÜR BÜRGER VON BÜRGERN

„Wir haben den Auftrag aus der Politik, ein Festprogramm ‚50 Jahre Willich‘ zu entwickeln und sind in der Ausarbeitung“, erklärt Bernd Hitschler, Geschäftsbereichsleiter Schule Sport Kultur bei der Stadt Willich. Geplant ist, dass im Jahresverlauf immer wieder Veranstaltungen aus den unterschied­lichsten Bereichen des Willicher Lebens stattfinden – in allen Stadtteilen und mit dem Ziel „das verbindende Element“ zu betonen, so Hitschler.

Das Projektteam der Stadt hat verschiedene Vereine und Organisationen gefragt, ob sie sich beteiligen möchten und es gab viel positive Resonanz – sei es, dass Vorschläge eingereicht wurden oder gefragt wurde, ob eine andere Beteiligungsmöglichkeit bestehe. „Das Programm kommt aus der Bürger­schaft für die Bürgerschaft“, beschreibt Hitschler. So sind etwa die Chöre, Sportvereine und die Schützen eingebunden, dazu wird es eine Talkrunde mit der Politik geben oder es sind Publikationen geplant. Zu letzteren gehört etwa das Buch von Udo Holzenthal und Bernd­Dieter Röhrscheid „50 Jahre Willich“.

„Ziel ist es auch, eine Nachhaltigkeit zu schaffen. Das Buch hat Bestand“, so Bernd Hitschler. Wichtig ist allen, dass alle Willicher Bürger an den Veranstaltungen teilnehmen können – deswegen wird der Eintritt pro Termin maximal 5 Euro kosten. Insgesamt hat der Rat für die Veranstaltungen einen Kostenrahmen von 105.000 Euro bewilligt, „damit kommen wir aus“, erwartet Hitschler.

Insgesamt sind derzeit mehr als 30 Veranstaltungen schon fest geplant, weitere werden im Laufe des Jahres 2020 noch hinzukommen, denn das Konzept wird sich noch entwickeln. Damit wird 2020 in Willich sehr abwechslungsreich, denn auch das „normale“ städtische Kulturprogramm bietet wie­ der viele Möglichkeiten. Er freut sich, dass sehr kreative Dinge im Jubiläums­programm enthalten sind. Bürgermeister Josef Heyes wird das Gesamtprogramm zum Stadtjubiläum in den nächsten Wochen vorstellen. Es liegt dann zur Information der Bürger auch in gedruckter Form aus. Infos auch auf www.stadt-­willich.de

50 JAHRE WILLICH – EINE BESONDERE CHRONIK

„Es stellte sich die Frage nach dem neuen Bürgermeister. Käthe Franke wollte, Manfred Möller wollte, und Hans Lamers wollte Wolfgang Samland. Käthe Franke war Parteivorsitzende und Manfred Möller Fraktionsvorsitzender. Und da sie beide kandidierten, lief die ganz Soße über mich. Wir hatten keinen Samstag und keinen Sonntag, das Telefon stand nie still. Meine Frau hat geschimpft wie ein Rohrspatz. Irgendwann hat sie gesagt: Wenn das so weitergeht, ziehe ich aus“.

Dieses Zitat des damaligen stellvertretenden CDU­Partei­ und Fraktionsvor­ sitzenden Otto Busch ist nur eines von vielen, das die Lebendigkeit dieses Buches ausmacht – zusammen mit vielen Geschichten und Geschichtchen: In ihrem Buch „50 Jahre Willich“ präsentieren Bernd­Dieter Röhrscheid und Stadtarchivar Udo Holzenthal einen Überblick über das städtische Leben Willichs seit der kommunalen Neuordnung.

Das Konzept des Buches war es von Beginn an, Zeitzeugenberichte und Anekdoten aus den verschiedensten Bereichen chronologisch zusammen zu stellen, um so einen anderen Arbeitsansatz zu bieten als in der ersten Chronik Willichs, die sich vor allem an Gebäuden orientiert hatte. Das Buch ist in vier Epochen unterteilt, die jeweils von einer Auflistung wichtiger Termine eingeleitet werden. Dann finden sich die unter­ schiedlichsten Themen: Renate Tippmann und Martine Callebert (Linselles) berichten über die Partnerschaft beider Städte, Yasuo Inadome über die Beziehungen Willichs zu Japan, Dieter Hehnen und Udo Holzenthal über den Umbau des Schloss Neersen und die Bedeutung des damaligen Bauleiters Ernst Seelhorst, Wilhelm Spee schreibt über die Schlossfestspiele, Klaus Riedel über die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr, es gibt Berichte zu Schützen und Karnevalisten…

Wichtig ist Holzenthal und Röhrscheid: „Die Menschen sollten in den Vorder­grund“. Dazu zählt für sie auch die Erinnerungskultur an die jüdischen Mit­bürger Willichs, denn diese Pflege beschere der Stadt viel Lob, so Röhrscheid und verweist auf Miryam Shomrat, ehem. Botschafterin des Staates Israel und eine Nachfahrin der jüdischen Familie Kaufmann (Schiefbahn): Sie „findet es außergewöhnlich, dass in Willich keine antisemitischen Äußerungen aufkommen“.

Das Buch wurde von den Heimat­ und Geschichtsfreunden Willich mit Unter­stützung der Sparkassenstiftung entwickelt. Es ist für 29,80 Euro in der Willicher Buchhandlung erhältlich.